Kolbermoor – 18 Jahre wurde er jetzt alt, der Secondhandladen des Roten Kreuzes in der Rosenheimer Straße 7. Damit ist er genauso alt, wie nicht wenige seiner Kunden. „Die bei uns einkaufen, werden nämlich immer jünger“, sagt Claudia Seethaler, die beim Roten Kreuz des Landkreises für insgesamt sechs Secondhandläden zuständig ist. Längst überwunden ist, so stellt sie fest, die alte Vorstellung einer „Kleiderkammer“, in die man sich nur scheu hineindrückte, weil damit offensichtlich wurde, dass man knapp bei Kasse war.
Einkaufen auch ohne
Berechtigungsschein
Auch der Secondhandladen in Kolbermoor trat schon zu Anfang mit dem Anspruch an, ein echtes Modegeschäft zu sein, nur eines mit wirklich bezahlbaren Preisen eben.
Seit einigen Jahren aber gibt es für immer mehr Kunden noch einen anderen Grund, dort einzukaufen: die Nachhaltigkeit. Vorreiter sind hier die jüngeren Leute, für die Klimaschutz und Nachhaltigkeit offenbar schon zu festen Werten in ihrem Weltbild geworden seien, erklärt Seethaler.
„Da ist zum einen die Überzeugung, dass es unsinnig ist, noch bestens tragbare Kleidung wegzuwerfen, nur weil sie einem nicht mehr gefällt. Wird sie stattdessen an die Secondhandshops gespendet, findet sie neue Besitzer und somit ein zweites Leben.“
Und noch etwas Wesentliches kommt hinzu: Kleidung, bei der man davon ausgehen kann, dass sie unter möglichst fairen Bedingungen hergestellt wurde, gehört – neu gekauft – meist nicht zu den Schnäppchenartikeln, sondern ist eher hochpreisig. Im Secondhandshop aber wird sie für jeden bezahlbar.
Von daher ist es selbstverständlich, dass der Kolbermoorer Secondhandladen unlängst auch auf dem Synergiefestival der Stadt zu finden war. Denn dort ging es ja genau darum, in möglichst vielen Lebensbereichen auf nachhaltige Weise Sparpotenziale zu finden. Die Secondhandshops seien hierfür eine ideale Möglichkeit, meint Seethaler: „An der Stromrechnung oder den Heizkosten zu sparen, ist schwierig. Bei der Kleidung aber kann ich es und das ohne jede Einbuße.“
Auch für das Rote Kreuz war das Synergiefestival ein Erfolg, denn am Verkaufsstand fanden sich etliche Leute ein, die nie zuvor im Laden waren. „Potenzielle Neukunden“ seien das gewesen, meinen auch Fariha Maulahi und Ilse Möser, zwei von 30 ehrenamtlichen Mitarbeitern des Kolbermoorer Secondhandladens: „Und von neuen Kunden kann man nie genug haben.“ Gerade für diese, so Seethaler, sei aber ein Hinweis wichtig: In die Einkommensgruppen, für die es Berechtigungskarten gibt, fallen weitaus mehr Menschen, als man annimmt. Bei einer alleinstehenden Person etwa liegt die Grenze bei einem Einkommen von 2245 Euro brutto, für eine Familie mit einem Kind gilt ein Haushaltseinkommen von 4736 Euro.
Mit diesen Berechtigungskarten erhalten Kunden im Secondhandladen auf die sowieso schon äußerst günstigen Preise noch einmal 50 Prozent Nachlass. Nähere Informationen gibt es dazu an der Kasse jedes Secondhandshops.
Mit wenig Geld
fair gekleidet
Den Beweis dafür, dass es für die günstigen Preise für Ware aus zweiter Hand eben nicht nur „Abgelegtes“, sondern wirklich Topmodisches gibt, tritt wieder die junge Kundschaft an: Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist nur ein Grund für sie, dort einzukaufen. Der andere ist, dass sie sich dort auch mit wenig Geld modisch aktuell einkleiden können.
Hilfreich, so Seethaler, sei dabei das große Angebotsspektrum der Läden, weshalb auch jede Altersgruppe etwas finden könne: Denn viele der jungen Kunden suchten nicht nur nach jugendlicher Kleidung, sondern derzeit auch nach Kleidungsstücken, die man eher einer älteren Generation zuordnen würde: Retro-Look ist eben gerade voll im Trend.