Kolbermoor/Bad Aibling/Tuntenhausen/Bad Feilnbach/Bruckmühl/Feldkirchen-Westerham – Würstel an Heiligabend, Gänsebraten an den Feiertagen und jede Menge Plätzchen, die unter anderem Milch, Schokolade und Butter beinhalten: Die üblichen Schmankerl rund um die Advents- und Weihnachtszeit sind alles andere als vegan. Was der „Europäischen Bürgerinitiative für eine vegane Mahlzeit“, die jüngst von der Europäischen Kommission zugelassen worden ist, ein Dorn im Auge sein könnte.
Die Bürgerinitiative hat sich nämlich ein klares Ziel gesetzt: Sie will nach eigenen Angaben erreichen, „dass an allen privaten und öffentlichen Orten in Europa, an denen Essen und Getränke verkauft werden, auch ausdrücklich stets eine vegane Alternative angeboten wird“. Die Initiative, der die Italienerin Paola Sgarbazzini vorsteht, begründet den Vorstoß unter anderem mit dem Tierleid, dass durch nichtvegane Ernährung entstehe und den Vorzügen für Umwelt und Klima.
Auch Kässpatzen
sind keine Option
Dass dieser Vorstoß wirklich ein europaweites Gesetz werden könnte, davon sind die Initiatoren noch weit entfernt. Dennoch baut Gerhard Fuchs, Inhaber des Brückenwirts in Kolbermoor, schon mal vor. „Sollte es wirklich so kommen, werden wir das auf keinen Fall umsetzen“, sagt der Gastronom und verweist auf seine bayerisch ausgerichtete Küche. „In den Gerichten, für die unsere Region bekannt ist, ist ja immer etwas drin, was das Gericht dann nicht mehr vegan machen würde“, sagt Fuchs, der beispielsweise auf Käspatzen verweist, die zwar für Vegetarier geeignet, für den Veganer aufgrund des Käses aber keine Option sind.
Er selbst hat kein Problem damit, „wenn Bürger auf den Vegan-Zug aufspringen“, so Fuchs gegenüber dem Mangfall-Boten. Was er auf seine Karte setzt, da will er sich aber nicht dreinreden lassen – Stichwort „Selbstbestimmungsrecht“: „Wir haben in den vergangenen Jahren schon so viele Vorgaben umsetzen müssen, dass es irgendwann auch mal genug sein muss.“
„Selbstverständlich“ würde er, sollte ein Kunde nach einer veganen Alternative fragen und nicht gerade Stoßzeit ist, versuchen, den Wunsch des Kunden zu erfüllen – und sei es nur mit einem Kartoffel-Gemüse-Auflauf mit einer veganen Sahnesauce, sollten die Zutaten vorrätig sein. Allerdings gehe die Nachfrage in seiner Gaststätte nach Gerichten ohne tierische Zutaten nahezu gegen Null. Fuchs: „ Wir haben vielleicht – wenn‘s hoch kommt – drei Anfragen wegen veganer Gericht im Jahr. Sie können sich ja ausrechnen, was das bei rund 36000 Gästen, die im Jahr zu uns kommen, heißt.“
Auch Thomas Stahuber, der den Landgasthof Stahuber in Feldkirchen-Westerham betreibt, kann mit dem Vorschlag der Bürgerinitiative gar nichts anfangen. „Wir müssen sowieso ständig mit neuen Vorgaben und Verordnungen leben“, sagt der Gastronom. „Wenn jetzt noch so etwas kommen würde, dann sperre ich wirklich den Laden zu.“ Zumal die Nachfrage nach veganen Gerichten in seinem Landgasthof „einfach nicht da“ sei.
Flexibel auf die
Wünsche eingehen
Während sich auf der Karte des Landgasthofs stets auch vegetarische Gerichte finden, muss Stahuber bei der Frage, ob auf der Karte auch ein veganes Gericht stehe, passen. Und wenn ein Kunde den Wunsch nach einem Gericht ohne Produkte aus tierischer Beteiligung äußert? „Dann versuchen wir natürlich, dem Kunden entgegenzukommen und dessen Wünsche zu erfüllen“, so der Bruckmühler Gastronom, der sich in erster Linie an einer staatlichen Vorgabe stören würde.
Elisabeth Höß, Inhaberin der Land Wirtschaft Höß in Litzldorf bei Bad Feilnbach, findet, dass „wir nicht noch eine weitere staatliche Vorgabe brauchen“. Sie ist der Überzeugung, „dass sich Angebot und Nachfrage“ letztlich von selber regeln und „jeder für sich entscheiden muss, ob er jeden Tag, nur einmal im Monat oder überhaupt kein Fleisch oder tierische Produkte isst“.
Auch ohne gesetzliche Regelung werden im Gasthof Höß aber nicht nur vegetarische, sondern auch vegane Gerichte angeboten. Beispielsweise Rosmarinkartoffeln mit Grillgemüse, die dann beispielsweise mit Sesam noch verfeinert werden. „Es gibt ja auch viele Menschen, die unter bestimmten Unverträglichkeiten leiden“, weiß Höß. „Da sind vegetarische oder eben oftmals auch vegane Gerichte dann eine super Alternative.“
Eine super Alternative – das sind vegane Gerichte für Hermine Obermeyer, Inhaberin der Marktküche Bruckmühl, auf keinen Fall. „Unsere Karte ist sehr fleischlastig“, sagt die Marktküchen-Chefin und ergänzt: „Da dürfte ich ja noch nicht mal Sahne und Käse verwenden. Da weiß ich gar nicht, was ich kochen sollte.“
Hin und wieder habe sie zwar vegetarische Angebote auf der Speisenkarte. Aber selbst dann müsste sie beim Wareneinkauf schon sehr knapp kalkulieren, damit bei der geringen Nachfrage nichts übrig bleibe. Eine gesetzliche Vorgabe für ein veganes Gericht würde Obermeyer, die „sowieso schon über so viele gesetzliche Vorgaben“ klagt, auf keinen Fall umsetzen: „Nein, da mache ich nicht mit. Auch nicht, wenn‘s vorgeschrieben wird.“
Hans Schmid, der am Kirchplatz in Tuntenhausen das gleichnamige Gasthaus führt, kann mit einer gesetzlichen Vorgabe ebenfalls wenig anfangen. Zumal die Nachfrage nach veganen Gerichten eigentlich „nicht da“ sei. „Wenn ein Kunde nach einer veganen Speise fragen sollte, ist es aber kein Problem, in der Küche flexibel darauf zu reagieren“, sagt der Gastronom und ergänzt: „Wir haben beispielsweise eine Gemüsepfanne auf der Karte, die können wir dann gerne statt mit Sahne mit Kokosmilch machen.“
Probleme beim
Wareneinkauf
Was Schmid allerdings nicht möchte: Spezielle Waren für Veganer einkaufen, die er dann zwecks fehlender Nachfrage irgendwann entsorgen muss. „Das ist ja nicht der Sinn der Sache.“ Und die Waren dann selber aufbrauchen? Das möchte er auch nicht. „Von veganer Küche halte ich persönlich ehrlich gesagt nicht so arg viel.“
Ganz anders sieht das natürlich Thomas Bachmaier, einer der Gründer des veganen Schnellrestaurants „Tom & Mäx“ in Bad Aibling, das ausschließlich vegane Speisen anbietet? Bachmaier selbst lebt vegan und würde sich freuen, wenn eine derartige Initiative Erfolg hätte, denn: „Jedes vegane Angebot mehr ist ein Schritt in die richtige Richtung zu mehr Tierwohl und Umweltschutz.“ Allerdings warnt der Gastronom auch davor, zu viel Zwang auf die Bevölkerung auszuüben. „Das kann schnell mal zur Ablehnung führen.“
„Im Sinne des
Gemeinwohls“
Dass nicht nur in Supermärkten immer mehr vegane Produkte angeboten werden, sondern selbst die großen Fast-Food-Ketten immer mehr vegane Alternativen anbieten, findet Bachmaier „im Sinne des Gemeinwohls“ großartig. Der Unternehmer geht sogar so weit, dass er seine berufliche Existenz für mehr veganes Leben aufs Spiel setzen würde. Bachmaier: „Wenn es immer mehr vegane Angebote geben und unser Restaurant dann gar nicht mehr gebraucht würde, bin ich der Erste, der sagt: ,Dann suche ich mir gerne einen anderen Job.‘“