Kolbermoor – „Danke“, sagt die junge Frau und lächelt. Roland B. von der Sicherheitswacht im Mangfalltal hat sie gerade darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht ganz ungefährlich sei, wie ihr kleiner Sohn da auf der Brunnenabdeckung vor dem alten Rathaus in Kolbermoor herumturne. Dankbar war sie, weil sie ihren Sohn schon seit einiger Zeit davon abzuhalten versuchte – dieser ihre Bitten aber schlicht ignorierte. Doch den freundlichen Mann in Uniform nahm er ernst.
Ansprechpartner
für die Bürger
„Den Wachtmeister alter Schule gibt es ja leider nicht mehr“, sagt Polizeihauptkommissar Michael Fritz von der Polizeiinspektion Bad Aibling. „Dieser war eine Respektsperson – im positiven Sinne. Man hat ihn gern gesehen, weil man wusste, in ihm für den Fall der Fälle einen sicheren und kompetenten Ansprechpartner zu haben, einen Freund und Helfer eben. Heute hilft uns die Sicherheitswacht, genau diese Rolle der Polizei wieder etwas stärker auszufüllen.“
Unterwegs in vier
Kommunen
Ansprechpartner sein, das ist auch das Stichwort, mit dem Roland B. und Harry F. (Namen sind der Redaktion bekannt) ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei der Sicherheitswacht im Mangfalltal beschreiben würden, die seit 2019 in Bad Aibling, Bruckmühl, Kolbermoor und Feldkirchen-Westerham auf Streife geht. „Wir sind kein Ersatz für die regulären Polizeikräfte“, sagt Roland. „Wir ergänzen sie. Das ist ein großer Unterschied.“
Sein Kollege Harry macht das an einem Beispiel deutlich: „Wenn wir einen Fahrradfahrer ansprechen, der auf dem Gehweg fährt, vielleicht noch ohne Licht, dann ist es nicht unser Antrieb, jemanden bei einem Fehlverhalten erwischt zu haben und dafür rügen zu können. Jemand, der dieses Ziel hätte, der gern seinen erhobenen Zeigefinger spazieren führte, käme gar nicht erst durch das Auswahlverfahren. Uns geht es darum, dem Fahrradfahrer ins Bewusstsein zu rufen, dass er nicht nur andere, sondern auch sich selbst gefährdet“. Deswegen sind solch mahnende, aber freundliche Hinweise auch nicht die Haupttätigkeit von Roland und Harry bei ihrem Rundweg über den Christkindlmarkt. „Im Grunde geht es uns hier – wie auch sonst auf unseren Streifengängen – vor allem darum, anderen helfen zu können“, betont Roland. Das habe sich mittlerweile herumgesprochen, denn immer öfter, so erzählen die beiden, gingen die Menschen von sich aus auf die Kollegen der Sicherheitswacht zu. Manchmal gehe es da auch um Bitten, dass man in diesem oder jenem Stadtteil häufiger vor Ort sein sollte. „Wir geben das an die Polizeiinspektion weiter“, sagt Harry. „Ob wir dann in der Folge dort selbst Streife gehen oder häufiger ein Streifenwagen zu sehen ist: der Bürger hat auf jeden Fall die Gewissheit, dass man seine Befindlichkeiten ernst nimmt und darauf eingeht“. Dieses Wissen verstärkt das Sicherheitsgefühl der Kolbermoorer. Auch das sei ein Ziel, das mit der Einführung der Sicherheitswacht im Mangfalltal verbunden war, wie Polizeihauptkommissar Michael Fritz berichtet: „Dabei müssen die Kollegen, wenn sie beispielsweise auf eine größere Schlägerei stoßen sollten, gar nicht selbst eingreifen. Es genügt, wenn sie uns über ihre Funkgeräte informieren. Wir sind dann binnen Minuten mit den nötigen Einsatzkräften vor Ort – nicht zuletzt, weil wir uns darauf verlassen können, von den Streifengängern eine wirklich zuverlässige Lagebeschreibung erhalten zu haben.“
Konzept erweist
sich als Erfolg
Das Konzept der Sicherheitswacht hat sich in den drei Jahren seit Einführung als Erfolg erwiesen, weshalb die zuständige Polizeiinspektion Bad Aibling darüber nachdenkt, die Gruppe aufzustocken. Der nächste Lehrgang beginnt schon im Januar. Kurzentschlossene haben auch jetzt noch Zeit, sich dafür zu bewerben.
Optimale Tätigkeit
für das Ehrenamt
Roland B. und Harry F., die beide von Anfang an dabei sind, haben ihren Entschluss nicht bereut: „Man geht so gut wie immer mit einem warmen Gefühl nach Hause, im Wissen, für andere etwas Positives getan zu haben“, sagt Roland und fügt hinzu: „Eigentlich sollte es in unserer Gesellschaft eine grundlegende Haltung sein, sich um seine Mitmenschen zu kümmern. Viele bemühen sich auch darum. Wir aber haben in unserer Tätigkeit einfach die optimalen Möglichkeiten dafür.“