Kolbermoor – Kolbermoor ist eine „Fairtrade-Stadt“. Am 23. August beschied der Verein „Fair Trade Deutschland“ die Bewerbung der Stadt positiv. Jetzt wird Kolbermoor offiziell zertifiziert. Die Auszeichnungsfeier findet am Mittwoch, 26. Oktober, um 17 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses statt. „Die Zertifizierung ist die Grundlage, auf der die eigentliche Arbeit nun weitergeht“, sagt Sabine Balletshofer-Wimmer, Dritte Bürgermeisterin und Leiterin der Fair-Trade-Steuerungsgruppe. In kleinen Schritten und allen Bereichen sollen faires Wirtschaften sowie ein nachhaltiger Umgang mit Umwelt und Natur stärker in den Fokus rücken.
So funktioniert das
Schneeballprinzip
„Wir möchten die Botschaft über die Kinder zu den Erwachsenen tragen“, sagt Balletshofer. Mit Fairtrade-Bällen wurde das „Schneeballprinzip“ im wahrsten Sinne des Wortes gestartet, um die Vision eines weltweit fairen Handels zu verbreiten.
Die Mitstreiter aus kommunalen Gremien, Kirchen, Schulen, Kitas und Vereinen entwickeln nun eigene Aktionen und Ideen, die weit über den Fairtrade-Kaffee-Genuss hinausgehen. So organisierte die Stadtbücherei im Mai eine Ausstellung mit Sachbüchern und DVD zu den Themen gerechter Handel, fair produzierte und gehandelte Mode sowie Nachhaltigkeit im Alltag. Viele Medien wurden eigens dafür neu angeschafft und stehen für Interessenten bereit (siehe Kasten).
Medienkisten für die
Arbeit mit Kindern
„Auf Wunsch von Kindereinrichtungen und Schulen stellen wir jederzeit Medienkisten zusammen, nicht nur zu fairem Handel oder den Lebens- und Arbeitsbedingungen in anderen Ländern, sondern zu allen gewünschten Themen“, informiert Andrea Sondhauß, die Leiterin der Stadtbücherei. Margret Zimmer, Bildungsbeauftragte der katholischen Stadtkirche Kolbermoor, organisiert am Sonntag, 23. Oktober, einen Weltwaren-Verkauf.
Nach den Gottesdiensten in den Kirchen Heilige Dreifaltigkeit und Wiederkunft Christi wird es zur Stärkung Kaffee und selbst gebackenes Brot mit Aufstrichen geben – alle Zutaten sind nachhaltig und fair gehandelt. „Außerdem bieten wir Lebensmittel an, die uns der Bad Aiblinger Weltladen zur Verfügung gestellt hat“, so Zimmer. Wer weitere Produkte erwerben möchte, wird an die Weltläden in der Region verwiesen, denn einen eigenen Weltladen gibt es in Kolbermoor nicht. „So ein großes Projekt ist momentan aber auch nicht geplant“, informiert Sabine Balletshofer. Dazu fehle es momentan einfach an Platz und Mitstreitern.
Doch was nicht ist, kann irgendwann ja vielleicht noch werden. Eine gute Ratgeberin, wie Fairtrade an Schulen und im Handel funktioniert, ist Susanne Sedlbauer. Die Kolbermoorerin arbeitet als Pädagogin an einer Fairtrade-Schule – der Grund- und Mittelschule Bad Endorf. Ehrenamtlich ist sie im Weltladen in Prien aktiv. Ihr Engagement war auch Inspiration für die Kolbermoorer, sich auf den Weg zu machen. Sedlbauer gehört zur Steuerungsgruppe.
Themen in Schulalltag
integrieren
„Von ihr erhoffen wir uns Ideen und Anregungen, wie wir die Themen stärker im Schulalltag integrieren können“, sagt Carola Vodermaier, Rektorin der Adolf-Rasp-Grundschule. Das Fairtrade-Pflänzchen ist auch hier noch klein, fängt beim bewussten Einkauf fair gehandelter Produkte an und soll nun auch im Unterricht Früchte tragen.
Pastoralreferentin Martina Mauder hat die Grundschulen mit Unterrichtsmaterialien zum fairen Handel versorgt. „Die werden wir in Religion sowie den Heimat- und Sachkundeunterricht der dritten und vierten Klassen einbinden“, so Vodermaier. Auch an der Mangfallschule ist die Initiative angekommen. Und das nicht nur mit den FairTrade-Fußbällen, die aus der Steuerungsgruppe an die Schulen rollten. „Unsere aktuellen Schwerpunkte sind Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Schule ohne Rassismus. Da gibt es viele Überschneidungen mit fairem Leben und Wirtschaften“, erklärt Rektorin Christa Wagner. Im Projekt „Alltagskompetenzen“ haben die Kinder den Weltladen in Bad Aibling besucht. Und am internationalen Tag der Kinderrechte im November beschäftigen sich die Grundschüler am Beispiel des Libanons damit, wie es um die Rechte ihrer Altersgenossen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder sozialem Status steht.
In Kolbermoor passiert schon vieles im Kleinen. „Es gibt Impulse, die in Zusammenarbeit von Kommune und Bürgern zu größeren Projekten führen werden“, ist Ulrike Sinzinger überzeugt. Eine solche Anregung hat die Leiterin der Volkshochschule aufgegriffen und umgesetzt. Von den Jugendlichen der Pauline-Thoma-Mittelschule weiß sie, dass sie sich besonders für fair produzierte und gehandelte Mode interessieren. Also hat sie einen Kinoabend organisiert. Am Montag, 24. Oktober, wird ab 19.30 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses der Film „Sweatshop – deadly fashion“ gezeigt.
Faire Mode
im Rathaus-Kino
Die Dokumentation erzählt von drei jungen Mode-Bloggern aus Norwegen, die einen Monat lang den Alltag von kambodschanischen Näherinnen in Phnom Penh am eigenen Leib erfahren haben. „Sie berichten darüber, wie es sich anfühlt, sein komfortables Leben gegen die harte Arbeit in den Ausbeutungsbetrieben zu tauschen und mit nur drei Dollar am Tag überleben zu müssen“, macht Sinzinger auf einen Kinoabend neugierig, der nur ein Mosaikstein im Leben einer Fairtrade-Stadt ist.