Wie tierische Retter Menschen suchen

von Redaktion

Hundestaffel besucht Kolbermoorer Kindergarten und simuliert Einsatz

Kolbermoor – Ein ganz besonderes Ereignis erlebten kürzlich die Kinder vom Kindergarten an der Bodenseestraße in Kolbermoor. Drei ehrenamtliche Hundeführer der Rettungshundestaffel vom Bayerischen Roten Kreuz München besuchten den Kindergarten und sorgten für helle Aufregung unter den Kindern.

Denn sie waren in Begleitung von zwei Rettungshunden: der Duck-Tolling-Retriever-Hündin „Khalunaa“ und dem Australian-Cattle-Dog-Rüden „Freddy“.

Baby-Puder für
die Windrichtung

Bereits im Voraus waren die Kindergartenkinder gespannt auf den Besuch. „Wir haben das für die Kleinen organisiert, dass sie mal erleben können, wie solche Hunde ausgebildet werden“, erklärt Erzieherin Beate Kelm. Die etwa 30 anwesenden Kinder seien vollauf begeistert gewesen.

Zuerst wurde ihnen der Einsatzrucksack der Hundeführer mit seinen verschiedenen Gegenständen und deren Nutzen erklärt. Zum Beispiel Baby-Puder, das sich dazu eignet, die Windrichtung zu bestimmen. Damit kann der Hundeführer seine Einsatztaktik entsprechend ausrichten.

Unter den Rettungsutensilien befinden sich auch noch Wasser für Hund und Herrchen, Taschenlampe, Helm, GPS, Funkgerät, Kompass, Handschuhe sowie medizinisches Material zur Erstversorgung, etwa eine Rettungsdecke.

Besonders wichtig sind natürlich die Leckerlis für den Hund. Denn erst mit einer passenden Belohnung macht es den Vierbeinern so richtig Spaß.

Vermisste oder
verschüttete Personen

Grundsätzlich ist es die Aufgabe der Rettungshunde, vermisste oder auch verschüttete Personen zu finden. „Es war so eine tolle Aktion, die Kinder saßen am Sandkasten und alle wollten sich verstecken, damit die Hunde sie suchen“, erzählt Kelm.

Sie fragten die Hundeführer, wie es die Tiere schaffen, vermisste Personen zu finden. Und genau das demonstrierten die Profis sodann. Denn zwei Kinder durften sich verstecken, so dass der Rettungshund das Versteck nicht einsehen konnte. Der Hundeführer setzte den Hund dann zur Suche an und schickte ihn mit einem Kommando los. Der Hund begann sofort mit der Suche nach den versteckten Personen. Als er mit seiner empfindlichen Nase die Witterung aufgenommen hatte, lief er zielstrebig zu den versteckten Kindern und bellte dort so lange, bis der Hundeführer ebenfalls da war.

Den Anstoß zum Besuch der Hundestaffel hatte Erzieherin Kempf gegeben, da ihr Sohn selbst einer der Hundeführer ist. Felix Kelm, ehrenamtlicher Rettungshundeführer vom BRK München, hatte – gemeinsam mit seinen Kolleginnen Mascha Zeltenhammer und Lisa Pichl – sichtlich Spaß beim Besuch im Kindergarten. „Die Kinder haben erstaunlich gut mitgemacht“, sagt Felix Kelm.

Normalerweise seien Kinder recht ängstlich, wenn die Hunde direkt neben ihnen anfangen zu bellen. „Diese Kinder hatten keine Angst und sind offensichtlich gut an Hunde gewöhnt“, so der 39-Jährige.

Bis ein Hund einsatzbereit ist, benötigt er zwei bis vier Jahre Ausbildung. Der Hund muss lernen, zwischen all den anderen Gerüchen aus der Umgebung den menschlichen Geruch zu erkennen. Auch das Bellen will gelernt sein, damit der Hund weiß, wie er seinen Hundeführer über einen Fund informiert. Ganz wichtig für die Einsätze ist dann auch noch eine gute Kondition, sowohl körperlich als auch geistig, sodass er auch bei längeren Suchen nicht die Lust verliert. Auch der Hundeführer bekommt eine Ausbildung und muss lernen, seinen Hund richtig zu lesen und zu leiten. Mensch und Hund müssen ein gut funktionierendes Team werden.

„Wir sind fokussiert auf Flächen- und Trümmersuche“, erklärt Kelm das Einsatzgebiet der Hundestaffel. Meist werde man von der Polizei zur Hilfe gerufen, wenn Menschen verschwunden seien, etwa weil sie sich verlaufen hätten. „Das betrifft oft ältere und demente Personen“, so Kelm.

Viele Einsätze finden
in der Nacht statt

Da die Personen häufig abends nicht mehr auftauchten, fänden die meisten Einsätze in der Nacht statt. Im Einsatz selbst arbeite man dann nicht mit dem sogenannten „Mantrailing“, bei dem Hunde an einem Kleidungsstück der vermissten Person schnuppern und diese dann unter vielen anderen Menschen aufspüren können.

„Bei uns ist das anders, die Hunde bekommen lediglich ein Suchgebiet“, sagt Kelm. Dort suche der Hund dann nicht nach einer speziellen Person, sondern er durchforste etwa ein Waldstück und schlage Alarm, sobald er irgendjemanden gefunden hat. Dabei kann es auch schon mal vorkommen, dass er Menschen findet, die gar nicht vermisst werden. „Der Hund hat zum Beispiel schon mal einen Förster entdeckt oder sogar ein Liebespaar, das ist alles schon vorgekommen.“

Doch zurück zum Besuch der Rettungshundestaffel im Kolbermoorer Kindergarten. Bevor sie wieder abreisen mussten, durften die Kinder die Hunde noch mit ausführlichen Streicheleinheiten verwöhnen. Die Kinder haben nun einen guten ersten Einblick in einen Rettungshundeeinsatz bekommen und alle waren sich einig: Die Rettungshunde sind jederzeit wieder willkommen.

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