Kolbermoor – Gewissermaßen einen „architektonischen Ritterschlag“ hat der Kolbermoorer Waldkindergarten an der Hölderlinstraße erhalten, ein Bauobjekt der Architektin Claudia Petzenhammer. Er war kürzlich ein Zielpunkt der Architektouren, einem Projekt der Bayerischen Architektenkammer. Dabei werden in jedem Jahr besonders qualitätsvolle Planungen vorgestellt. Das waren in diesem Jahr über ganz Bayern verteilt nicht einmal 170 Objekte – dass der Kolbermoorer Waldkindergarten darunter zu finden ist, ist also durchaus eine große Ehre für die Stadt aber auch für die Architektin selbst.
Gruppe extra aus München angereist
Im Rahmen des Projektes der Bayerischen Architektenkammer hatten nun alle Interessierten die Gelegenheit, einmal selbst einen Eindruck davon zu gewinnen, warum der Waldkindergarten ein ganz besonderer ist.
Weil sich das Wetter an den beiden Tagen aber wirklich von seiner allerschönsten Seite zeigte und der Festkalender an diesem Wochenende vor Veranstaltungen in der Region nur so brummte, blieb die Besucheranzahl überschaubar. Der große Vorteil dabei jedoch: Claudia Petzenhammer konnte sich für die einzelnen Besucher Zeit nehmen und alle Fragen ausführlich und individuell beantworten.
An einem Veranstaltungstag etwa die Fragen einer kleinen Architektengruppe, die extra aus München angereist war. Die Fachleute interessierte vor allem die Technik, also die Gründung der Gebäude auf dem unsicheren Untergrund durch Bodenschrauben, dazu die modulare Bauweise mit vorgefertigten Wandelementen: Die erlaubte, wie Claudia Petzenhammer erklärte, nicht nur einen schnellen Bauablauf, sondern reduzierte auch den beim Bau nötigen Maschineneinsatz.
Nur ein „Manitou“, ein radladerartiges Vielzweckgefährt, war nötig, mehr nicht. Dies ein nicht unerheblicher Vorteil, denn auch beim Bau sollte der Naturraum, in dem der Kindergarten eingebettet ist, so wenig beeinträchtigt werden, wie nur irgend möglich. Dieses Bemühen, so erläuterte die Architektin, geht sogar so weit, dass das „Zwergerldorf im Wald“ eines Tages auch wieder ebenso märchenhaft verschwinden könnte, wie es gekommen war: ohne irgendeine Spur zu hinterlassen. Ein allerdings äußerst unwahrscheinliches Szenario, denn die kleinen Nutzer, die den Kindergarten jetzt beleben, sind von ihm hellauf begeistert und würden ihn für nichts in der Welt wieder hergeben. Das berichtete Susanne Weckwerth vom katholischen Kindergarten Heilig Dreifaltigkeit, in dessen Trägerschaft eine Hälfte der Einrichtung liegt, die andere gehört zum evangelischen „Haus für Kinder“.
Für Susanne Weckwerth ist das kleine Kolbermoorer Bullerbü-Dorf sozusagen das Beste aus zwei Welten: alle Vorteile eines Waldkindergartens vorhanden und dennoch ein trockener, warmer und rundum anheimelnder Rückzugsort gegeben.
Diesen zu schaffen, erläuterte Bürgermeister Peter Kloo, der am Samstag ebenfalls vorbeischaute, habe durchaus „etliche Gespräche gekostet und auch einiges Verhandlungsgeschick vorausgesetzt.“
Ergebnis ist
jede Mühe wert
Peter Kloo findet, das Ergebnis sei jede Mühe wert, wie auch alle Besucher einhellig bestätigten. Die Architekten vom Samstag jedenfalls spendeten hohes Lob: Das sei kein einfacher Waldkindergarten, das sei „ein richtiger Kindergarten, nur eben mitten im Wald.“