Eschen ohne Chance

von Redaktion

Zwei 60 Jahre alte Bäume von Pilz befallen – Stadt sieht keine Alternative zur Fällung

Kolbermoor – Zwei rund 60 Jahre alte Eschen sind auf dem Grundstück hinter dem städtischen Bauhof gefällt worden. Auf der Fläche dort ist ein Wohn- und Gewerbegebiet geplant. Doch das war nicht der ausschlaggebende Grund für die Baumfällungen.

Abwägung
der Behörden

Denn eigentlich hätte man die Eschen trotz der vorgesehenen Bebauung erhalten wollen, wie Jürgen Halder vom Bauamt der Stadt auf Nachfrage erklärt. Der Grund sei das bei Eschen in der Region sehr verbreitete Eschentriebsterben gewesen: „Es war schon zu erkennen, dass die Bäume im Anfangsstadium befallen waren. Auch wenn die Krankheit noch nicht stark fortgeschritten war, hätten die Eschen von Jahr zu Jahr mehr an Kraft verloren. Über kurz oder lang hätten sie ohnehin gefällt werden müssen“, so Halder.

Die Erhaltungswürdigkeit der Bäume sei in Voruntersuchungen ausgiebig geprüft worden, versichert Halder. In Anbetracht des Bauprojekts hätten die beteiligten Behörden abwägen müssen. Den Entschluss, die Bäume bereits jetzt zu entfernen, habe das Bauamt schließlich nach reiflicher Überlegung gemeinsam mit dem Kreisfachberater für Umweltpflege des Landratsamts Rosenheim und nach einem Gutachten einer unabhängigen vereidigten Sachverständigen getroffen.

Dazu kommt, dass die von der Stadt erworbene Fläche im Rahmen der Entwicklung in Parzellen eingeteilt werden soll – mit Straßen und Zufahrtswegen, um die Grundstücke zu erschließen. Eine der Straßen hätte Halder zufolge exakt an den Bäumen vorbeigeführt. Zudem soll das Gelände aus Gründen des Hochwasserschutzes erheblich aufgeschüttet werden. Beide Umstände hätten den Bäumen wohl erheblich zugesetzt. „Wegen der Nähe zur Straße hätte man die Schäden regelmäßig zuschneiden müssen, um die Sichtfreiheit zu gewährleisten“, erklärt Halder. Überdies wären die Bäume wegen der Aufschüttung in einer mindestens 1,50 Meter tiefen Senke gestanden. „Der Schichtkörper hätten den Wurzeln geschadet“, betont Halder.

Eine Umplanung wäre in den Augen der Stadt nicht sinnvoll gewesen: „Weshalb sollte man um einen Baum herumbauen, wenn man weiß, dass er absterben wird? Wir hätten die Eschen auch trotz eines riesigen Kraftakts nicht retten können und mussten die Überlebenschancen abwägen. Durch den Befall verliert der Baum mehr und mehr an Standfestigkeit, weil nicht nur die Krone erkrankt, sondern auch die Wurzeln absterben. Wenn es Eichen oder Linden gewesen wären, hätten wir natürlich anders abgewogen“, erläutert Halder weiter. Er betont, ein anderes Mittel gegen den Pilz als die Fällung gebe es leider nicht.

Nachpflanzung geplant

An der Stelle, an der die Eschen seit Jahrzehnten standen, soll es nun ausreichende Ausgleichspflanzungen geben. So wird landseitig der Straße entlang am Mangfalldamm in Richtung Rosenheim eine großzügige Baumreihe gepflanzt. Im Gespräch ist laut Halder die Pflanzung von Bergahorn mit einer Höhe von circa 35 Metern – so wie es bereits an der Oberen und Unteren Mangfallstraße geschehen sei.

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