Kolbermoor – Der sechste Bauabschnitt für den Hochwasserschutz Kolbermoor ist in den letzten Zügen. Die Arbeiten sind zügig vorangeschritten und der Deich sowie die Zuführungen nehmen mehr und mehr Gestalt an. Auch das Bauarbeitenschild ist bereits abmontiert. Baurätin Iris Reitinger-Eß erläutert gegenüber dem Mangfall-Boten, was noch zu tun ist.
Was ist seit August an der Baustelle geschehen?
Der Hochwasserschutzdeich mit Innendichtung wurde im Bereich zwischen Aiblinger Brücke und hinter der Bebauung Pullacher Au bis zur Staatsstraße fertiggestellt – auf eine Höhe des hundertjährlichen Hochwassers plus einen Meter Freibord. Die Böschungen wurden mit Magerrasen begrünt. Die bestehende Weiherkette wurde ertüchtigt. Ein Graben und eine teilweise Verrohrung dienen im Hochwasserfall der Ableitung des Gererbachs, der die Staatsstraße unterquert und bei Normalwasser in den Auwald fließt.
Was ist noch zu tun?
Es ist noch der zweite Teilabschnitt auszuschreiben und auszuführen. Dieser besteht aus einer Spundwand entlang der Staatsstraße einschließlich Entwässerungsgraben und Schutzplanken. Außerdem wird noch das Teilungsbauwerk für den Gererbach errichtet.
Wo und wie tief wird die Spundwand in den Boden gerammt?
Die Spundwand wird entlang der Staatsstraße mit einer Tiefe von circa vier bis sechs Metern in den Boden gerammt. Sie ist rund ein bis zwei Meter sichtbar, je nach Geländehöhe.
Wozu dient diese?
Die Spundwand dient dem Hochwasserschutz der Mangfall und wird in diesem Teilabschnitt als Alternative zu einem Deich gebaut, um weniger Waldfläche in Anspruch nehmen zu müssen.
Von welchem Zeitrahmen sprechen wir?
Die Arbeiten werden demnächst ausgeschrieben und sollen im Winter 2021/2022 und Frühjahr 2022 ausgeführt werden. Die Fertigstellung ist für Sommer 2022 geplant.
Kann Frost den Arbeiten etwas anhaben?
Die Spundwandarbeiten können im Winter durchgeführt werden. Die Erd- und Betonarbeiten werden dann im Frühjahr gemacht.
Warum ist das große Schild abgebaut worden?
Die Bautafel an der Aiblinger Brücke wurde abgebaut, da dieser Teilabschnitt fertig ist. Die Bautafel an der Staatsstraße bleibt noch stehen.
Wie sieht es an der Kostenfront aus?
Die Gesamtmaßnahme ist mit 3,35 Millionen Euro veranschlagt. Der erste Teilabschnitt liegt dabei mit circa zwei Millionen Euro voll im Kostenrahmen. Beim zweiten Teilabschnitt muss man die Ausschreibung abwarten.
Sind die Damm-Spaziergänger verständig gewesen oder haben sie Absperrungen ignoriert?
Die Spaziergänger haben sich weitestgehend an die Baustellenabsperrung gehalten. Es gab aber immer wieder unvernünftige Fußgänger, Radfahrer und sogar Autofahrer, die die Baustelle als Abkürzung nutzten. Der Weg dient künftig nur für Unterhaltungszwecke und nicht als Fuß- und Radweg, da er an der Staatsstraße endet.
Ist der Hochwasserschutz an der Mangfall nach dieser Maßnahme abgeschlossen?
Nach Abschluss dieser Maßnahme besteht ein Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser für Kolbermoor. In Rosenheim sind noch Deichabschnitte zu ertüchtigen und das Rückhaltebecken Feldolling muss noch fertiggestellt werden. Diese Maßnahme kann unter hochwasserschutz-mangfall.de begleitet werden.
Sind die bisherigen Maßnahmen noch funktionell?
Die Maßnahmen, die nach dem Raumordnungsverfahren 2000 geplant und durchgeführt wurden, entsprechen dem Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser.
Wird das Augenmerk nun verstärkt auf die Gewässer dritter Ordnung gelegt nach den jüngsten Hochwassern?
Für die Gewässer dritter Ordnung sind die Kommunen zuständig, die vom Wasserwirtschaftsamt beratend unterstützt werden sowie mit Zuwendungen beispielsweise im Rahmen des Sturzflut-Risikomanagements.
Gibt es heuer noch Bachabkehren?
In regelmäßigen Abständen, alle zwei bis drei Jahre, werden am Mangfallkanal von den Kraftwerksbetreibern Bachabkehren durchgeführt. Das hängt vom Turnus ab. Interview: Silvia Mischi