Zwischen Altar und Fertigpizza

von Redaktion

So feiert Pfarrer Maurus Scheurenbrand den Heiligabend

Kolbermoor – Seit 28 Jahren hat Pfarrer Maurus Scheurenbrand (58) in der staden Zeit und an Weihnachten keinen Urlaub. Er zelebriert die Messen, besucht Kranke – in der Vorweihnachtszeit und selbst am Heiligabend. Das ist zwar viel Arbeit, aber eine schöne, sagt der Pfarrer der Stadtkirche. Wie er selbst den Heiligabend verbringt und wie er als Kind mit seiner Familie gefeiert hat, verrät er im Interview.

Herr Pfarrer, was bedeutet Ihnen Heiligabend?

Viel Arbeit. Aber dazu möchte ich sagen, dass es eine total schöne Arbeit ist. Ich habe keine Angst davor, ich freue mich darauf.

Es gibt jede Menge zu tun, oder?

Ja, im Vorfeld stehen viele Vorbereitungen an. Denn es dreht sich ja nicht alles nur um den 24., Dezember. Meine Kollegen und ich investieren viel Zeit in Besuche. Wir gehen zu Menschen, die beispielsweise nicht mehr gehen können. Und heuer haben wir wie im vergangenen Jahr die Weihnachtstüten-Aktion gemacht. Die haben wir dann an den Türen übergeben und haben viele schöne Begegnungen erlebt.

Wie haben Sie als Kind Weihnachten verbracht?

Ganz klassisch. Ich habe mit meinen Eltern, Großeltern und drei Brüdern gefeiert. Nachmittags sind wir in die Kindermette gegangen. Unser Vater ist Zuhause geblieben und hat den Christbaum geschmückt. Abends gab es dann Wiener und Kartoffelsalat. Das war immer sehr schön.

Essen Sie das heute auch noch?

Nein, ich mache mir zwischen den Messen entweder eine Tiefkühlpizza oder einen knusprigen Leberkas und dazu trinke ich einen schweren Rotwein. Darauf freue mich schon.

Hören Sie dazu ganz klassischch Weihnachtsmusik?

Nein, da möchte ich nichts hören. Es ist dann ganz still.

Ist das nicht einsam?

Nein, ich freue mich auf diese ein bis zwei Stunden, die ich zwischen den Messen nur für mich habe. Den Rest des Tages bin ich ja nicht alleine, habe bei den Messen Begegnungen und auch auf dem Friedhof. Das ist ein gewisser Ersatz und ich bin ganz und gar nicht traurig.

Wie viele Gottesdienste sind am 24. Dezember?

Drei insgesamt, zwei in Heilige Dreifaltigkeit, einer in Wiederkunft Christi. Dazwischen sind noch Krankenbesuche und Friedhofsgänge.

Verschnaufpausen gibt es nicht?

Am 25. Dezember geht es ja weiter. Und darauf freue ich mich auch. Aber am 26, Dezember abends bin ich dann schon erledigt.

Es ist aber keine Bürde?

Nein, vielmehr große Freude.

Ist Ihnen schon mal die Stimme während der Messe weggebleiben?

Da habe ich immer wieder Probleme mit. Deshalb singe ich manchmal nicht mit, um sie zu schonen. Ich trinke dazwischen dann heißen Tee, um weiter sprechen zu können.

Haben Sie zu Hause auch einen Christbaum?

Ja, und ich habe einen Brauch aus Oberschwaben hier in Kolbermoor eingeführt – das Christbaumloben. Da gehen alle ohne Grund von Haus zu Haus, bestaunen den Christbaum. Wenn sie ihn loben, bekommen sie einen Schnaps.

Sie auch?

Ich trinke mit (lacht).

Wann können Sie wieder Urlaub nehmen?

Ich kann im Januar, wenn keine Termine sind, einige Tage freinehmen. Das mache ich immer ganz flexibel. Interview: Ines Weinzierl

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