Kolbermoor – Seit 35 Jahren gibt es die Nachbarschaftshilfe in Kolbermoor. Nun hat der Verein seine neuen Räume beziehen können. Ein Schritt, welcher der ungewöhnlich breit aufgestellten Einrichtung bei ihrer Arbeit weiterhilft.
Bei der Kolbermoorer Nachbarschaftshilfe geht es nicht um den Zusammenschluss einiger Bürger, die im näheren Umkreis Hand anlegen und sich gegenseitig helfen, wenn dort etwas zu tun ist. Hinter dem Namen verbirgt sich vielmehr ein ambulanter Pflegedienst, ergänzt durch ein ganzes Bündel weiterer Angebote – alle mit dem Ziel, älteren Kolbermoorern so lange wie möglich das Verbleiben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen.
Ein Dankeschön
für alle Helfer
Und doch trägt die Einrichtung den Namen „Nachbarschaftshilfe“ nicht zu Unrecht. In dem Begriff klingt nämlich eine Art der Hilfe an, die nicht nur auf das Geld schaut, das dabei einzusetzen ist, sondern gerne Hilfe leistet. Einfach deswegen, weil da jemand ist, der sie benötigt. Ein Zeugnis dieser Art der Unterstützung legte die 82-jährige Elfriede Biberthaler ab. Auch sie war am Samstag zu der kleinen Feierstunde gekommen, in der nicht nur das 35. Jubiläum gefeiert wurde, sondern auch die Eröffnung der neuen Räume im Erdgeschoss der Alten Apotheke. Ihr Anliegen: Einmal allen, die bei der Nachbarschaftshilfe arbeiten, ein ganz großes Dankeschön auszusprechen. Denn die Unterstützung, die sie erfuhr, hatte eigentlich gar nicht direkt etwas mit den normalen Angeboten der Nachbarschaftshilfe zu tun. Sie suchte einfach Hilfe, weil sie mit den Formularen für den Zensus nicht zurechtkam. Und natürlich wurde ihr geholfen. „Alleine wäre ich hier verzweifelt, und zwar ganz und gar. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schön es ist, wenn man von so einem Problem dann erlöst ist.“
Pflegedienstleiter Tobias Scheuch sagte dazu lächelnd: „Wenn jemand alleine nicht weiterkommt und wir eine Möglichkeit zu helfen haben, tun wir das selbstverständlich. Auch dann, wenn diese Unterstützung nicht direkt zu unseren normalen Angeboten gehört.“
Möglich wird derartiges auch durch die Tatsache, dass die Nachbarschaftshilfe ein gemeinnütziger Verein ist. Denn die Arbeit der Gemeinschaft muss sich natürlich tragen, darf aber keine großen Gewinne abwerfen. Für den Vorsitzenden des Vereins, Nikolaus Kannengiesser, ist es deshalb seit jeher das Markenzeichen der Nachbarschaftshilfe, dass sich hier das Pflegedienstpersonal tatsächlich Zeit für die betreuten Menschen nehmen kann: „Hier ist niemand vom Zeitdruck gestresst und sozusagen permanent auf der Flucht. Das tut unseren Mitarbeitern ebenso gut wie den Menschen, um die es uns geht.“
Einrichtung
gehört ins Zentrum
Keine Frage war es deshalb für Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo (SPD), eine Anfrage der Nachbarschaftshilfe zu unterstützen. Als klar wurde, dass die Alte Apotheke nicht abgerissen, sondern saniert werden würde, hatte man sich erkundigt, ob man eventuell die Erdgeschossräume beziehen könnte. „Einrichtungen, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet haben“, sagte der Bürgermeister während der Feier, „gehören nicht in Hinterhöfe oder an den Stadtrand. Sie haben es verdient, dass sie im Zentrum der Stadt stehen und dort durchaus auch an prominenten Plätzen.“
Dass die Ausgestaltung der Büros hinter der Fassade der Alten Apotheke nicht zurücksteht, ist der Unterstützung der Firmen Quest Baukultur sowie „Werndl & Partner“ zu verdanken. Max von Bredow und Maximilian Werndl stifteten nicht nur die Büromöbel, sondern auch die innenarchitektonische Planung, vom Raumprogramm bis zur Farbgestaltung.