Kolbermoor – Ab Mitte der Woche glüht, raucht und zischt es wieder im Kolbermoorer Zentrum. Die Biennale der Schmiede kann heuer endlich wieder stattfinden. Schirmherr ist Hubert Aiwanger. Der Bayerische Wirtschaftsminister wird die viertägige Veranstaltung am Mittwoch, 3. August, um 18 Uhr eröffnen.
Herr Aiwanger, haben Sie eigentlich auch einen persönlichen Bezug zum Schmiedehandwerk?
Ich kann mich heute noch daran erinnern, wie wir in der Grundschule einen Dorfschmied besucht haben, der das Schmiedefeuer angefacht und geschmiedet hat. Das hat uns schon als Kinder fasziniert. Schmieden ist nicht nur einer der ältesten Handwerksberufe, sondern ein Erlebnis. Tradition und Moderne kommen hier zusammen. Es ist ein facettenreiches, kreatives Handwerk. Und für junge Menschen eröffnet sich ein spannendes Berufsfeld: Auszubildende beherrschen nach der Lehrzeit sämtliche Techniken der Metallbearbeitung. Sie sind wahre Fachleute für die Bearbeitung von Metall und beherrschen spanabhebende, nicht-spanabhebende sowie verbindende Verfahren. Ich hoffe, dass zu den rund 100 Auszubildenden in den bayerischen Betrieben ab September zum neuen Ausbildungsjahr viele neue, engagierte und kreative Köpfe dazukommen.
Welche Bedeutung hat das Schmiedehandwerk für Sie als Wirtschaftsminister?
Alleine in Bayern gibt es rund 400 Betriebe, oftmals inhabergeführt. Sie erfüllen die unterschiedlichen Aufgaben aus den Bereichen der Konstruktionstechnik, der Metallgestaltung und des Nutzfahrzeugbaus. Die meisten Landmaschinenwerkstätten gingen aus früheren Schmieden hervor, aufgrund des Reitsports erleben Hufschmiede eine wahre Renaissance. Die 3000 bayerischen Schmiede sind aber auch wahre Metallkünstler. Die Metallgestalter haben einen festen Platz im Designbereich genauso gefunden wie in der Fassadengestaltung moderner Gebäude oder im Yachtbau. Doch momentan steht diese Fachrichtung des Metallbauer-Handwerks angesichts gestiegener Rohstoff- und Energiepreise vor großen Herausforderungen, die wir nur gemeinsam lösen können. Und Wasserstoff könnte in Zukunft auch im Schmiedehandwerk noch eine stärkere Rolle als Energielieferant einnehmen.
Warum ist eine Veranstaltung wie die Biennale für Sie wichtig?
Ich finde es sehr gut, dass die Biennale ein riesiges Spektrum an Veranstaltungen bietet: Die Besucher erhalten einen Einblick in den gesamten Produktionsprozess genauso wie Vorträge über neue Lösungen bei der Energie wie etwa Schmieden mit Wasserstoff. Des Weiteren wird hier auch um die Fachkräfte von morgen geworben, damit auch in Zukunft zahlreiche junge Menschen dieses Gewerk aus Tradition und Innovation lernen.
Was macht die Biennale in Kolbermoor für Sie besonders?
Kolbermoor ist vier Tage lang das internationale Zentrum des Schmiedehandwerks. Hier trifft sich die internationale Schmiede-Familie aus der Schweiz, der Niederlande oder Niger.
Für den deutschen Schmied eröffnen sich neue „grenzenlose“ Kooperationsmöglichkeiten. Ich bin mir sicher, dass der persönliche, intensive Austausch das Fundament für neue Innovationen darstellt. In diesen Tagen sind nicht nur die Gedanken in Kolbermoor bei den Menschen in der Ukraine, ganz besonders in Donezk und Ivano-Frankivsk. Kolbermoor ist mit diesen zwei ukrainischen Städten und über 15 weiteren Städten über den Ring der Europäischen Schmiedestädte eng verbunden. Metallgestalter sind Botschafter des Friedens. Kolbermoor wird hierfür ein Zeichen setzen. Interview Eva Lagler