Kolbermoor – Kurz vor Ferienende richtet sich ein banger Blick auf die Grund- und Mittelschulen, die besonders vom Lehrermangel betroffen sind. So begannen die Sommerferien in diesem Jahr mit vielen Sorgen.
In einem Brief an die Bezirksregierungen hatte das Kultusministerium laut Angaben des Bayerischen Rundfunks etwa von „punktuellen Einschränkungen bei Wahl- und Neigungsangeboten“ oder von „einer strafferen Einsatzplanung“ gesprochen. Letztlich wuchs die Angst davor, dass durch fehlende Lehrkräfte womöglich sogar Unterricht gestrichen werden muss. Doch wie sieht es jetzt, kurz vor Schulbeginn, bei den Grund- und Mittelschulen in Kolbermoor aus?
Krankheitsfälle
werden zum Problem
„Wir hoffen auf einen guten Start, freuen uns auf die Einschulungsfeiern und auf die 80 Schulanfänger“, sagt Christa Wagner, Rektorin der Mangfallschule in Kolbermoor zuversichtlich. Natürlich mache sich der Lehrermangel bemerkbar, die Schulleiterin stellt jedoch klar: „Wir müssen keinen Unterricht absagen, uns wurden ausreichend Stunden zugewiesen.“
Dennoch sei die Lage angespannt und mögliche Krankheitsausfälle könnten zu Engpässen führen. So waren auch die Sommerferien „sehr arbeitsintensiv“, was etwa die Erstellung des Stundenplans angeht. „Natürlich gibt es Situationen, in denen jemand wegversetzt wird – das passiert – und dann muss man die Planung zunächst über den Haufen werfen“, so Wagner. Stand heute, blicke man jedoch positiv aufs Schuljahr.
Nach „anfänglichen Schwierigkeiten“ teilt auch Markus Rinner, Schulleiter der Pauline-Thoma-Mittelschule Kolbermoor diese Auffassung. „Trotzdem macht sich der Lehrermangel sehr stark bemerkbar.“ Seitens des Schulamtes würden deshalb alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Situation abzufedern. Engpässe werden demnach durch Zusatz- oder Unterstützungskräfte kompensiert, so Rinner. Alles Personal, welches über andere Finanzierungssysteme abgedeckt wird und zunächst gefunden werden muss. Auch an der Kolbermoorer Mittelschule könne man, Stand jetzt, den normalen Unterrichtsbedarf abdecken. „Es muss nichts gestrichen werden.“
Rinner weiß allerdings, dass sich das in den Herbst- und Wintermonaten schnell ändern kann. „Wenn mal ein oder zwei Lehrer krankheitsbedingt ausfallen, dann könnte es zappenduster werden.“ Dann stelle sich die Frage, ob vertretungsweise genügend „mobile Reserven“ vom Schulamt zur Verfügung gestellt werden können. Auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen konnte das Schulamt am Mittwoch (7. September) hierzu noch keine Auskunft erteilen. Informationen zum neuen Schuljahr sollen jedoch noch in dieser Woche bekannt gegeben werden.
Während der normale Unterricht also von den vorhandenen Lehrkräften abgedeckt werden kann, stellt sich die Situation an der Pauline-Thoma-Mittelschule in Sachen Zusatzangeboten kniffliger dar. Gemeint sind etwa Schulbands oder eine Theater-AG. Laut Rinner hätte man vor wenigen Jahren noch den Musik- oder Kunstlehrer hierfür abgestellt, mittlerweile fehlten dafür die Kapazitäten. Deshalb müsse man in diesem Fall auf besagte Zusatzkräfte zurückgreifen.
Diese zu aquierieren, bedeutet insbesondere für die Schulleitung eine zusätzliche Herausforderung. „Hier versuchen wir beispielsweise, das Umfeld und das Netzwerk des Kollegiums zu nutzen“, so Rinner. Wie viele Kräfte letztendlich wirklich ihren Dienst antreten und ob somit alles abgefedert werden kann, „weiß ich im Grunde erst am ersten Schultag“, sagt Rinner.
Gespannt auf den Schulstart ist auch Carola Vodermaier, Schulleiterin der Adolf-Rasp-Grundschule in Kolbermoor. „Wir sind momentan gut versorgt“, blickt sie optimistisch in die Zukunft. Dadurch müsse sie jedoch Lehrkräfte für mehrere Stunden an andere Schulen abstellen, was wiederum für Schwierigkeiten in der Stundenplanung sorgt. Doch trotz der vergleichsweise positiven Ausgangssituation weiß auch sie: „Sobald ein Lehrer ausfällt, könnten wir Probleme bekommen.“ Auch an der Grundschule greife man bereits auf Zusatzkräfte, unter anderem eine Studentin, zurück.
Corona spielt derzeit
eine kleinere Rolle
Bei aller Sorge vereint alle Schulleitungen jedoch auch die Hoffnung, in diesem Jahr weniger durch Corona eingeschränkt zu werden. Laut Vodermaier habe man bislang keinerlei Anweisungen diesbezüglich erhalten. „Ich denke dennoch, dass Aspekte wie Corona-Tests wieder auf uns zukommen werden.“ Schulleiter Markus Rinner hofft, darauf verzichten zu können. „Keine Masken, keine Mindestabstände, keine Tests, keine Lüftungsvorgaben“, zählt er die neuen Freiheiten auf. „Ich hoffe, dass das auch so bleibt“.
Vorsicht lässt man etwa in der Bad Aiblinger Grund- und Mittelschule St.-Georg walten. Hier bekommen alle Schüler für die erste Woche Selbsttests für zuhause. „Wir hoffen natürlich, dass das Pandemiegeschehen einen möglichst ungestörten Unterrichtsverlauf zulässt“, betont die neue kommissarische Schulleiterin Kathrin Baumeister.