Kolbermoor – Die letzte Anhebung der Kursgebühren gab es bei der Kolbermoorer Volkshochschule im Jahr 2018. Eine Anpassung war deshalb nicht mehr aufzuschieben. Ulrike Sinzinger, die Leiterin der VHS, stellte dem Stadtrat auf dessen jüngster Sitzung die neuen Gebühren vor, die dieser einstimmig und ohne jede Diskussion annahm.
Wie Ulrike Sinzinger erläuterte, hatte sich die Volkshochschule den Entschluss zur Erhöhung alles andere als leicht gemacht. In Zeiten, in denen die Geldbeutel der Kolbermoorer immer stärker belastet sind, wollte die VHS nur ungern ebenfalls tiefer hineingreifen. Zumal Kultur seit jeher der Bereich ist, bei dem die meisten Menschen als erstes ansetzen, wenn Abstriche zu machen sind.
Anhebung so
moderat wie möglich
Die Anhebung ist deshalb so moderat wie irgend möglich ausgefallen und bewegt sich zwischen 45 Cent und 1,10 Euro pro Unterrichtseinheit. Ulrike Sinzinger gab in der Stadtratssitzung auch einen Überblick darüber, wie sehr die Volkshochschule in den vergangenen zwei Jahren durch Corona betroffen war: „Von Mitte März 2020 bis Mai 2021 mussten wir coronabedingt zusperren, danach war bis zur Sommerpause vier Wochen Kursbetrieb möglich. Schon Anfang November 2020 aber mussten wir den Betrieb wieder einstellen und das bis Mai vergangenen Jahres. Seit letzten Herbst ist Betrieb möglich, wenn auch wegen der immer wieder wechselnden Verordnungslage nur mit deutlichen Einschränkungen“.
Der Schließungszwang führte in der Folge auch zu einem verringerten Kursangebot. Waren es 2019, vor Corona, noch 303 Kurse gewesen, lag die Zahl im letzten Jahr bei 145. „Wir haben versucht“, erklärte Ulrike Sinzinger in der Stadtratssitzung, „vor allem alle Gesundheitskurse aufrechtzuerhalten und jene Kurse, die über mehrere Semester laufen, also zum Beispiel alle Sprachkurse.“ Dabei wurde viel Einfallsreichtum entwickelt, es gab Online-Kurse, auch hybride Veranstaltungen, die sowohl vor Ort als auch von zu Hause aus verfolgt werden konnten. Auch die Erstellung eines belastbaren Hygienekonzeptes kostete einige Arbeit.
Alle Maßnahmen konnten aber nicht verhindern, dass die Zahl der Kursteilnehmer deutlich gesunken ist, wie die Zahl der stattgefundenen Doppelstunden deutlich macht. 2021 wurde mit 8467 gerade noch ein Drittel der Doppelstunden des Jahres 2018 erreicht, damals waren es noch 24358 gewesen. „Corona“, so das Fazit von Ulrike Sinzinger, „hat es vielen unseren Besuchern unmöglich gemacht, an den Kursen teilzunehmen.“ Für sie eine fatale Entwicklung, denn damit sei den Menschen nicht nur die Gelegenheit zur Weiterbildung genommen worden, sondern auch eine äußerst wichtige Möglichkeit zur Begegnung mit anderen und zum wechselseitigen Austausch.
Zwar scheint sich momentan abzuzeichnen, dass Corona mit Beginn von Frühjahr und Sommer nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft abflauen wird. Sorgen hat die VHS-Leiterin dennoch: Werden auch wirklich alle, die einst zum festen „Kundenstamm“ der Volkshochschule gehörten, zurückfinden? Denn eines sei klar: Begeisterung, die in Folge der erzwungenen Auszeiten abflachte, wird nicht ohne Weiteres von selbst wieder zurückkehren, sobald ein normaler Betrieb wieder möglich ist.
Dozenten in schwieriger Lage
Schwierig sei auch die Lage für die meist freiberuflichen Dozenten. Etliche, so erklärte Sinzinger, mussten sich schon andere Betätigungsfelder suchen, weil sie die Verdienstausfälle während der Schließungszeiten auf Dauer nicht tragen konnten.
Die Volkshochschule jedenfalls werde alles tun, was in ihren Möglichkeiten stehe, um Besucher- wie auch Dozentenstamm in diesen schwierigen und herausfordernden Zeiten optimal zu betreuen. Ein Umstand, den der gesamte Stadtrat sehr wohl zu würdigen wusste. Dieter Kannengießer (Parteifreie) sprach sicherlich für viele, als er sagte, dass gerade der Kulturbereich durch die Corona-Krise sehr stark gelitten habe. „Der Volkshochschule gebührt großer Dank, dass sie sich dieser Entwicklung mit Einfallsreichtum und unverdrossener Hartnäckigkeit entgegengestemmt hat.“