Kolbermoor – „Totgesagte leben länger“ – so könnte man die Sonderausstellung überschreiben, die es derzeit im Heimat- und Industriemuseum zu sehen gibt. Deren Thema ist die Mangfallschule. Wenn es nach der Bayerischen Staatsregierung gegangen wäre, gebe es die Schule schon seit Ende der 70er-Jahre nicht mehr. Dabei fehlt es ihr schon seit 150 Jahren an Platz, und mit der Ganztagsbetreuung ab 2026 wird davon noch mehr gebraucht.
In der Regierung war man Ende der 70er der Überzeugung, dass mit dem Bau der Adolph-Rasp-Schule auf lange Sicht genügend Schulraum in Kolbermoor vorhanden sein würde. Die Auflösung der Mangfallschule wurde vom Staat sogar als Voraussetzung für den Neubau gefordert.
Kampf um mehr
Platz geht weiter
In der Stadtverwaltung, so erzählt Bürgermeister Peter Kloo, sei man von Anfang an skeptisch gegenüber dieser optimistischen Prognose gewesen. Und das zu Recht, denn schon während der Planungsphase der neuen Schule habe sich herausgestellt, dass auf die Räume in der Mangfallschule nie und nimmer zu verzichten wäre.
Auch die Ausstellung im Heimat- und Industriemuseum beschränkt sich deshalb nicht allein auf die Mangfallschule, sondern dokumentiert die Entwicklung aller Schulen Kolbermoors. „Im Grunde ist die Mangfallschule ja die Urmutter von ihnen allen“, sagt Stefan Reischl, Vorsitzender des Heimatmuseumsvereins. „Und ihnen allen gemeinsam ist der stete Kampf um mehr Platz“, betont Bürgermeister Kloo. Im Rückblick und in einer Art Zeitraffer betrachtet, gleiche Kolbermoors Schullandschaft deshalb einer unaufhörlichen Baustelle. Das fing, wie in der Ausstellung zu sehen ist, schon mit Beginn des Schulbetriebs in der Mangfallschule an. Die beiden Gebäude, die ab 1871 erbaut wurden, erwiesen sich nach nur drei Jahrzehnten als zu klein. Schon 1904 und 1913 wurden sie deshalb erweitert. Auch heute ist die Weiterentwicklung der Mangfallschule noch längst nicht abgeschlossen. Ab 2026 wird jedes Kind einen Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung haben. „Dass man dafür zusätzlichen Platz braucht, ist klar“, sagt der Bürgermeister. „Was noch nicht klar ist: wie viel Platz.“ Denn es existierten, wie er bemängelt, noch keine exakten Pläne darüber, wie die Ganztagsbetreuung genau aussehen soll. Zumindest gibt es dafür bislang keine Raumprogramme, also konkrete Richtlinien darüber, welche Räume für welche Schülerzahl zwingend bereitgestellt werden müssen. Von Förderrichtlinien, an denen sich die Kommunen bezüglich der Finanzierungsplanung orientieren könnten, ganz zu schweigen. Kolbermoor habe, wie der Bürgermeister erklärt, zwar bereits Pläne in der Schublade, wie das Areal im Umfeld der Mangfallschule umgestaltet und diese damit erweitert werden könnte. „Ohne exakte staatliche Vorgaben über das, was benötigt werden wird, sind konkrete Umsetzungsplanungen sinnlos“, kritisiert Kloo.
Eines ist auf jeden Fall klar: Die Mangfallschule ist weder tot, noch ist sie im 150. Jahr ihres Bestehens ein Auslaufmodell. Vielmehr bleibt sie auch in Zukunft ein unverzichtbarer Bestandteil der Kolbermoorer Schullandschaft.