Kolbermoor – „Es war am 30. April 1945 beim Brückenwirt in Kolbermoor. Dort habe ich als Flüchtlingskind das erste Mal wieder eine richtige Mahlzeit bekommen. Deshalb möchte ich an dem Tag eine ukrainische Familie zum Essen ausführen.“ Nicht nur solch anrührende Angebote, wie das eines betagten Kolbermoorers, bekommen in der Stadt alle Stellen, die sich um die ukrainischen Flüchtlinge bemühen: die Kirchen, der Mangfalltreff, die Stadtverwaltung.
Spendenbereitschaft
ist groß
„Die Bereitschaft zur Hilfe ist nach wie vor ungebrochen“, berichtet zum Beispiel Pastoralreferentin Martina Mauder. „Wenn wir in den Gottesdiensten sagen, dass wir etwa Schultaschen oder auch Fahrräder bräuchten, für die Kinder, die hier zur Schule gehen sollen, können wir sicher sein, dass wir welche bekommen.“
Nötig ist diese Hilfsbereitschaft immer noch, besonders wichtig war sie aber zu Beginn des Krieges. Die Flüchtlingswelle kam damals viel schneller, als alle staatlichen Stellen reagieren konnten. „Am Donnerstag, 24. Februar, begann der russische Angriff, am nächsten Tag trafen in Kolbermoor bereits die ersten Flüchtlinge ein“, erinnert sich Martina Mauder. Zuflucht suchten sie zunächst vor allem in der evangelischen Kirche. „Diese ersten, die kamen, haben wir in den ersten Wochen allein mit unseren Mitteln und mit den Spenden über die Runden gebracht“, berichtet Pfarrerin Birgit Molnar.
Mittlerweile haben Staat und Landratsamt Hilfsstrukturen aufgebaut, doch nach wie vor funktioniert nichts ohne die unmittelbare Unterstützung vor Ort. „Es geht jetzt darum, den Geflüchteten hier vorübergehend ein Stück Heimat zu bieten und soweit das geht einen normalen Alltag“, sagt Elisabeth Kalenberg, die Geschäftsleiterin der Stadtverwaltung. Dabei möchte die Stadt mit den Kirchen und dem Mangfalltreff eng zusammenarbeiten. Ein erstes Treffen fand jetzt statt. Einigkeit herrscht darüber, dass die zentrale Informationsplattform die Homepage der Stadt sein soll. Infos befinden sich bereits auf der Startseite. Dort ist veröffentlicht, was aktuell an Spendengütern benötigt wird. Immer noch sind das Fahrräder, aber ebenso Spenden an die Kolbermoorer Tafel. Die hat derzeit gut 50 Kunden mehr als früher, wie Melanie Klettl vom Bürgerhaus berichtet, und benötigt entsprechend mehr Nahrungsmittel. Es finden sich auf der Homepage aber nicht zuletzt auch Hinweise auf alle Veranstaltungen, die es im Rahmen der Flüchtlingshilfe gibt (siehe Kasten).
Rund 100 Ukrainer
in Kolbermoor
Am Samstag, 14. Mai, sind Geflüchtete mit ihren Gastfamilien eingeladen, und alle, die sich in der Hilfe engagieren wollen. Einerseits sollen die Geflüchteten, von denen rund 106 in Kolbermoor Zuflucht gefunden haben, miteinander in Kontakt kommen. Andererseits geht es darum, Unterstützern bei Fragen zu helfen. So haben die Flüchtlinge zum Beispiel Anspruch auf Sozialleistungen. Diese zu erlangen ist aber kein Selbstläufer. „Wir alle“, so erklärt Elisabeth Kalenberg, „müssen uns da oft selbst erst schlau machen.“
Und weiter: „Ziel unseres ,Hilfsbündnisses‘ ist es deshalb auch, die erhaltenen Kenntnisse untereinander zu teilen, um sie dann in einheitlicher Form weiterzugeben. Schließlich geht es darum, alle, die den Kriegsflüchtlingen helfen wollen, so effektiv wie möglich zu unterstützen. Und dafür sind klare und schnell erreichbare Informationen eine wesentliche Voraussetzung.“