Kolbermoor/Bruckmühl – Kolbermoorer Wohnungen können bald auch mit der Wärme aus der Grünfuttertrocknungsanlage in Hornau beheizt werden. Die Innergie GmbH, die Dettendorfer Rohstoff GmbH & Co. KG und die Swilar eetc GmbH arbeiten an einem gemeinsamen Projekt, das schon im Januar ans Netz gehen soll: Die Wärme aus dem Hornauer Biomasseheizkraftwerk, die bislang noch nicht genutzt werden kann, soll künftig in mobilen Latentwärmespeichern zum Heizwerk nach Kolbermoor transportiert und ins Fernwärmenetz eingespeist werden.
Mit der technischen Entwicklung und der Herstellung der mobilen Wärmespeicher beschäftigt sich die Swilar eetch GmbH aus Landsberg am Lech seit ihrer Gründung im Jahr 2020.
Technologie seit 2020 in der Entwicklung
„Wir haben jetzt zwei Wärmecontainer gekauft. Sobald diese geliefert und die Übergabestationen gebaut sind, holen wir in der Startphase erst einmal mit einem Lkw Wärme aus Hornau nach Kolbermoor“, informiert Heiko Peckmann, technischer Geschäftsführer der Innergie.
Doch wie kommt die Wärme aus dem Blockheizkraftwerk in den Container? „Die Wärmespeicher sind mit einer Salzlösung gefüllt. Das Salz in wässriger Lösung gilt als Latentwärmemedium und wechselt bei 58 Grad Celsius seinen Aggregatzustand“, erläutert Peckmann: „Beim Übergang von der flüssigen Lösung in einen Feststoff wird sehr viel Energie freigesetzt.“ Diesen Effekt kennt jeder von kleinen Taschenwärmern.
„Das Herzstück des Speichers ist ein Rohrbündelwärmetauscher, durch dessen Leitungen Wasser fließt und für den Wärmeaustausch im Speicher sorgt“, so Peckmann.
Beim Beladen in Hornau wird der mobile Wärmespeicher mit Wasser von etwa 85 Grad Celsius durchströmt, das dabei die Wärme ans Trägermedium – das kristalline Salz – abgibt. Nach sechs bis acht Stunden ist das Salz verflüssigt und der Speicher voll beladen. „Beim Transport entsteht kaum Wärmeverlust, denn der Latentspeicher gibt seine Wärme erst wieder ab, wenn kaltes Anlagenwasser in den Speicher eingebracht wird“, erklärt Peckmann. Innerhalb von vier bis fünf Stunden werden dem Speicher so etwa 2200 Kilowattstunden (kWh) Wärme entzogen.
Dabei sinkt die Temperatur im Speicher von 85 auf etwa 40 Grad Celsius und die Salzlösung kristallisiert wieder.
2200 Kilowattstunden Wärme pro Lieferung
„Damit können wir das Wasser im Rücklauf des Fernwärmenetzes vorwärmen und sparen so Gas für die Erwärmung des Vorlaufs auf 80 Grad Celsius ein“, erläutert Frank Quaas, kaufmännischer Geschäftsführer der Innergie.
Im Fernwärmenetz muss eine Temperatur von 80 bis 85 Grad vorgehalten werden, da beim Kunden mindestens 60 Grad Celsius ankommen und Wärmeverluste in der Leitung und im Wärmetauscher einkalkuliert werden müssen.
Mit dem Einsatz mobiler Wärme kann Gas eingespart, aber nicht ersetzt werden. Pro Lieferung werden aus dem mobilen Wärmespeicher etwa 2200 kWh Wärme gewonnen, dadurch 200 Kubikmeter Erdgas eingespart und circa 800 Kilogramm CO2 vermieden.
Mit dem Einsatz von zwei Wärmespeichern, die wechselnd be- und entladen werden, könnten in Kolbermoor also bereits in der Startphase 400 Kubikmeter Gas pro Tag eingespart werden.
Start zunächst
mit zwei Speichern
„Wir starten unser Pilotprojekt erst einmal mit zwei Wärmespeichern, um mit dem neuen System zu lernen, den bestmöglichen Einsatz der Speicher zu erforschen und dann weiter in diese Technologie zu investieren“, blicken die Geschäftsführer voraus.
Die optimale Auslastung der mobilen Wärme aus Hornau wäre erreicht, wenn acht Container am Tag be- und entladen werden könnten.
„Dafür braucht man aber auch Abnehmer“, betont Quaas. Der Ausbau der Fernwärmenetze schreitet voran, doch der mobile Wärmetransport eignet sich nicht nur für die Wärmenetze von Wohnquartieren, sondern auch für Seniorenheime, Krankenhäuser, Sportanlagen, Schulen oder auch Schwimmbäder. „Beckenheizungen haben mit 25 bis 40 Grad Celsius ein sehr niedriges Temperaturniveau.
Der Wärmespeicher kann hier seine gesamte Kapazität einbringen und ist dadurch besonders wirtschaftlich“, erklärt Peckmann. „Ungenutzte Wärme gibt es mehr als genug“, blickt er auf eine Ressource, die bislang noch viel zu oft ungenutzt verpufft und erst durch die Gaspreisexplosion rentabel geworden ist. „Angesichts der aktuellen Gaspreise ist mobile Wärme weder teurer noch preiswerter“, erklärt Quaas: „Kostenintensiv sind an diesem Modell vor allem die Logistik und die Investition.“
Kosten werden
nicht umgelegt
Innergie investiert in die Einführung einer krisensicheren Technologie, legt die Kosten aber nicht auf die Kunden um.
Der Einsatz der „grünen Wärme“ wird sich auch nicht auf den Preis auswirken, denn: „Der Wärmepreis hängt unverändert vom Gaspreis ab“, erklärt Frank Quaas.