„Das geht vom Herzen aus“

von Redaktion

Heinz Göppelhuber über seine Leidenschaft für Krippen und religiöse Volkskunst

Kolbermoor/Bad Aibling – Ob traditionell oder modern, zur Weihnachtszeit holen viele Menschen in Bayern ihre Krippen hervor. Als Vorsitzender des Vereins für Krippen und religiöse Volkskunst Inn-Salzach hat der Kolbermoorer Heinz Göppelhuber eine ganz besondere Vorliebe für die biblischen Szenerien.

„Das ist eine Leidenschaft“, sagt der 55-Jährige über seine Arbeit im Verein. Er wolle die Tradition des Krippenbaus aufrechterhalten und fördern, weil sie zum christlichen Glaubensbild in Bayern gehöre. Er selbst platziert seine eigene Krippe unter dem Christbaum. Gebaut hat er sie als Jugendlicher und vor 25 Jahren noch einmal umgestaltet und eine Beleuchtung hinzugefügt.

Weihnachten bedeutet viel Arbeit

Eine Krippe mache ein Wohnzimmer für ihn „heimeliger“ und erinnere einfach daran, warum Familien Weihnachten feiern – wegen der Geburt des Jesuskindes. Er selbst freut sich schon auf das Fest, es bedeutet jedoch auch viel Arbeit für den Verein.

Um zu verhindern, dass Krippen oder religiöse Volkskunst in den Lagern von Museen verschwinden, stellt der Verein seine Krippen öffentlich aus. Jedes Jahr organisieren die Mitglieder Ausstellungen oder gestalten einen Krippenweg. Dabei werden verschiedene Krippen der Öffentlichkeit präsentiert. „So wollen wir zeigen, was in Vereinsbesitz ist“, sagt Göppelhuber. Im Museum Wasserburg zeigt der Verein aktuell acht Krippen. Für den Krippenweg in Tittmoning stellt er ebenfalls acht seiner Schätze zur Verfügung.

Mehr als 30 Krippen besitzt der Verein insgesamt. Göppelhuber selbst lagert aktuell fünf davon in seinem Zuhause. Im Traunsteiner Raum gibt es ein zusätzliches Lager. Viele der Krippen bekommt der Verein aus Nachlässen. Vor der Ausstellung müssen sie allerdings meist renoviert werden. Das ist eine von Göppelhubers Hauptaufgaben. Denn Krippen baut er selbst keine mehr. Mittlerweile findet er dafür keine Zeit mehr. „Und irgendwann wird es auch ein Platzproblem“, sagt Göppelhuber und lacht. Er bewundert jedoch gern die Arbeit anderer Krippenbauer. Jeder habe seinen ganz eigenen Stil. „Das geht vom Herzen aus“, sagt Göppelhuber. Er finde es schön, dass es so viele verschiedene Krippen gibt: die bayerischen, orientalischen oder neapolitanischen.

Von den 89 Mitgliedern sind nur noch fünf aktive Krippenbauer. Keiner macht das hauptberuflich, für alle ist es ein Hobby. Die Krippenliebhaber kommen aus dem Landkreis Rosenheim, Traunstein, dem Berchtesgadener Land und der Wasserburger Region. Seit 1989 besteht die Gruppe.

„Leider sind heute keine Gründungsmitglieder mehr am Leben“, sagt Göppelhuber. Die meisten Mitglieder seien bereits in einem hohen Alter, viele um die 80 Jahre. Der Vorsitzende würde sich wünschen, dass sich wieder mehr junge Menschen für Krippen interessieren. Dass es keinen festen Treffpunkt gebe, sei in dieser Hinsicht jedoch ein Problem, besonders da das Gebiet so groß sei.

Er bedauert auch, dass viele Jugendliche gar keinen Bezug mehr zu Krippen hätten. Bei ihm selbst sei das ganz anders gewesen. Als Jugendlicher wurde er bei einer Krippenausstellung in Rosenheim angesprochen, ob er nicht in den Verein eintreten wolle. Damals sei er aber „nur ein einfaches Mitglied“ gewesen und habe an den Bildungsfahrten teilgenommen. Dabei schauen sich die Mitglieder Krippen in der näheren und weiteren Umgebung an.

Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat der Landesverband der Bayerischen Krippenfreunde – ein Zusammenschluss von 40 Ortsvereinen – zusätzlich jedes Jahr ein Treffen organisiert. 200 bis 300 Krippenliebhaber sind dafür zusammengekommen, um Fachgespräche zu führen oder Bildungsvorträgen über den Krippenbau oder moderne Elemente zu lauschen.

Kontakt per
Telefon und Zoom

Göppelhuber bedauert, dass die Treffen wegen der Pandemie nicht stattfinden konnten. Damit das Miteinander der Mitglieder nicht völlig abreißt, hält er telefonisch oder über Zoom-Besprechungen Kontakt. Im Sommer habe er sich mit manchen auch persönlich und mit Abstand getroffen, um Krippen zu besichtigen.

Vor der Pandemie hat sich die Gruppe alle zwei Monate getroffen. In den Sommermonaten organisierte Göppelhuber immer eine große Fahrt, etwa zu einem Krippenhersteller. Im Winter ging es auf Christkindlmärkte. Die Ausflüge fehlen dem Kolbermoorer. Denn dabei hat er viele besondere Krippen gesehen. „Wenn die Leute merken, dass wir vom Verein sind, zeigen sie uns ihre Schätze“, sagt Göppelhuber.

Artikel 4 von 4