Günther Obermeier
Kolbermoor – Die Klarinette und das Akkordeon sind Günther Obermeiers Fachgebiete. Er unterrichtet nicht nur an der Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor, sondern leitet sie auch. Ein Gespräch über schwierige Zeiten, seinen Wunsch für die Zukunft und was eine gute Musikschule ausmacht.
Viermal musste die Schule wegen Corona schließen. Seit 9. Dezember hat sie mit 2G-Regel wieder geöffnet. „Auf und nieder, immer wieder“, sagt Günther Obermeier und lacht. Obwohl ihm zwischenzeitlich gar nicht zum Lachen zumute war. Zwar hätte die Schule ein Online-Angebot aufgebaut. Das funktioniere aber nur beim Einzelunterricht für Instrumente. Mit mehreren Schülern auf einmal sei das unmöglich. Grundfächer, musikalische Früherziehung, die Musikspielwiese sowie Chöre und Stunden für Ensembles mussten deshalb immer wieder ausfallen.
Erstaunlich
gut geübt
Dennoch kann Obermeier der schwierigen Situation etwas Positives abgewinnen: „Die Schüler lernen zu schätzen, dass sie in die Musikschule kommen können.“ Auch während der Schließung hätten viele „erstaunlich gut geübt“, auch über den Onlineunterricht. Nicht jeder Schüler habe das Angebot wahrgenommen. Manche hätten das nicht gewollt, weil sie lieber persönlich unterrichtet werden. Bei anderen habe es nicht funktioniert, weil sie eine schlechte Internetverbindung oder nicht die passende Ausstattung hatten.
Deshalb sei es eine Erleichterung, dass der Unterricht für Geimpfte und Genesene wieder in Präsenz stattfinden kann. Wenn die Schüler den Abstand einhalten können, müssen sie auch keinen Mundschutz tragen. „Bei Blasinstrumenten oder bei Gesang ginge das ohnehin nicht“, so Obermeier. Nur auf den Gängen herrsche strikte Maskenpflicht oder wenn sich die Schüler in den Räumen bewegen.
Weil sich die Vorschriften laufend ändern, kann der Leiter aber kaum planen. Vor Weihnachten wäre die Schule so weit gewesen, wieder mit einigen Ensembles spielen zu können. Dann sei wieder alles ausgefallen.
Normalerweise organisieren die Mitarbeiter der Musikschule rund 100 Veranstaltungen im Jahr. Aufgrund der Pandemie-Einschränkungen konnten 2021 nur acht stattfinden.
Laut Obermeier sei es für die Ensembles besonders schwierig, dass die Musiker wieder alle kommen und dabeibleiben. Einige dürften nicht mehr in der Schule spielen, weil sie ungeimpft sind. „Die Ensembles sind dann teilweise nicht mehr spielfähig“, bedauert er. Dabei gäbe es viele Gruppen an der Musikschule: ein Blasmusikensemble, ein Akkordeonorchester, ein Kammerorchester und mehrere Chöre. Auch ein Erwachsenenorchester mit Streich- und Blasinstrumenten gibt es. „Das ist sozusagen ein Gemischtwarenorchester, wo jeder mitspielen kann, der gern mitspielt“, sagt Obermeier. Weil Schüler und Lehrer nur kurzfristig planen können, studieren sie im Moment Stücke ein und hoffen auf das Beste. „Wir schauen, dass wir wieder in Schwung kommen“, so Obermeier. Wenn die Ensembles wieder spielfähig sind, wollen sie so schnell wie möglich wieder auftreten. Denn eine Musikschule zeichne nicht nur guter Unterricht aus, sondern auch, dass die Schüler die Möglichkeit haben, in einem Chor oder Ensemble mitzuwirken. „Das ist ein zusätzlicher Anreiz für viele. Es macht einfach mehr Spaß als alleine“, sagt Obermeier. Zusammen zu spielen oder zu singen, fördere die Gemeinschaft und sei „einfach a Gaudi“. Manche Schüler würden aber auch lieber alleine auf ihrem Klavier oder ihrer Gitarre spielen.
Von kleinen bis
zu großen Konzerten
Weil Schüler und Lehrer begeistert am Werk sind, hofft Leiter Obermeier, dass sich die Lage beruhigt: „Ich wünsche mir, dass wir wieder normal arbeiten können.“ Dazu gehört das Schülervorspielen vor den Eltern ebenso wie größere Konzerte, bei denen hauptsächlich die Talentierteren oder die Ensembles spielen. Auch auf Veranstaltungen von Vereinen oder der Stadt würde er seine Schüler gerne wieder sehen. Er hofft außerdem auf die schuleigenen Feiern wie das Maibaumfest, das Schulfest, die Schlusskonzerte am Jahresende, das Adventssingen und die Weihnachtskonzerte.
„Das Frühjahrssingen im März wird wohl leider wieder ausfallen“, sagt Obermeier. Es sei immer ein großer Aufwand, alles zu organisieren und vorzubereiten. Weil aktuell nur wenige Zuschauer erlaubt sind, wären die Einnahmen zu gering.