Radler fühlen sich von Stadt ausgebremst

von Redaktion

Kolbermoorer kritisieren Auszeichnung durch Verkehrsministerium

Kolbermoor – Christoph Halbig aus Pullach ist viel mit dem Fahrrad unterwegs. Ihn ärgert der Zustand der Strecke am Mangfalldamm zwischen Bad Aibling und Kolbermoor. Diesen Weg nutzt er, wenn er mit dem Rad zur Arbeit fährt. „Nicht asphaltiert, nicht geräumt, im Winter alles schlammig.“ Die Alternative ist der Weg parallel zur Staatsstraße. Halbig: „Bei Regen erwartet einen wegen der Nähe zur Fahrbahn die aufgewirbelte Gischt von Autos und Lkw.“ Diese Bereiche sind allerdings nur zwei von mehreren, die Halbig kritisiert.

Deshalb kann er auch nicht nachvollziehen, warum die Stadt Kolbermoor mit dem Zertifikat „Fahrradfreundliche Kommune“ ausgezeichnet wurde (wir berichteten). „Vieles ist nicht fahrradfreundlich“, ärgert er sich. Seine Ansicht teilen auch Bürger in den sozialen Netzwerken: Einer bezeichnet die Auszeichnung als „Witz des Jahrhunderts“. Ein anderer schreibt, „dass sich binnen der letzten fünf Jahre nichts geändert hat“.

Konzept auf
Weg gebracht

Mobilitätsmanagerin Veronika Winkler erklärt die Gründe der Auszeichnung: „Wir wurden zertifiziert, weil wir bei der Stellplatzsatzung Radständer berücksichtigen und weil das Radverkehrskonzept auf den Weg gebracht wurde.“ Kurz: „Wir tun was für die Radfahrer.“ Das Konzept beinhaltet Verbesserungen für die Fahrradfahrer und diese sollen sukzessive umgesetzt werden. Das heißt: „In einem Prozess von 20 Jahren. Das geht nicht von jetzt auf gleich“, erklärt sie und weist beispielsweise auf den Weg am Mangfalldamm von Bad Aibling nach Kolbermoor hin. „Das ist eine fantastische Verbindung.“ Eine Asphaltierung, wie sie sich Halbig wünscht, sei aber nicht möglich, da dieser Bereich im Hochwasserschutzgebiet liegt. „Deshalb darf dort nicht asphaltiert werden, so das Wasserwirtschaftsamt“, sagt sie.

Aber gibt es eine andere Möglichkeit, um diesen Weg fahrradfreundlicher zu gestalten? „Eventuell gibt es Möglichkeiten, den Belag zu verändern, sodass das Wasser, das sich dort vor allem im Winter oder bei Regen sammelt, besser ablaufen kann“, so Winkler.

Radler Halbig spricht auch die „Untere Mangfallstraße“ an. Der Bereich zwischen Brücken- und Carl-Jordan-Straße wurde im vergangenen Jahr mit Tempo 30 ausgewiesen, es gibt am Rande Stellplätze und Bepflanzungen. Obendrein gilt rechts vor links. „Die Maßnahmen zur Verlangsamung des Durchgangsverkehrs stellen für Radler eine erhebliche Gefährdung dar. Pflanzinseln und neu ausgewiesene Parkplätze verengen die Fahrbahn. Es kommt häufig zu gefährlichen Begegnungen zwischen Radlern und Pkw. Mit der Änderung der Vorfahrtsregel auf rechts vor links erzwingt die Stadt dort nun auch noch ,Stopp and go‘. Sieht so die Förderung des Radverkehrs aus?“

Thomas Rothmayer, Leiter des Ordnungsamtes, erklärt: „Die Rechts-Vor-Links-Regel soll die Autofahrer bremsen – auch zum Wohle der Radler.“ Und weiter: „Ja, die Stadt will radlerfreundlich sein. Aber das bedeutet nicht, dass sie überall bevorzugt sind. Jeder Verkehrsteilnehmer muss schauen.“

Und was ist beispielsweise mit dem Vorschlag Halbigs, einen markierten Radlweg in diesem Bereich anzulegen? „Das gibt die Straßenbreite nicht her“, erklärt daraufhin Rothmayer. Und man hätte die Straße nicht ausschließlich für Radler öffnen können. Autos raus funktioniert nicht wegen der vielen Anwohner.

Erleichterung nach
Ende der Bauarbeiten

Rothmayer sagt, dass man, wenn man aus Richtung Bad Aibling kommt, von der Brückenstraße zum sogenannten Schwarzen Weg nördlich der Mangfall wechseln könne. Dort seien keine Autos unterwegs. Und Winkler ergänzt: „Wenn die Westtangente fertig ist, kann man auch wieder ab dem Kolbermoorer Friedhof weiter Richtung Rosenheim fahren.“ Ab dem Ende des Weges beim Friedhof ist derzeit keine Durchfahrt möglich wegen der Baustellenarbeiten. Die Radler müssen am südlichen Ufer Richtung Rosenheim fahren.

Einen weiteren Kritikpunkt führt Halbig noch an: die Straße von Bad Aibling nach Lohholz. Der Radweg von Bad Aibling führe in Lohholz ins Nichts, sagt er. Veronika Winkler erklärt, dass man auf der linken Straßenseite von Bad Aibling kommend weiter fahren könne. Aber auch dort würden Radler wegen der vielen Vorfahrtsregeln ausgebremst, so Halbig. Genau wie in der Unteren Mangfallstraße, wenn man Richtung Rosenheim unterwegs ist oder den Mangfalldamm entlang fährt.

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