Kolbermoor – Von Kolbermoor nach Feldkirchen-Westerham: Monika Langer (57) verlässt die Stadtkirche in Kolbermoor – und wechselt in den Pfarrverband Feldkirchen-Höhenrain-Laus. Nach 16 Jahren endet ihre Tätigkeit als Pastoralreferentin in der Mangfallstadt. Schon jetzt sagen ihr die Kolbermoorer, dass sie fehlen wird. Ihr letzter Tag bei der Stadtkirche ist der 24. Dezember. Im Februar soll es eine offizielle Verabschiedung geben. Ob der Vagenerin der Abschied schwerfällt und wer ihr Nachfolger wird, verrät Monika Langer im Interview.
Frau Langer, fällt Ihnen der Abschied schwer?
Schon, ich gehe mit einem weinenden Auge. Es war sehr, sehr schön hier. Ich werde sicherlich in den nächsten Jahren nicht mehr so ein tolles Hauptamtlichen-Team an meiner Seite haben, wie ich es hier hatte. Das war einmalig.
Dennoch verlassen Sie die Stadtkirche.
Ja, es war im Pfarrverband Feldkirchen-Höhenrain-Laus eine Stelle frei. Und da ich in Vagen wohne, war diese Stellenausschreibung für mich sehr attraktiv. Aber nicht nur deswegen.
Erzählen Sie mal…
In dem Pfarrverband gibt es keinen Pfarrer mehr. Es arbeitet ein Seelsorger mit einem vierköpfigen ehrenamtlichen Team zusammen. Wir teilen uns die Leitung, demokratisch. Das ist in der katholischen Kirche eine ganz neue Organisationsform. Als Priester ist der Kaplan Baltharaju Banda zugeordnet.
Wie war die Anfangszeit in Kolbermoor?
Sehr schön. Der Pfarrer von Wiederkunft Christi, Robert Eisenreich, hat mich damals aus Großkarolinenfeld abgeworben. Wir kannten uns, hatten zusammen studiert. Ich wurde mit offenen Armen empfangen – auch vom Pfarrgemeinderat und vom Pfarrbüro. Es war ein sehr freundliches Miteinander.
Was macht die Stadt Kolbermoor für Sie besonders?
Es ist ein städtisch geprägtes Umfeld. Und es ist besonders, dass die Menschen aus allen beruflichen Schichten zusammenkommen. Es ist eine sehr soziale Stadt, was auch der Haltung des Bürgermeisters geschuldet ist – im positiven Sinne. Als ich mich damals bei ihm vorgestellt habe, hat er mir die ganze Struktur erklärt. Bei den Menschen kommt es nicht auf das Einkommen und soziale Ansehen an, sondern alle sind willkommen.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Das zeigt auch der Seniorentreff in Wiederkunft Christi. Es wird alles dafür getan, dass er stattfindet. Der Mesner macht den Fahrdienst, ehrenamtliche Helferinnen kochen den Kaffee. Das finde ich spannend und vielseitig. Alle haben ein offenes Herz. Und dafür sind wir da. Wir bleiben nicht hinter unserem Anspruch zurück.
Wie sind die beiden Kolbermoorer Pfarrgemeinden?
In Wiederkunft Christi geht es primär um das Miteinander. Es geht darum, der Vereinzelung entgegenzuwirken. In Heilige Dreifaltigkeit ist die Bitte nach liturgischen Angeboten groß – so ist zumindest mein Eindruck. Schön ist es auch, dass die Gläubigen zwischen den beiden Kirchen wechseln – es gibt keine Grenze. An Fronleichnam zum Beispiel gehen alle von einer Kirche zur anderen.
Welche Aufgaben hatten Sie hier in Kolbermoor?
Ich habe viel in der Familienseelsorge gearbeitet, habe mit ehrenamtlichen Mitarbeitern Gottesdienste vorbereitet, gepredigt und habe einige Jahre Religionsunterricht gegeben. Auch viele ökumenische Projekte mit Pfarrerin Molnar, wie die Bauwagen-Aktionen. Exerzitien, Erstkommunion- und Firmenvorbereitung und Beerdigungsdienst. Der ist seit 2012 mehr geworden, da es seither in Kolbermoor nur noch einen katholischen Pfarrer gibt.
Wer wird Ihr Nachfolger?
Diakon Matthias Mitlöhner. Er hat rechnerisch die Stelle von mir und macht das Team vollständig. Es gibt einen Stellenplan für 2030, der besagt, dass es 2030 in der katholischen Stadtkirche nur noch den Pfarrer gibt.
Wie bitte?
Ja, so schaut die Zukunft aus. Es wird ausgedünnt, weil auch der Nachwuchs in der Seelsorge fehlt.
Was haben Sie auf den Weg gebracht?
Die Exerzitien im Alltag haben wir – auch mit Pfarrerin Molnar – zu einem festen Teil im kirchlichen Leben installiert. Gefördert wurden auch Frauen und Männer, die einen Wortgottesdienst leiten – das gab es so regelmäßig vorher nicht. Und das ist sehr zukunftsträchtig.
Was war am schönsten?
Das kann ich nicht an einem Beispiel festmachen. Es war vielmehr das Grundsätzliche, beispielsweise zu sehen, was aus den Ministranten geworden ist, die ich seit 16 Jahren kenne. Sie zu begleiten war eine besondere Freude – und sie zu fördern. Highlights waren auch alle vollgefüllten Gottesdienste – wo der Geist rauscht. Toll war die Kirchenmusik, die Orgeln, die verschiedenen Chöre.
Was war in Ihrer Zeit in Kolbermoorer nicht so schön?
Dass sich seit 2020 viele Menschen coronabedingt nicht mehr in die Kirche trauen. Dass das Pfarrhaus in Wiederkunft nicht mehr bewohnt wird. Ja, dass vieles weniger wird und stirbt.
Interview: Ines Weinzierl