Dem Norden der Stadt wird eingeheizt

von Redaktion

Interview Innergie-Geschäftsführer Heiko Peckmann über fertiggestellte BHKW-Verbindung

Kolbermoor – Es ist vollbracht: Das Blockheizkraftwerk (BHKW) nahe der Pauline-Thoma-Schule ist jetzt mit dem Neubaugebiet nördlich der Mangfall verbunden. Rund ein Jahr hat die Maßnahme gedauert. Circa 1325 Meter Rohre liegen zur Wärmeversorgung im Erdreich. Was der Ausbau bedeutet, welche Haushalte versorgt werden können und welche Vorteile es bringt, erklärt Heiko Peckmann (41), Geschäftsführer der Innergie.

Herr Peckmann, das BHKW an der Pauline-Thoma-Schule ist jetzt mit den Neubaugebieten nördlich der Mangfall verbunden. Was bedeutet das konkret?

Diese Leitungsverbindung ist ein wichtiger Schritt in der Realisierung des Fernwärmekonzeptes der Stadt Kolbermoor. Mit der Leitungsverbindung unter der Mangfall können wir das Spinnereigelände sowie die Neubaugebiete östlich mit dem bestehenden Heizkraftwerk an der Pauline-Thoma-Schule versorgen. Somit können die Übergangslösungen in den Neubaugebieten außer Betrieb genommen werden und wir die Kunden mit hocheffizienter, regionaler Energie aus der Kraft-Wärme-Kopplung versorgen. Darüber hinaus ist der Grundstein für einen weiteren umweltschonenden Fernwärmeausbau in der Innenstadt von Kolbermoor gelegt.

Wo endet das Leitungsnetz?

Die Fernwärme Hauptleitungen wurden im Zuge des Straßenbaus der Conradty-
straße bis zum Ausbauende mitverlegt, sodass wir jeden Kunden in den Neubaugebieten sowie der Spinnerei mit Fernwärme sofort versorgen können.

Wie viele Kolbermoorer versorgt das BHKW bereits?

Momentan versorgen wir etwa 500 Haushalte, zwei Kindergärten und die Pauline- Thoma-Mittelschule.

Wieviele Haushalte können künftig angeschlossen werden?

Für das Jahr 2022 ist in der Conradty-, Gärtner- und Farrenpointstraße die Erschließung von 19 Mehrfamilienhäuser mit etwa 230 Wohneinheiten und eines Seniorenzentrums mit rund 95 Bewohnern geplant.

Ist ein weiterer Ausbau geplant?

Mit der Erweiterung des bestehenden Heizwerkes im Jahr 2022 wird die Möglichkeit geschaffen, weitere Kunden für die Fernwärme zu gewinnen. Ebenso besitzen die verlegten Fernwärmerohre ausreichend Kapazität, um weitere interessierte Bürger und Anwohner versorgen zu können. Grundsätzlich wären die Anbindung der Innenstadtbereiche möglich und auch gewünscht. Wir haben uns bereits verschiedene Szenarien überlegt, wie die ganze Stadt Kolbermoor mit umweltschonender Wärmeversorgung erschlossen werden kann. Ob und wie schnell der Fernwärmeausbau voranschreiten wird, ist abhängig von den Bürgern und der Energiepolitik der Stadt Kolbermoor. Bisher erfahren wir eine große Unterstützung bei allen Beteiligten.


Rund ein Jahr wurden die Leitungen im Untergrund verlegt. Was war das schwierigste Teilstück?

Jede Neuerschließung ist eine planerische Herausforderung, da in den bestehenden Straßen oftmals zunächst Platz für die Fernwärme geschaffen werden musste. Eine besondere Herausforderung war die Spülbohrung unter der Mangfall und die Querung des Mangfall Kanals mittels Leitungsaufhängung an der bestehenden Fußgängerbrücke. Auch die Verkehrssituation stellte uns vor große Herausforderungen, da gleichzeitig mehrerer Straßenbauprojekte in Kolbermoor stattfanden.

In den nächsten Jahren soll ein BHKW im Spinnereigelände entstehen. Warum ist dies notwendig?

Wann wir die Erweiterung im Spinnereigelände benötigen, können wir aus heutiger Sicht nicht abschätzen. Wie bereits erwähnt, erhoffen wir weiterhin eine starke Nachfrage nach hocheffizienter und umweltschonender Wärmeversorgung. Damit wir die Leistungen und Wärmemengen erzeugen können, wird zu gegebener Zeit ein weiterer Standort nötig sein.

Überall wird von explodierenden Energiepreisen gesprochen. Was bedeutet dies für den Wärmepreis beim Endkunden?

Ein Blockheizkraftwerk benötigt Gas (Erdgas, Biomethan, Wasserstoff), welches natürlich auch den Gesetzen des Marktes und deren Preisentwicklungen unterliegt. Mittels einer langfristigen Handelsstrategie über mehrere Jahre im Voraus können wir aber Preisschwankungen sehr gut abfangen und müssen diese somit nicht unmittelbar an den Kunden weitergeben. Darüber hinaus können wir auch einen Teil der höheren Brennstoffkosten durch die Erlöse des erzeugten Stroms am Markt wieder ausgleichen. Mit dem Bau von Fernwärmenetzen und zentralen BHKW-Anlagen ist auch die Möglichkeit geschaffen, gesellschaftlichen und umweltpolitischen Forderungen gerecht zu werden, ohne das Gesamtsystem neu errichten zu müssen. Aufgrund der Klimaneutralität unseres eingesetzten Erdgases werden heute bereits alle CO2-Emissionen mit Klimaschutzmaßnahmen kompensiert. Durch eine Umstellung des Brennstoffs können zukünftig vor Ort CO2-Reduktionen stattfinden, ohne dass der Kunde im Haus technische Veränderungen vornehmen muss.

Kann sich jeder quasi „anschließen lassen“?

Je nach Ausbaufortschritt versuchen wir, allen Interessenten Fernwärme anzubieten. Wir werden jede einzelne Anfrage prüfen und beantworten. Natürlich können wir einzelne Kunden, welche weit von den Fernwärmestrecken entfernt sind aus ökonomischen und ökologischen Gründen nicht anschließen. Aber auch hier arbeiten wir an effizienten Produkten, um unserem Auftrag einer kommunalen, umweltschonenden und effizienten Energieversorgung gerecht werden zu können.


Was hat die Maßnahme gekostet?

Für den Ausbau der Fernwärme muss man je Dimension und Oberfläche mit 800 bis 1200 Euro pro Meter rechnen. Die etwa 130 Meter lange Spülbohrung unter der Mangfall war um einiges teurer, dafür aber aus städtebaulicher Sicht die beste Lösung. Da die Baumaßnahme und somit auch die Abrechnungen noch nicht abgeschlossen sind, kann ich hier keine verlässliche Summe nennen.

Ist auch eine Ausdehnung in eine andere Richtung des Stadtgebietes denkbar?

Ja, denkbar auf jeden Fall. Je nach Kundenanfragen werden wir gebietsweise akquirieren und projektbezogen entscheiden.

Interview: Ines Weinzierl

Artikel 5 von 5