Turmbau zu Kolbermoor?

von Redaktion

Bauantrag Kapelle am Glasberg soll knapp 13 Meter hohes Wahrzeichen bekommen

Kolbermoor – Das Kircherl an der Theodor-Fontane-Straße ist nicht gleich als solches zu erkennen. Schaut man nicht genau, fährt man dran vorbei. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum sich dieser Bau jetzt verändern soll. Denn diese Kapelle „Heiliger Bruder Konrad“, die der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ gehört, soll jetzt einen Turm verpasst bekommen.

Ziffernblatt
statt Glocke

Aber von vorne: Anfang des Jahres flatterte dazu ein Antrag ins Kolbermoorer Rathaus. Rechts neben dem Eingang, der vom Glasberg aus einsehbar ist, soll ein knapp 13 Meter hoher Turm entstehen, teilt Alexander Lemke-Glashauser von der Kolbermoorer Bauverwaltung auf Anfrage mit. Der Turm soll direkt ans Gebäude gebaut werden, gleich rechts neben die Eingangstür. Knapp 13 Meter hoch, zwei Meter breit, 40 Zentimeter tief. Zum Vergleich: Der Kirchturm von Wiederkunft Christi im Süden der Stadt beträgt 41 Meter.

Ein Glockenturm für die Kapelle? „Nein, in diese Maße passt keine Glocke“, so Lemke-Glashauser. Laut Antrag soll in luftiger Höhe ein Ziffernblatt angebracht werden, also eine Uhr – das war’s. Also soll der Turm wohl vielmehr Symbolcharakter haben. Tenor soll sein, dass wohl jedes Gotteshaus einen Turm habe.

Über die konkrete Intention der Piusbruderschaft breitet sie Stillschweigen: Die Piusbruderschaft wollte sich gegenüber des Mangfall-Boten nicht äußern. „Erst nach der Sitzung im Bauausschuss“, erklärte der zuständige Pater auf Anfrage unserer Zeitung.

Aber wie sieht es aus Kolbermoorer Verwaltungssicht mit dem Turm aus? „Wir sind kritisch und stehen dem Bauvorhaben ablehnend gegenüber.“ Warum? „Es widerspricht der Wandhöhe des Bebauungsplanes.“ Man habe auch mit dem Landratsamt Rücksprache gehalten, so Lemke-Glashauser.

Am Dienstag, 12. April, soll der Bauantrag in der Bauausschusssitzung, ab 18 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses behandelt werden. Dann wird das Gremium entscheiden.

Kurze Hintergrundinfos zur Priesterbruderschaft St. Pius X.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X., Eigentümer der Kapelle, ist eigenen Angaben zufolge eine Vereinigung katholischer Priester mit Gemeinschaftsleben, die von Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahre 1970 gegründet wurde. Ihre Mitglieder feiern die heilige Messe ausschließlich im überlieferten Ritus, wie er vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der römischen Kirche üblich war – unter anderem: heilige Messe in lateinischer Sprache. Insbesondere die Reformen aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil erkennen die erzkonservativen Piusbrüder damit nicht an. Die Piusbruderschaft bemühe sich vielmehr, wie sie sich offiziell beschreibt, „den katholischen Glauben ohne Verkürzungen und Verwässerungen zu verbreiten“.

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