Kolbermoor – Manuela Göhrings Kater Blondie ist bereits zum wiederholten Male beim Tierarzt in Behandlung, weil er angeschossen wurde. In der Vergangenheit wurde Blondie schon einmal das Projektil eines Luftgewehrs aus dem Hinterlauf entfernt.
Nun lag er Anfang Februar erneut auf dem Untersuchungstisch des Tierarztes. Röntgenaufnahmen zeigten: Im Körper des Katers befinden sich zwei Luftgewehrprojektile – eines davon in der Bauchhöhle.
Ein Geschoss
erfolgreich entfernt
„Ein Geschoss am Vorderlauf konnte erfolgreich entfernt werden, die Wunde heilt schon ab“, berichtet Manuela Göhring. Das Projektil im Bauch aber könne nicht entfernt werden, weil die Operation für das Tier einfach zu gefährlich wäre. Das Problem: Das Geschoss gebe im Körper Blei ab und könne so langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen.
Blondie ist nicht der erste Kater, den dieses Schicksal ereilte, weiß Göhring. Insgesamt drei Fälle von angeschossenen Katzen sind in der Siedlung bekannt. „Erst vergangenes Jahr mussten unsere Nachbarn ihren Kater einschläfern lassen, weil ein Geschoss in seiner Leber zu Komplikationen führte. Das arme Tier nahm immer mehr Gewicht ab und der Zustand verschlechterte sich zusehends. Ob sich das bei unserem Kater auch so entwickelt, weiß keiner – doch die Befürchtung, dass es so kommen wird, ist da“, schildert Göhring.
Blondie gehe es derzeit „den Umständen entsprechend gut“, er sei sehr kuschelbedürftig und habe Appetit. Allerdings erbreche er seit dem Angriff öfter. Ob das nun vom Projektil in seiner Bauchhöhle herrührt, kann die Besitzerin nicht genau beurteilen. „Solange es bei ihm gesundheitlich so bleibt, wie es sich jetzt darstellt nach der Operation, ist es in Ordnung. Wenn ich aber merke, dass sich sein Zustand verschlechtert und ein Leidensweg für Blondie beginnt, erlöse ich ihn im Sinne des Tierwohls und lasse ihn schweren Herzens einschläfern.“
Anzeige bei der Polizei hat Göhring zwar gestellt, aber in Bezug auf einen möglichen Täter sei wohl nicht viel machbar, da im Fall Blondie niemand etwas gesehen oder gehört habe.
Schüsse mit einem Luftgewehr auf Katzen – Delikte dieser Art seien definitiv zu verurteilen und stellen ein Vergehen nach dem Tierschutzgesetz dar, sagt Johann Brumbauer, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bad Aibling. „Wirbeltiere zu töten oder ihnen gezielt Leid sowie Schmerzen zuzufügen ist eine Straftat und kann mit einer Geldbuße oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.“
Der Rat Brumbauers: Etwaige Beobachtungen sowohl vom Besitzer der Tiere oder von Spaziergängern – sei es eine Person mit einem Luftgewehr auf einem Balkon oder ein vernommener Schuss in der Nähe – sofort der Polizei melden. „Je eher wir Zeugenaussagen erhalten, umso eher lässt sich eine solche Tat zurückverfolgen. Als hilfreich darstellen können sich auch die vom Tierarzt aus dem Körper entfernten Projektile.“
Der Polizeioberrat appelliert weiter: „Lieber nicht zu lange warten und im Zweifel einmal mehr die Polizei alarmieren. Gibt es konkrete Anhaltspunkte, so eröffnet sich für uns eine ganz andere rechtliche Handhabe und wir können zusammen mit der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufnehmen.“
Tatsächlich sei es so, dass im zuständigen Gebiet der Inspektion zwei bis drei Fälle pro Jahr aufgenommen werden, bei denen auf Katzen oder auf Vögel geschossen worden sei. Häufungen an einer konkreten Stelle gebe es indes nicht. Dennoch beteuert Brumbauer: „Jeder Fall ist von Bedeutung – wichtig ist, sofort die Polizei zu rufen, sobald etwas Auffälliges in der Art bemerkt wird.“
Tierschutzverein
ist alarmiert
Immer wieder liest man von vergifteten Ködern oder hört von Schüssen durch Luftgewehre auf Haustiere. „Aber wer tut denn so etwas? Für mich ist das nicht nachvollziehbar“, sagt Göhring. Das sei in ihren Augen „sinnlose Tierquälerei“. Auch Kerstin Eckl vom Tierschutzverein Rosenheim wurde über die Häufung der Fälle in Kolbermoor informiert. „Auch wenn Luftgewehrangriffe auf Tiere sonst glücklicherweise nicht so oft vorkommen, dass es in dieser Nachbarschaft bereits das dritte Mal war, das halte ich für sehr bedenklich.“
Die Kolbermoorer Katzenbesitzerin hofft für Blondie und alle anderen Freigänger-Katzen in der Gegend, dass sich ein solcher Fall in der Nachbarschaft nicht mehr wiederholt.