Zum Schutz der Rehkitze

von Redaktion

„Hunde an die Leine nehmen!“ – Kolbermoorer Jägerschaft schlägt Alarm

Kolbermoor – Die Kolbermoorer Jägerschaft schlägt Alarm und fordert Hundebesitzer auf, ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen. Schließlich bringen die Rehe jetzt ihren Nachwuchs zur Welt – und den gilt es zu schützen. Hunde haben einen natürlichen Jagdinstinkt und können ohne Leine Jagd auf die Tiere des Waldes machen, erklärt Jäger Jürgen Halder, der auch beim Bauamt der Stadt tätig ist.

Leinenpflicht gilt auch
in der Mangfallstadt

In der Stadt Kolbermoor gibt es drei Areale, in denen Leinenpflicht für Vierbeiner herrscht: Spinnereiinsel, Tonwerkgelände und auf den Dämmen der Mangfall und des Kanals. Alle Hunde ab einer Schulterhöhe von 50 Zentimetern sowie alle Kampfhunde müssen in diesen „sensiblen Bereichen“ angeleint werden. Dort stehen auch überall Hinweisschilder „Leinenpflicht für Hunde“.

Halder hat schon oft beobachtet, dass Hundebesitzer auch dort ihre Vierbeiner, die eigentlich angeleint gehören, frei laufen lassen. Verschwinden die Tiere beispielsweise im Gehölz, „weiß kein Besitzer, was sein Tier dort macht“. Denn Hunde haben ja einen natürlichen Jagdinstinkt. „Sie können die Kitze bis zur Erschöpfung hetzen, aber auch zu Tode beißen.“ Das habe es bereits mehrmals in Kolbermoor gegeben (siehe Kasten).

In Sorge um
die Wasservögel

Sieht Halder Hundebesitzer, die ihre Tiere frei laufen lassen, weist er sie auf die Leinenpflicht hin. Denn es geht nicht nur um Rehe und ihren Nachwuchs, sondern auch um Wasservögel, Stockenten und Co. sowie deren Gelege, erklärt Jäger Halder. „Ich habe schon erlebt, wie Hunde die Kanalböschung runtergerast sind und sich aufs Gelege gestürzt haben.“

Haben Rehe Nachwuchs, bringen sie die Kleinen beispielsweise ins hohe Gras. Dort bleibt das Kitz dann liegen und wartet, bis Mama wiederkommt. Kommt ihnen etwas komisch vor, laufen sie nicht weg, sondern drücken sich tiefer ins Gras. „Sie haben keinen Fluchtreflex.“

Das sei ja auch die Krux, wenn die Landwirte ihre Ackerflächen mähen. Deshalb werden Drohnen und Wärmebildkameras beispielsweise von Vereinen, wie der Rehkitzrettung Mangfalltal, eingesetzt, um Nachwuchs wie Rehkitze, Junghasen und Bodenbrüter aufzuspüren und sie so vor dem Mähtod zu bewahren. Kann Halder ungefähr sagen, wie viele Rehe es in Kolbermoor gibt? „Nein die Anzahl ist nicht zählbar“, sagt er auf Anfrage des Mangfall-Boten. Aber jedes Leben zählt: „Und wir möchten dem jungen Leben eine Chance geben.“ Gibt es Statistiken über tote Tiere? Halder erklärt, dass jedes tote Tier registriert wird – Datum und Fundort werden genau weitergegeben.

Und was machen Bürger, die ein totes oder verletztes Reh finden? Die melden es bei der Bad Aiblinger Polizei unter der Telefonnummer 08061/90730. Gehen oft Anrufe wegen verletzten Wildtieren ein? „Darüber führen wir keine Statistik, so Michael Fritz von der Bad Aiblinger Polizei. „Aber wir haben alle Telefonnummern der verschiedenen Jagdreviere und informieren dann die Jäger.“

Gebissen und gehetzt

Immer wieder kommt es in Kolbermoor vor, dass Kitze und Rehe an den Folgen von Hundeattacken sterben. So schleppte sich im August 2020 ein verletztes drei Monate altes Kitz in die Filzenstraße. Eine Anwohnerin hörte die Schreie des Tieres nach seiner Mutter und alarmierte sofort die Jäger. Sie kamen und hüllten es in Decken – um keinen menschlichen Geruch zu hinterlassen. Sie brachten es auf eine Wiese in der Hoffnung, dass die Mutter es holt. Nach wenigen Stunden lag es immer noch dort. Die Jäger stellten daraufhin fest, dass das Tier Bisswunden eines Hundes aufwies und verstorben war. Nahe des Kolbermoorer Sportplatzes haben im Mai 2021 Spaziergänger eine tote Rehgeiß entdeckt. Nachdem sie die Polizei informiert hatten, stellten dann Jäger Hundebisse an dem Tier fest. Bei ihm konnte man sehen, dass es kurz vorher ein Kitz zur Welt gebracht hatte – damals wurde vermutet, dass auch der Nachwuchs ohne Mutter verendet.

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