Paten für die Zukunft

von Redaktion

Warum sich Kolbermoorer ehrenamtlich im Projekt „Jugend in Arbeit“ engagieren

Kolbermoor – Wie nachhaltig es ist, wenn Jugendliche und Erwachsene Zeit miteinander verbringen, und welche Synergien es gibt, wenn generationsübergreifend Lebenszeit, Wissen und Perspektiven verschmelzen, veranschaulichten Mitglieder des Patenprojektes „Jugend in Arbeit“ auf dem Energiesparfestival „Synergie“ in Kolbermoor. Sie waren nicht nur dabei, um ihr Projekt vorzustellen, sondern auch, um neue Mitstreiter zu finden, damit noch mehr Jugendlichen der Weg ins Berufsleben geebnet werden kann.

Vom Managertrainer
zum Nachhilfelehrer

„Derzeit stehen den Schülern der Mittelschule Kolbermoor neun ehrenamtliche Paten zur Seite“, informiert Kerstin Stock. Die Sozialpädagogin gehört zur „jungen Arbeit“ Rosenheim, die das Projekt professionell umsetzt. Die Paten verbindet vor allem eine Motivation: „Ich wollte mich sozial engagieren“, erklärt Jürgen Böhm. Einst hat der 70-Jährige Manager trainiert, im Rentenalter hilft er Schülern in Mathe und Deutsch. Gerade hat er eine Patenschülerin, die Corona-Defizite aufholen möchte. „Es ist wunderbar zu sehen, wie höflich sie ist und wie sie sich engagiert.“

„Diese Zeit kann
man sich nehmen“

Die meisten Kolbermoorer Paten stecken noch voll im Berufsleben. Roland Reuter (49) beispielsweise arbeitet als Elektroingenieur in der Entwicklung von Technik für Film und Fernsehen. „Ich habe eine Familie, arbeite 40 Stunden, dazu der Arbeitsweg und natürlich habe ich auch Hobbys. Trotzdem: Diese Zeit kann man sich nehmen“, ist er überzeugt. Seine beiden Kinder seien auf den Weg gebracht. Und da nicht alle Jugendlichen das Privileg hätten, dass die Eltern sie fördern können, sei er Pate geworden. „Das ist mein Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit, mein Beitrag für unsere Gesellschaft“, so Reuter. Im vergangenen Schuljahr hat er eine Schülerin bis zur mittleren Reife begleitet. Ganz nach Bedarf gab er in Mathe und Deutsch ein- oder zweimal wöchentlich Nachhilfe. „Kurz vor den Prüfungen auch öfter“, beschreibt er den zeitlichen Aufwand.

Doch das Patenprojekt ist weitaus mehr als Nachhilfe. „Wir unterstützen die Jugendlichen auch dabei, die richtige berufliche Orientierung zu finden“, informiert Kerstin Stock. „Und natürlich sind unsere Paten nach einer gewissen Zeit auch Vertraute der Jugendlichen, mit denen sie über alles reden können.“

Gerade in der Pubertät, wenn der Abnabelungsprozess der Kinder von den Eltern beginne, sei ein „Externer“ oft ein willkommener Ratgeber – sowohl für die Kinder, als auch für die Eltern. „Wertschätzung und Beziehungsarbeit sind das Wichtigste, um den Zugang zu den Jugendlichen zu finden“, betont Stock. Gemeinsam mit ihrem „Kind“ definieren die Paten realistische Ziele und suchen nach dem richtigen Weg dorthin.

Helene und Martin Gabler gehören schon seit zehn Jahren zu den ehrenamtlichen Paten und teilen sich die Aufgaben. Martin, der als Diplominformatiker am Flughafen München arbeitet, hat den Hut für die Nachhilfe in Deutsch, Mathe oder Englisch auf. „Wir lernen ohne Druck, es geht immer darum, was der Jugendliche machen möchte, was er lernen will“, erklärt er.

Nachhilfe ist
die feste Konstante

Seine Frau Helene, die als Bankkauffrau in München arbeitet, kümmert sich um das Wohlbefinden der Jugendlichen. „So eine Patenschaft sollte sich ganz an den Interessen des Jugendlichen ausrichten“, beschreibt sie.

Nachhilfe sei dabei immer die feste Konstante, um die sich alles andere ranke. Genauso könne man aber auch Freizeit miteinander verbringen. „Wir haben uns bewusst für diese Patenschaft entschieden, weil wir jungen Menschen helfen und mit ihnen Zeit verbringen wollen, aber auch, weil uns der Perspektivwechsel wichtig ist“, macht Familie Gabler auf das Geben und Nehmen, die Synergien, aufmerksam.

Die Welt immer mal wieder aus den Augen eines Jugendlichen zu sehen, ist auch für Jürgen Böhm wichtig, denn: „So kann ich mich immer wieder updaten“, sagt er lachend. Seiner Meinung nach könnten Patenmodelle auch in vielen anderen Bereichen noch viel stärker ausgebaut werden, um Familien zu helfen.

Wie eng im Projekt „Jugend in Arbeit“ der Kontakt zu den Jugendlichen und ihren Eltern gestaltet wird, ist eine individuelle Entscheidung. „Manche Eltern wollen das nicht, andere arbeiten intensiv mit uns zusammen und sind dankbar, dass sie uns zur Seite haben und nicht allein dastehen“, weiß Helene Gabler aus langjährigen Erfahrungen.

Das Interesse an der ehrenamtlichen Begleitung ist groß. „An der Pauline-Thoma-Schule gäbe es auch noch andere Schüler, die gern mitmachen würden“, informiert Kerstin Stock. Daher hofft sie, dass die vielen Gespräche auf dem Synergie-Festival Früchte tragen und sich weitere Paten melden. Sie werden von der „jungen Arbeit“ Rosenheim nicht nur professionell begleitet, sondern auch geschult.

Die Partner

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