Die Gemeinschaft steht felsenfest

von Redaktion

Siedlerfest in Kolbermoor lockt trotz Regens viele Besucher zum Feiern

Stimmung drinnen, Tristesse draußen: Am Samstag wollte der Regen einfach nicht aufhören.

Kolbermoor – Woran kann man erkennen, dass in einer Siedlung Gemeinschaftssinn und das Gefühl der Zusammengehörigkeit keine bloßen Floskeln sind? Vielleicht auch daran: Wenn sich auf einem Fest gefühlt die komplette Siedlung unterhakt und gemeinsam Sirtaki tanzt.

Zugegeben, am Samstag, dem zweiten Tag des Siedlerfestes, waren nicht alle Bewohner da, sondern „nur“ gut 300. Es war ja aber auch ein Wetter gewesen, dermaßen bescheiden, dass man normalerweise nicht einmal den sprichwörtlichen Hund vor die Tür geschickt hätte.

Heimgang erst
nach Mitternacht

Dennoch war die Stimmung prächtig. Dies auch schon am Freitag, dem ersten Tag, an dem das Fest traditionell mit einem Kesselfleischessen eröffnet wird. Auch an diesem Tag, der musikalisch von den „4 jungen Hinterberglern“ begleitet wurde, gingen viele erst nach Mitternacht heim. Am Samstag dann spielte die „Partygang“ auf, wobei der Zweite Bürgermeister Dieter Kannengießer und sein Bruder Nick bekannt dafür sind, dass sie Stimmung in jede Veranstaltung bringen. Doch wenn es so richtig fetzen soll, dann muss dafür auch ein passendes Publikum vorhanden sein. Bei einem Fest, bei dem sich jüngere Leute gleichen Alters treffen, ist das meist kein Thema, aber beim Siedlerfest fanden sich Menschen von sechs bis 76 ausgelassen auf der Tanzfläche. Und selbst die, die an der Bar und beim Ausschank arbeiteten, wippten und klatschten mit.

Für Christian Wagner, Vorstand des Siedlungsvereines, der Beweis, dass in der Siedlung niemand ausgeschlossen wird, aber auch keiner von sich aus „fremdelt“: Ob jung oder alt, neuzugezogen oder alteingesessen, hier gehören tatsächlich alle dazu. Und das gilt auch für alle anderen Veranstaltungen: ob Kinderflohmarkt, Faschingsveranstaltungen oder gemeinsame Ausflüge – alles Gelegenheiten, um zusammenzukommen, die auch tatsächlich wahrgenommen werden. Für Christian Wagner sind solche Gemeinschaftsereignisse denn auch nicht nur die Höhepunkte im Siedlerjahr, sondern wichtig fürs Gemeinschaftsleben.

Wie wichtig, kann er auch ganz handfest belegen. Nicht nur an der Zahl der Helfer für Organisation und Umsetzung dieser Veranstaltungen, sondern auch an der Zahl der Aufnahmeanträge für den Siedlungsverein, die er bei solchen Gelegenheiten immer erhält. Auch am Samstag waren es ein knappes halbes Dutzend.

Dies wohl auch deswegen, weil der Samstag des Siedlerfestes mit einer Infoveranstaltung begann, bei der es um die Energiezukunft in der Siedlung ging (wir berichteten). Die Siedlung – ein buntes Gemisch aus sehr alten, aber auch ganz neuen Häusern, die mit verschiedenen Systemen heizen. „Leicht überspitzt gesagt, ist hier alles vorhanden, vom mittels Ölkandl versorgten Einzelölofen bis zum autarken Nullenergiehaus. Keine einfache Basis, um die Herausforderungen der künftigen Energieversorgung gemeinsam anzugehen“, so Christian Wagner. Deshalb wird noch in diesem Jahr die Stadt Kolbermoor einen Fragebogen an alle Haushalte schicken, mit dem man sich zunächst einen Überblick über den augenblicklichen Stand der Wärmeversorgung in der Siedlung verschaffen will.

Auf dieser Grundlage will sich die Kommune mit fachlicher Unterstützung Gedanken machen, wie die Situation optimiert werden kann: Ob es Sinn ergibt, nach gemeinsamen Lösungen zumindest für einzelne Bereiche der Siedlung zu suchen oder ob es praktischer ist, Unterstützung für individuelle Verbesserungen anzubieten.

Lösung für künftige
Wärmeversorgung

Wichtig war den gut 70 Siedlern, die schon zu dieser Veranstaltung aufs Fest gekommen waren, vor allem eines: dass die Lösung dieser Fragen gemeinsam angegangen wird. „Wenn wir da zusammen anpacken, dann bin ich auf jeden Fall dabei“, sagte zum Beispiel Josefine Ulshöfer, die derzeit noch mit Öl heizt.

Christian Wagner jedenfalls konnte am Sonntag nach dem gemeinsamen Feldgottesdienst und einem von der Stadtkapelle begleiteten Frühschoppen durchaus zuversichtlich in die Zukunft sehen: Die komplexen Fragen zur Zukunft der Wärmeversorgung in der Siedlung werden gemeinsam nicht nur so gut wie irgend möglich zu lösen sein. Die Arbeit daran wird vielmehr aller Voraussicht nach auch den Zusammenhalt in der Siedlung noch weiter stärken, anstatt, wie nicht selten bei solchen Fragen der Fall, zu Streit und Disharmonie zu führen.

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