Kolbermoor – Melanie Klettl (25) ist das neue Gesicht des Bürgerhauses der Diakonie in Kolbermoor. Sie ist die Nachfolgerin von Dagmar Badura, die 18 Jahre in der Mangfallstadt gewirkt hat. „Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe“, sagt Klettl. Sie will anpacken und ist schon darauf gespannt, alles und jeden kennenzulernen.
Mit dem
Rad zur Arbeit
Klettl stammt aus dem Pinzgau im Salzburger Land und lebt seit etwa drei Jahren in Rosenheim. Seit rund einer Woche radelt sie von ihrer Wohnung zum Bürgerhaus nach Kolbermoor – „da wird man wach“, meint sie und lacht. Binnen 15 Minuten ist sie dort und dann geht es los.
Als erstes geht sie zum Briefkasten, erledigt die Post. Dann sind die E-Mails dran. Das habe Badura auch so gemacht, erzählt sie. Und das will sie weiterführen. Genauso wie die ganzen Programmpunkte: Senioren-Yoga, Senioren-Kaffee, Senioren-Mittagessen und natürlich die Verteilung der Lebensmittel bei der Tafel – das ist jeden Mittwoch.
Weiß sie schon genau, was an welchem Tag ist? Nein, aber sie hat Pläne, an denen sie sich orientieren kann. Bis sie alles wisse, werde es dauern, ist sie überzeugt. Aber falls sie Fragen hat, kann sie Badura anrufen. „Ich lasse sie nicht im Regen stehen“, sagt die ehemalige Leiterin des Bürgerhauses. Außerdem erfahre Klettl von den ehrenamtlichen Helfern „großen Rückhalt“, sagt die 25-Jährige. Das sei eine ganz große Hilfe.
Klettl und Badura haben sich kennengelernt, als Klettl ihre Bachelorarbeit geschrieben hat. Dafür benötigte sie Kontakt zu Bürgern, die sich ehrenamtlich engagieren, und an die gelangte sie über Dagmar Badura. „Schon damals habe ich gedacht, was für eine schöne Arbeit sie hat“, erinnert sie sich. Und jetzt hat sie den Job. Als sie im März die Zusage bekam, „war ich total froh.“ Vorher hat sie bei der Diakonie in Rosenheim Beratungen durchgeführt und bei der Kontaktstelle der Selbsthilfe gearbeitet, erzählt sie.
Ihr Abitur hat sie 2016 weit weg von zu Hause in Bad Ischl gemacht, wo sie in ein Internat ging. „Das habe ich gewählt, weil es dort einen Schwerpunkt ,Sozialmanagement‘ gab. Denn mir war schon immer klar, dass ich etwas mit Menschen machen möchte. Nur am Schreibtisch sitzen ist nicht meins.“
Nach dem Abitur studierte sie „Non-Profit-Sozial- und Gesundheitsmanagement“ in Innsbruck. Dort hat sie auch von der Diakonie erfahren, die mit der Innsbrucker Universität einige Kooperationen hat. „Vielen Senioren geht es in Österreich und Deutschland ähnlich. Sie sind gut versorgt, aber einsam“, sagt sie.
Gegen die
Einsamkeit
Und da will die Wahl-Rosenheimerin ansetzen: „Man muss etwas gegen die Einsamkeit tun“, ist sie überzeugt. Badura habe da natürlich viele Projekte angestoßen und umgesetzt. Und natürlich gehe es nicht ohne das Ehrenamt – das weiß sie nicht nur erst seit ihrer Bachelorarbeit.
Jetzt hofft sie, dass sie bald wieder Projekte durchführen kann. „Gemeinsames Kochen“ zum Beispiel, das fand im vergangenen Jahr ja nur einmal statt. Und wenn sie sich ein bisschen eingelebt hat, möchte sie auch neue Projekte anstoßen. Hat sie schon etwas im Sinn? „Noch nichts Konkretes.“
Wie schaltet sie nach einem Arbeitstag ab? „Ich radele mit dem Rad nach Hause. Dann bekomme ich wieder den Kopf frei“, sagt Melanie Klettl.