Lichterglanz in Kolbermoors Wohnzimmern

von Redaktion

Tag des Adventskranzes So schmückt Heidi Hell vom Obst- und Gartenbauverein ihr Zuhause in der Vorweihnachtszeit

Kolbermoor – Am ersten Advent ist der Tag des Adventskranzes. Eigentlich hat Heidi Hell (71) im November einen festen Termin im Kalender eingetragen: das Adventskranzbinden des Kolbermoorer Obst- Und Gartenbauvereins. Wegen Corona fand dieser Termin allerdings bereits zum zweiten Mal – 2020 und 2021 – nicht statt. Was für die Pressebeauftragte des Vereins ein Muss ist, was gar nicht geht und wie sie den Kranz als Mädchen gestaltet hat, verrät sie im Interview.

Frau Hell, wie schaut Ihr Adventskranz zu Hause heuer aus?

Er hat viele verschiedene Zweige, wie Kiefern, Thujen und Efeu – das gefällt mir sehr. Und natürlich hat er vier rote dicke Kerzen.

Hat er nicht immer vier Kerzen?

Nein, es gibt auch Kränze mit 24 oder einer Kerze, aber das ist nicht meins. Ich mag es klassisch in Rot.

Also sind die neuen Trendfarben wie Hellblau nichts für Sie?

Nein, das ist wirklich nicht meins.

Hand aufs Herz. Haben Sie ihn selbst gebastelt oder gekauft?

Ich habe ihn gekauft. Alleine einen Adventskranz basteln ist nicht meins. Vor Corona haben wir ihn immer in der Gemeinschaft gebastelt und das fand ich total schön. Aber daraus wurde ja nun nichts.

Wie war das in Ihrer Kindheit?

Wir haben ihn gemeinsam gebastelte – meine Mutter, meine Geschwister und ich. Damals war ich in Niederbayern und da haben wir auch die Tannenzweige gesammelt und nicht gekauft. Ich erinnere mich noch genau an einen: Damals wurde um den ganzen Kranz eine Schleife gewickelt – sie hat quasi die Kerzen miteinander verbunden.

Interview: Ines Weinzierl

Ein relativ junger Brauch

Der Adventskranz, der heutzutage bei den meisten Familien in Deutschland zu finden ist, ist ein junger Brauch. Zurück geht er auf den evangelisch-lutherischen Theologen Johann Hinrich Wichern (1808 bis 1881). Er war Gründer einer Stiftung zur Betreuung für Waisenkinder in Hamburg. Um den Kindern die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen, brachte Wichern im Winter 1839 auf einem Holzreifen 23 Kerzen an. Darunter vier große weiße Kerzen für die Adventssonntage und 19 kleinere rote Kerzen für die Werktage. Vom Waisenhaus aus trugen die Mitarbeiter diesen Brauch in ihre Familien. So etablierten sich solche adventlichen Zeitmesser wie Kränze und Kalender primär auch in den protestantischen Milieus des 19. Jahrhunderts, die in vielen Familien fester Bestandteil einer eigenen vorweihnachtlichen Hausliturgie aus Gesang, Gebet und Bibellesung wurden.

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