Fachliches Know-how bündeln

von Redaktion

In Kolbermoor will ein neuer Verein bei der Energiewende mithelfen

Kolbermoor – Hochdämmende Fenster gibt es viele, doch bei welchen wird der Einbau tatsächlich staatlich gefördert? Und was muss man tun, damit man es nachher nur wärmer, aber nicht auch „schimmeliger“ hat? Unter welchen Bedingungen ist die Umstellung der Heizanlage auf eine Wärmepumpe tatsächlich sinnvoll? Ist es klug, bei einer Erneuerung der Heizanlage jetzt noch auf Pellets zu setzen?

Kein Zweifel: Wer sich als Laie dem Feld der „Heiz-Optimierung nähert“, merkt schnell, dass es sich dabei um einen Dschungel handelt, der ohne fachkundige Führung eigentlich nicht zu durchqueren ist.

Wertvolle Hilfestellung

Diese wichtige Hilfestellung möchte in Kolbermoor ein neuer Verein leisten, der sich gerade in Gründung befindet: Im Trauungszimmer des Rathauses fand jetzt ein zweites Treffen engagierter Bürger statt, die dabei sind, den „Energiewendeverein Kolbermoor“ aus der Taufe zu heben.

Der endgültige Name steht dabei noch nicht fest, der Arbeitstitel lehnt sich an eine Formulierung im „Integrierten Klimaschutzkonzept“ der Stadt aus dem Jahr 2015 an. Denn schon damals wurde die direkte Beteiligung der Bürger an allen Klimaschutzbemühungen als wesentlich für deren Erfolg erachtet. Und Bürgermeister Peter Kloo betont es seither immer wieder: „Eine tatsächliche Energiewende setzt eigentlich eine Neuorientierung unserer Gesellschaft voraus. Gehen wir mit den ,neuen‘ alternativen Energiequellen genau so um wie mit den alten, ist die ,Wende‘ gescheitert, noch bevor sie begann.“

Dieses Ziel, zukunftsfähige Alternativen für unser Wohn-, Verkehrs- und auch Einkaufsverhalten zu entwickeln, wird der Verein deshalb mit auf dem Schirm haben, wenn die unmittelbar anstehenden Aufgaben auch im Bereich der Beratung liegen werden. Dabei muss der werdende Verein das Rad nicht neu erfinden. Man kann profitieren vom Vorbild eines entsprechenden Vereins in der Stadt Siegen in Nordrhein-Westfalen, der schon 2011 gegründet wurde und seither überaus erfolgreich arbeitet. Rainer Tschichholz war dort Gründungsmitglied. Da er 2018 zu einem Kolbermoorer geworden ist, war es für ihn nur naheliegend, die städtische Idee eines Energiewendevereins auch hier zu unterstützen. Wenn der erste Impuls auch von der Stadt kam und wenn sie auch eines der Gründungsmitglieder ist, so will sie doch im Verein keinesfalls die erste Rolle spielen. „Denn das“, so sagt Thomas Ertl, der neue Klimaschutzmanager, der seit ersten Oktober im Amt ist (siehe Kasten), „wäre ja ein absolut falsches Zeichen. Der Verein muss aus der Eigeninitiative der Bürger heraus zum Leben kommen, oder er wird scheitern.“

Eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Start ist aber auf jeden Fall gegeben – die Nachfrage nach fachkundiger und produktneutraler Beratung ist in den aktuellen Krisenzeiten höher denn je. Was in den dafür nötigen „Werkzeugkasten“ des Vereins gehört, hat die Stadt Siegen gezeigt – allgemeine Informationsveranstaltungen, individuelle Beratung, Vermittlung von qualifizierten Dienstleistern.

Das alles aber kostet gerade am Anfang Geld, denn Expertenwissen, das für eine vernünftige Beratung essentiell ist, wird man zunächst noch nicht aus den Reihen der Mitglieder rekrutieren können, sondern „einkaufen“ müssen. Die Stadt wird dem Verein deshalb nicht nur mit der Bereitstellung eines Büros im Bürgerhaus helfen, sondern auch finanziell.

Unternehmen
sind an Bord

Von großem Vorteil ist es auch, dass zu den Gründungsmitgliedern auch die INNergie sowie Bayernwerk gehören – ein erster Schritt auf dem Weg, mittelfristig im Verein viel eigenes fachliches Know-how zu bündeln. Eine entscheidende Hürde hat der zukünftige Verein jetzt schon genommen: Es fanden sich neben der Stadt und den beiden Firmenorganisationen noch die sieben Privatpersonen, die zur Gründung eines Vereines notwendig sind.

Und auch alle damit verbundenen bürokratischen Fragen, die nicht selten zu endlosen Diskussionen führen, wurden schnell und pragmatisch gelöst. Beim nächsten Treffen, das für Mittwoch, 30. November, geplant ist, wird es dann bereits um den endgültigen Namen des Vereins gehen.

Thomas Ertl tritt die Nachfolge von Martin Roith an

Stabübergabe im Klimaschutzmanagement der Stadt Kolbermoor. Thomas Ertl hat zum 1. Oktober die Nachfolge von Martin Roith angetreten, der ihm symbolisch das „Integrierte Klimaschutzkonzept“, den Klimaschutzleitfaden der Stadt überreicht hat. Thomas Ertl, 30 Jahre jung, absolvierte eine Elektronikerlehre, machte in diesem Fach seinen Meister und absolvierte anschließend ein Bachelor-Studium in Energie- und Gebäudetechnologie. Draufgesattelt hat er noch einen Masterstudiengang in Holzbau- und Energieeffizienz, hier arbeitet er gerade an seiner Abschlussarbeit. Am Aufgabengebiet in der Mangfallstadt Kolbermoor reizt ihn vor allem der lokale Bezug, „denn vor Ort ist in Sachen einer gesicherten Klima- und Energiezukunft tatsächlich viel zu bewegen“. jt

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