Kolbermoor – Ein Fest für Wiederkunft Christi: Heuer vor 50 Jahren wurde die Kirche fertiggestellt. Was das Gotteshaus für Kolbermoor heuer bedeutet, erzählen Pfarrer Maurus Scheurenbrand (58) und die Pastoralreferenten Monika Langer (57) und Martina Mauder (48). Darüber hinaus sprechen sie im Interview darüber, wo sie die Kirche in 25 Jahren sehen und wie sie ihre Gotteshäuser beleben.
50 Jahre Wiederkunft Christi. Was bedeutet dieser Geburtstag für Sie Drei?
Maurus Scheurenbrand: Ganz spontan: große Vorfreude!
Monika Langer: Große Dankbarkeit gegenüber den Gründern. Wir machen das Jubiläum ja nicht nur am Gebäude fest, sondern an der Struktur, der Gemeinschaft der Menschen.
Martina Mauder: Es ist auch die Fülle der Begegnungen – es gab traurige und schöne Momente.
Frau Mauder, können Sie Beispiele nennen?
Mauder: Schön ist, dass das Zeltlager Kohlstatt seither stattfindet, auch das Seniorencafé und der Fasching. Traurig, dass die Pfarrbücherei 2011 schließen musste.
Was macht die Kirche für Sie so besonders?
Mauder: Wie der Kirchenraum gestaltet ist. Er ist so einladend, so rund, auch die Orgel und der Kreuzgang.
Scheurenbrand: Es ist ein Zentrum, dass die Gründerväter hier geschaffen haben. Hier war ja vorher nichts. Langer: Man hat für die Menschen, die hier im Süden leben, ein Begegnungszentrum geschaffen – ein Zuhause für Jung und Alt.
Haben Sie in der Kirche ein Lieblingsstück?
Langer: einen Ort. Nämlich in einer der ersten Reihen mit Blick auf das Kreuz und den Altar.
Mauder: Das finde ich auch.
Scheurenbrand: Mein Lieblingsblick ist zum Altar und zur Monstranz, zum Kreuz und zur Orgel.
Welche Bedeutung hat die Kirche für die Kolbermoorer heute?
Langer: Es ist der einzige öffentliche Begegnungsort in diesem Stadtteil.
Scheurenbrand: Aber leider halten sich hier nicht mehr sehr oft sehr viele Menschen auf.
Mauder: Naja, zu den Orgelkonzerten kommen viele Menschen.
Langer: Und täglich etwa 120 Familien, die die Kita-Einrichtung besuchen.
Dass vor 50 Jahre in einer Kleinstadt eine zweite katholische Kirche gebaut wurde, war besonders, oder?
Scheurenbrand: In den 60er- und 70er-Jahren war das nichts Besonderes.
Wie kam es damals dazu, dass hier noch ein Zentrum entsteht?
Mauder: Mitte der 60er-Jahre hat die Kirche das Grundstück von der Stadt gekauft, dann wurde die Pfarrei gegründet und aufgebaut. Es folgten Behelfskirche und Kita. Ab November 70 wurde dann die Kirche gebaut und war im Dezember 71 fertig.
Wie schaut es heute mit der Bedeutung für Sie aus?
Langer: Es ist ein Kirchengebäude, das offen ist und auch einlädt, um neue Formen der Liturgie auszuprobieren.
Scheurenbrand: Die Frage ist, ob sie für den normalen Gottesdienst in naher Zukunft erforderlich ist, bei den schwindenden Zahlen.
Gab es in den 50 Jahren irgendwelche Besonderheiten?
Scheurenbrand: Der Fasching, der hängt ganz klar mit diesem Zentrum zusammen. Auch der Orgelmittwoch. Der sollte 2012 nur einige Male stattfinden, da aber die Nachfrage so groß war, findet er bis heute einmal im Monat statt. Vor Corona kamen bis zu 100 Leute.
Es gab schon Diskussionen um bauliche Veränderungen. Wissen Sie mittlerweile wie es mit der Kirche, Pfarrheim und Pfarrhaus weitergeht?
Scheurenbrand: Es gibt Gespräche, wie es weiter gehen könnte, aber konkret ist noch nichts. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen.
Könnte es sein, dass die Kirche ihren 100. Geburtstag nicht mehr feiert? Das ist ja eigentlich unvorstellbar….
Scheurenbrand: Ich glaube ja, aber wie es dann ausschaut steht in den Sternen.
Kirche 2046 – in 25 Jahren – wo sehen Sie sie?
Scheurenbrand: Ich glaube nicht, dass es dann noch eine Kirchensteuer gibt.
Mauder: Heuer hat im Ausbildungszentrum in München niemand die Ausbildung zur Pastoralreferentin angefangen.
Frau Mauder, warum ist das so. Was glauben Sie?
Mauder: Weil man als Seelsorger diesen schweren Rucksack trägt. Bei Austritten heißt es oft: Das liegt nicht an euch hier vor Ort, sondern an den Entscheidungen aus Rom, an den verkrusteten Strukturen… Es wird gar nicht mehr damit gerechnet, dass unsere Botschaft zum Leben helfen will. „Katholisch“ ist ein Bremsklotz.
Was tun Sie, um die Kirche zu beleben?
Scheurenbrand: Wir machen die Türen weit auf.
Mauder: Wir laden ein, sind kreativ.
Scheurenbrand: 100 Prozent. Interview: Ines Weinzierl