Kolbermoor – Das Feedback der Stadträte auf die architektonischen Visionen für das Garnmagazin der Alten Spinnerei war vor allem positiv: „Wahnsinn, das muss ich erst mal sacken lassen“, reagierte Dagmar Levin-Feltz (SPD) auf die Präsentation von Werndl & Partner. „Sie hat mich sehr überzeugt. Die Pläne passen zum Spinnerei-Konzept. Ich denke, wir können ihnen zustimmen und sie auch in Zukunft begleiten.“
Caroline Schwägerl (Grüne) lobte die Ideen für Brücke, Parkdeck und PV-Anlagen. Auf ihre Nachfrage erklärte Architekt Andreas Leupold, dass die Höhe des Gebäudes bei 13 Metern liege und alle Abstandsflächen eingehalten würden. Schwägerl geht davon aus, dass die Parkplätze nicht ausreichen werden und auch alternative Stellplätze auf der anderen Seite der Brückenstraße notwendig seien. Bürgermeister Peter Kloo (SPD) blickte in die Vergangenheit: „Der Parkplatz vorm Garnmagazin hat früher für alle Spinnereimitarbeiter gereicht.“
Dieter Kannengießer (Parteifreie) würdigte die „Brücke mit Raum“ als „etwas ganz Neues“. Er war besonders von der Öffnung des Areals für die Allgemeinheit sehr angetan.
Markus Schiffmann (CSU) erkundigte sich nach dem Einfluss von Hochwassersituationen auf die Brückenkonstruktion und Souterrain-Bereiche. Der Bürgermeister erklärte: „Wenn die Mangfall steigt, entleert sich der Kanal, weil der Einlauf gesperrt wird.“
Die Investoren hatten ihre Planungen im Vorfeld bereits mit Wasserwirtschaftsamt und Kraftwerksbesitzer besprochen. Demnach gehe von Mangfall und Triebwerkskanal keine Gefahr für den Bereich aus.
Andrea Rosner (Grüne) wollte den „Souverän“ stärker mitgenommen wissen. Bei der Planung von Boarding-Häusern beispielsweise sollte man nachfragen, was die Stadt brauche. Maximilian Werndl darauf: „Wir holen Sie heute ab. Was immer auch kommt, ob Kritik, Anregungen oder Ideen, werden wir aufnehmen. Heute haben wir den Vorschlag in den Raum gestellt. Und erst jetzt geht es los.“
Rosner befürchtete zudem, dass mit der geplanten Aufstockung des Garnmagazins und der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für ein Gebiet mit rechtskräftigem Bebauungsplan ein Präzedenzfall für andere Bauwerber geschaffen werde. Bürgermeister Kloo geht davon aus, dass es so sein wird, denn: „Wir können es uns nicht mehr leisten, Fläche zu versiegeln. Wir müssen in die Höhe gehen.“
Rosner kritisierte, dass die Planer bei der Entwicklung des Areals nicht „autoarm“ gedacht hätten. Als Impuls gab sie mit: „Autofreiheit wäre wünschenswert.“ Damit stieß sie bei Investor Werndl auf offene Ohren, der selbst am liebsten mit dem Fahrrad unterwegs ist. Zudem, so betonte er, liege der „finanzielle Schmerz jedes Projektes in den Stellplätzen“. Doch zum geltenden Recht gehört unter anderem die Stellplatzsatzung der Stadt Kolbermoor aus dem Jahr 2020. Zudem erinnerte der Bürgermeister an geltendes Baurecht: „Im Bebauungsplan ist ein neun Meter hohes Parkhaus vorgesehen, das nun nicht gebaut wird.“ Thema war auch die Verkehrssituation auf der Brückenstraße vor dem Garnmagazin. Kerim Bacak (CSU) fragte nach, ob dort ein Kreisel denkbar wäre. Architekt Leupold nahm die Anregung mit in die nächsten Beratungen des Projekt-Teams, zu dem auch ein Verkehrsplaner gehört. Allerdings dämpfte der Bürgermeister die Hoffnungen auf eine mögliche Einflussnahme auf die Verkehrsführung in diesem Bereich, da die Brückenstraße als Kreisstraße in der Verantwortung des Landkreises liegt.
Vor der Abstimmung wurde die Sitzung auf Antrag der Grünen-Fraktion unterbrochen, die sich beraten wollte.
Die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes wurde mit 14 Stimmen gegen die drei Grünen-Stimmen auf den Weg gebracht. ka