Die Schicksale hinter zwei Kolbermoorer Stolpersteinen

von Redaktion

Andreas Salomon berichtet über Fortunato und Fernanda Zanobini

Kolbermoor – Die ersten beiden Stolpersteine wurden in Kolbermoor im März 2020 verlegt. Sie sind beim neuen Rathaus im Bereich des Eingangs zur Stadtbibliothek zu finden. Stolpersteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Aber wie kam es zu diesen Stolpersteinen und wer waren Fortunato und Fernanda Zanobini?

Wie er deren Schicksal über zwei Jahre lang erforschte, erläuterte Andreas Salomon auf Einladung der Kolbermoorer Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Schließlich legte Salomon die Ergebnisse seiner Recherchen wie ein Mosaik zusammen.

Fortunato und Fernanda Zanobini waren ein junges italienisches Ehepaar, das Ende 1943 zur Zwangsarbeit nach Kolbermoor verpflichtet wurde. Sie mussten im Auftrag von BMW in einem Außenwerk für die Rüstung arbeiten. Dieses Werk befand sich in den Räumen der Spinnerei und hatte den Tarnnamen „Baumwollspinnerei WerkII“. Fortunato hatte die Räume von Spinnereimaschinen freizuräumen, Fernanda war in der Küche beschäftigt. Beide wohnten in Baracken – er in Kolbermoor, sie in Rosenheim.

Weil Fortunato mehrfach nicht zur Arbeit erschien und nachts meist nicht in seiner Baracke nächtigte, wurde er ins Konzentrationslager (KZ) Dachau gebracht. Der Grund, die Baracke zu verlassen, dürfte in nächtlichen Treffen mit seiner Ehefrau zu suchen sein. Von Dachau aus kam Zanobini in die Konzentrationslager Buchenwald, Ohrdruff und Bergen-Belsen, wo er schließlich elend zugrunde ging. Seine Frau überlebte, ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.

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