Kolbermoor – Bis 2030 sollen 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen – ein entsprechendes Gesetzespaket hat der Bundestag jetzt beschlossen. Die Stadt Kolbermoor geht sogar noch einen Schritt weiter: Sie will ihre Energie schon bis 2035 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gewinnen. Das ist im Klimaschutzkonzept der Stadt verankert. Doch dieses Ziel kann nur mit den Bürgern erreicht werden.
„Es beginnt mit dem Einsparen von Energie und der Verbesserung der Energieeffizienz und gipfelt im Ausbau erneuerbarer Energien“, erklärt Klimaschutzmanager Martin Roith. Doch Sparen ist aufgrund von Energiekrise und Inflation zu einem unliebsamen Thema geworden. Zudem will er die Bürger auch nicht mit erhobenem Zeigefinger belehren. Deshalb greift er eine Idee des Landesamtes für Umwelt auf: ein „Synergie-Festival“, das das Thema in den Fokus rückt und dabei die Freude am Energiesparen und einem transformierten, zukunftsfähigen Lebensstil weckt.
Lust auf anderen
Lebensstil wecken
„Durch die Corona-Pandemie sind Bürgerprojekte wie die Gründung eines Energiewendevereins oder der Energiestammtisch zum Erliegen gekommen“, macht Roith auf ein weiteres Thema aufmerksam. „Das Synergie-Festival soll diese Prozesse nun wiederbeleben und vor allem eines erreichen: Den positiven Beitrag beleuchten, den jeder Einzelne zum Klimaschutz beitragen könnte“, so Roith. Er hat den Energie- und Wärmeverbrauch der Kolbermoorer aufgeschlüsselt: „Als Stadtkönnen wir nur ein Prozent des Verbrauches beeinflussen“, erklärt er. „35 Prozent des Strom- und 65 Prozent des Wärmeverbrauchs liegen bei den privaten Haushalten. Dort gibt es also ein großes Potenzial.“ Ein Blick in den Energie-Atlas des Freistaates Bayern klärt darüber auf, das in Kolbermoor installierte PV-Anlagen aktuell sieben Prozent des Strom- und ein Prozent des Wärmebedarfs der Stadt decken. Aus Wasserkraft kommen demnach weitere 17 Prozent erneuerbarer Energie, aus Biomasse vier Prozent. „Würden auf allen geeigneten Dachflächen PV-Anlagen installiert, könnten wir in Kolbermoor zusammen mit Wasserkraft und Biomasse immerhin 94 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien decken“, erklärt Roith eine theoretische Berechnung. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der nur dann zum Ziel führt, wenn sich die Bürger daran beteiligen. Deshalb sind auch Hochschulen, Handwerker und Verbraucherschützer zum Kolbermoorer Synergie-Festival eingeladen. „Es werden keine wissenschaftlichen Vorträge gehalten, sondern wir wollen ins Gespräch kommen und die Energiewende allgemeinverständlich aufarbeiten“, kündigt Roith an. Themen sind unter anderem Geothermie, Solarenergie und Fernwärme. Handwerker beraten zu energetischen Gebäudesanierung oder zur Umrüstung der Heizung. Zugleich wollen sie um Nachwuchs werben, denn dem deutschen Handwerk und damit einer funktionierenden Energiewende fehlen aktuell rund 250000 Fachkräfte.