Kolbermoor – Einen Blick in die Zukunft des Garnmagazins der Alten Spinnerei eröffnete Investor Maximilian Werndl jetzt den Kolbermoorer Stadträten. Die waren fasziniert von den „beeindruckenden Ideen“ und stimmten mit einem 14:3-Votum der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes zu.
Wie Altes erhalten und Neues geschaffen werden kann, sehen die Kolbermoorer auf dem Areal der Alten Spinnerei. Die Industriedenkmäler wurden erhalten und mit Geschäften, Büros, Wohnungen und Restaurants revitalisiert. Die architektonischen Ideen sind preisgekrönt.
Umnutzung in
vier Einzelpaketen
Nun folgt der nächste Schritt: Mit der Öffnung des Garnmagazins als „Schlussstein“ der Alten Spinnerei und dem Brückenschlag über den Triebwerkskanal sollen Barrieren weichen und eine Nord-Süd-Verbindung der Stadt geschaffen werden.
Maximilian Werndl, Geschäftsführer der Kolbermoorer Werndl & Partner GmbH, und Architekt Andreas Leupold nahmen die Stadträte mit in die Zukunft, denn bevor die Investoren ihr Projekt weiterdenken, sollte sich der „Souverän“, wie Werndl das Gremium bezeichnete, eine Meinung bilden können.
Das alte Garnmagazin ist in drei Bauabschnitten entstanden: 1908, 1922 und in den 1950er-Jahren. „Es wurde immer wieder verlängert. Deshalb steht es auch so sperrig in der Stadt“, erklärte Leupold. Bei seiner ersten „neuzeitlichen“ Sanierung wurde das ehemalige Vorratslager für Baumwolle in seiner ursprünglichen Ausdehnung von etwa 3000 Quadratmetern Fläche belassen und auf Unterteilungen verzichtet. So entsprach es den Bedürfnissen des Mieters.
Nachdem das „Haus der Trends“ im vergangenen Jahr nach Prien umgezogen ist (wir berichteten), wurde das denkmalgeschützte Gebäude nun neu gedacht. Wieder sollen Historie und Moderne verbunden werden: „In vier Einzelpaketen, die nur miteinander Sinn machen“, wie Werndl erläuterte. Denn damit aus dem bisher eingezäunten und nicht zugänglichen Garnmagazin ein öffentlicher Raum werden könne, müsse die Sanierung und Umnutzung des Denkmals mit einer Aufstockung, einem Brückenbau und der Verdichtung des Parkraums einhergehen.
Das ehemalige Zufahrtstor, das heute durch seine Verglasung einen Blick ins Innere des Garnmagazins erlaubt, soll geöffnet werden. „Hier führten einst die Schienen vom Bahnhof direkt ins Gebäude“, erinnert der Architekt. Jetzt soll an dieser Stelle eine Durchfahrt für Radfahrer und Fußgänger geschaffen werden.
Um Süden und Norden der Stadt miteinander zu verbinden, soll auch eine neue Brücke über den Triebwerkskanal geschlagen werden. Die alte ist stark sanierungsbedürftig und müsste über kurz oder lang gesperrt werden. „Egal ob Sanierung oder Neubau, eine neue Brücke würde etwa eine Million Euro kosten“, informierte Werndl das Gremium. Auf der Suche nach wirtschaftlichen Lösungen entwickelten die Architekten eine ungewöhnliche Idee: „Ein freispannendes Brückentragwerk mit Mehrwert. Die Tragwerkshöhe wird als Raum genutzt. Hier entstehen Büros“, so Leupold. Diese will die Werndl & Partner GmbH selbst nutzen.
Gleichzeitig sollen die Flächen rund um die Brücke wie der alte Ladehof des Garnmagazins für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Dialog von Altem und
Neuem geht weiter
Das Garnmagazin selbst wird in Holzbauweise aufgestockt. Die Lasten kann das bestehende Gebäude tragen. „Es entsteht ein Dialog aus Alt und Neu. Die Holzkonstruktion führt die Proportionen des Ziegelbaus fort. Das schwere Massive aus dem historischen unteren Bereich setzt sich oben in leichter und offener Bauweise fort“, beschreibt der Architekt die Pläne.
Als künftige Nutzungsarten sind medizinische Einrichtungen mit Büros und Praxen sowie Modelle für ein Wohnen auf Zeit ähnlich der Boarding-Häuser geplant. Gründächer mit PV-Anlagen und Speicher sollen die Wohnungen und Gewerbeflächen sowie zusätzliche Ladesäulen für Fahrräder und Pkw mit Energie versorgen. Zudem könnten sich mit der Öffnung des Garnmagazins und der Brücke auch neue Möglichkeiten für die Verlängerung des Fernwärmenetzes ergeben, blickte Werndl voraus.
Um der Stellplatzsatzung der Stadt Kolbermoor gerecht zu werden, soll der bestehende Parkplatz im Westen des Garnmagazins in eine Parkrampe umgewandelt werden. „Diese hat zwei Etagen: Von links fährt man nach unten, von rechts nach oben. Dadurch wird die Rampe kaum sichtbar sein“, verdeutlichte Leupold.