Kolbermoor – Eine vernünftige Internetverbindung für ihre Bürger ist der Stadt Kolbermoor eine gehörige Stange Geld wert. Über 300000 Euro ist sie bereit, dafür zu investieren. Bei der jüngsten Stadtratssitzung fasste das Gremium einstimmig den Beschluss, Pullach, Schlarbhofen und den Bereich Hermann-Löns-Straße/Ganghoferstraße mit einem gigabitfähigem Breitbandnetz zu erschließen.
Versorgungsträger
übernehmen Ausbau
Die Erschließung wird nach dem sogenannten „Wirtschaftlichkeitslückenmodell“ erfolgen. Dabei übernehmen die zukünftigen Versorgungsträger den Ausbau der Gebiete mit Glasfasernetzen. Gegen die dabei entstehenden Kosten werden die Einnahmen gegengerechnet, die über sieben Jahre hinweg durch die Benutzungsentgelte der Endkunden erzielt werden können.
Weil die Einnahmen geringer sind als die vorausgegangenen Investitionskosten, entsteht für die Betreiber eine Wirtschaftlichkeitslücke. Diese Lücke schließen zu helfen, ist das Ziel der bayerischen Gigabitrichtlinie. Sie fördert den Ausbau in Verdichtungsräumen wie Kolbermoor mit 2500 Euro pro Haushalt, maximal jedoch drei Millionen Euro.
Aufgabe der Stadt war es deshalb zunächst, in Zusammenarbeit mit einem auf Breitbandnetze spezialisiertem Ingenieurbüro ausbaufähige Stadtgebiete zu ermitteln. Das sind Stadtbereiche, in denen der derzeitige Versorgungstand bei einer Übertragungsrate zwischen 30 und 100 Megabit pro Sekunde liegt und das bezogen auf eine größere, möglichst zusammenhängende Fläche.
Dann nämlich ist das Gebiet nicht nur förderfähig, es sind auch ausreichend viele Haushalte bei insgesamt vertretbarem Aufwand zu erreichen.
Pullach, Schlarbhofen und der Bereich Hermann-Löns-Straße/Ganghoferstraße erfüllen diese Voraussetzungen, es handelt sich dabei um insgesamt 280 Haushalte. Für die Erschließung dieser Stadtteile bleibt nach der Hochrechnung des Büros Höpfinger eine Wirtschaftlichkeitslücke von 1,25 Millionen Euro. An diesem Betrag beteiligt sich der Staat zu 80 Prozent, das heißt, einem Betrag in Höhe von 916000 Euro.
Der Stadt verbleibt ein Eigenanteil von 309000 Euro. Entscheidend dafür, dass die jetzige Hochrechnung der Wirtschaftlichkeitslücke auch wirklich stimmig ist, ist nicht zuletzt die Zahl der Haushalte, die dann auch tatsächlich das Versorgungsangebot wahrnehmen.
Deshalb entschloss sich der Stadtrat, die Erschließung bis in die einzelnen Häuser zu führen, der einzelne Hausbesitzer hat somit keine zusätzlichen Anschlussgebühren zu zahlen, die in der Regel bei rund 800 Euro liegen. Man hofft so, die tatsächlichen Anschlusszahlen zu erhöhen.
Als Nächstes werden nun Kooperationspartner gesucht, also Versorgungsträger, die Interesse haben, den Netzausbau zu übernehmen, um dann mit dem geeignetsten Anbieter die entsprechenden Verträge zu schließen. Dieser Schritt könnte eventuell bis zum Herbst abgeschlossen sein. Für die gesamte Abwicklung der Erschließung sei, so Bürgermeister Peter Kloo (SPD) in der Sitzung, jedoch ein Zeitraum von drei bis vier Jahren realistisch: Ursächlich für die lange Dauer sei vor allem die derzeitige Auslastung aller Tiefbauunternehmen.
Nur wenn sich im weiteren Lauf des Verfahrens herausstellen sollte, dass die tatsächlichen Kosten die Grenze von 1,25 Millionen deutlich überschreiten sollten, behält sich die Stadt vor, das Vorhaben nicht durchzuführen.
Flächendeckend
nicht finanzierbar
Dass einzelne Haushalte Kolbermoors hinter diesem Standard nach wie vor zurückfallen, lasse sich, wie Bürgermeister Peter Kloo in der Sitzung sagte, leider nicht ändern.
Ein wirklich absolut flächendeckender Ausbau sei einfach nicht zu finanzieren. Und er betonte in diesem Zusammenhang, dass es sich bei einem solchen Ausbau nach den Buchstaben des Telekommunikationsgesetzes eigentlich um eine ureigenste Aufgabe des Staates handele.
Diese auf die Kommunen abzuwälzen, den damit verbundenen Aufwand dann mit einer „großzügigen“ Förderung in Höhe von 80 Prozent der Kosten abzugelten, könne man nicht anders als „Erpressungsangebot“ bezeichnen: „Wir vor Ort können unsere Bürger schließlich nicht im Regen stehen lassen.“