Kolbermoor – „Nudeln mit Tomatensauce, das wäre das Einzige, was wir uns leisten könnten, wenn es die Tafel nicht gäbe.“ Die alleinerziehende Mutter (Name ist der Redaktion bekannt) ist dankbar, dass es Menschen gibt, die an andere denken. Nicht nur an Weihnachten, sondern das ganze Jahr über. Sie teilt das Schicksal von etwa 200 Kolbermoorern, die die Unterstützung der Tafel brauchen. Sie müssen von geringen Renten oder Einkommen leben, erhalten vom Staat Sozialleistungen als Ausgleich zu dem, was ihnen zum Existenzminimum fehlt. Um satt zu werden, sind sie trotzdem noch auf Lebensmittelspenden angewiesen.
Sparsam zu leben,
reicht nicht mehr
„Obwohl wir sehr sparsam leben, ist es nicht einfach. Gerade jetzt, wo alles teurer geworden ist. Mit den Tafel-Spenden kommen wir gerade so hin“, erzählt die Mutter. Aus der Idee der Tafel, Bedürftigen zu helfen, die kurzfristig in Not geraten sind, ist heute eine Grundversorgung von Menschen geworden, bei denen es ums Überleben geht. Der Höhenflug der Verbraucherpreise und eine Inflation auf Rekordhoch haben die Situation weiter zugespitzt. Es bleibt immer weniger übrig, was die Geschäfte an die Tafeln abgeben können. Ihre Spenden reichen nicht mehr aus, um alle Bedürftigen versorgen zu können. Die Tafeln müssen zukaufen und sind mehr denn je auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen.
Großer Rückhalt von
den Bürgern der Stadt
Damit auch Rentner, Alleinerziehende und Alleinstehende ein schönes Weihnachtsfest feiern können, haben sich in Kolbermoor viele ehrenamtliche Helfer zusammengetan und Spenden gesammelt. „Ohne sie hätten wir es nicht geschafft, alle Tafel-Kunden zu versorgen“, ist Melanie Klettl, die Leiterin des Bürgerhauses, dankbar für das soziale Engagement der Kolbermoorer. „Die Tafel hat einen großen Rückhalt – bei Bürgern, Vereinen und Unternehmen.“ So sorgte der „Weihnachtsspendenaufruf“ für eine große Resonanz bei den Bürgern.
Auch Vereine halfen mit haltbaren Lebensmitteln und Geldspenden – so zum Beispiel der Verein „Kolbermoorer helfen“. Er übergab Müsli, Haferflocken, Tee, Gewürze, Orangen und Warengutscheine im Gesamtwert von 1000 Euro an die Kolbermoorer Tafel.
Am Mittwoch, 21. Dezember, fand nun die erste Bescherung in der Tafel statt. Diesmal gab es zur wöchentlichen Lebensmittelration zwei extra Weihnachtstaschen dazu. Abgestimmt auf die Familiengröße und unter anderem gefüllt mit Nudeln, Reis, Mehl, verschiedenen Dosensuppen, mit Milch, Kaffee, Tee, Lebkuchen, Süßigkeiten und sogar einem Stollen.
„Jetzt haben wir alles, was wir für ein schönes Weihnachtsessen brauchen“, sagt die Mutter dankbar. Auch Spätzle, Semmelknödel und Blaukraut waren unter den Tafelspenden. Das Geld für den Weihnachtsbraten hat sie gespart. „Die Kinder haben am Mittwoch stolz ihre ersten Geschenke nach Hause getragen“, berichtet Melanie Klettl. Denn das Team des Bürgerhauses sorgte auch dafür, dass die Wunschzettel aller 51 Tafel-Kinder zur Sparkassenstiftung kamen. Wunderschön verpackt kamen die Geschenke pünktlich vor dem Fest in Kolbermoor an und liegen nun schon unter den Christbäumen der Familien.
Die zweite Bescherung folgt am Samstagvormittag mit der Ausgabe der Geschenke des Kolbermoorer Gewerbeverbandes.
21 Präsente hängen
am Wunschbaum
Der „Wunschbaum“ wurde diesmal direkt von der Tafel organisiert, damit die Geschenke wirklich bei den Menschen ankommen, die es sich nicht leisten können, ihre Kinder reich zu beschenken. „21 Wünsche haben wir erhalten. Darunter waren beispielsweise Bluetooth-Kopfhörer, Weihnachtspyramiden, ein Sternenhimmel-Projektor, eine Holzeisenbahn, ein Modell-Boot oder ein Elsa-Kleid“, berichtet Giacomo Anzenberger. Am 24. Dezember holen sich die Kinder mit ihren Eltern ihre Weihnachtsgeschenke von 9 bis 14 Uhr im „Moortainment“ in der Schuhmannstraße 2 ab.
Parallel dazu bemühen sich natürlich auch die Eltern, von ihren knappen Einkommen noch Überraschungen für ihre Kinder zu besorgen. „Ich beobachte seit September die Sonderangebote und habe da noch ein paar kleine Dinge für meinen Sohn gefunden“, erzählt die Mutter.
Für eine neue Waschmaschine hat ihr Geld nicht mehr gereicht. Gutscheine vom Amt gibt es dafür nicht mehr. Auch so etwas muss sie sich vom Munde absparen. Doch wichtig ist in diesen Tagen erst einmal nur eines: „Dass mein Sohn glücklich ist.“ Auch Melanie Klettl geht mit einem guten Gefühl in den Weihnachtsurlaub: „Wir konnten alle gut versorgen“, ist sie beruhigt. Doch das Ringen um genug Lebensmittel für alle geht weiter.
Vom 2. bis 4. Januar lädt der SV-DJK Kolbermoor deshalb zu seinen „Rauhnacht-Fitness-Tagen für einen guten Zweck“ ein. Die Kursgebühren für Pilates, Hatha Yoga, Rauhnacht-Meditation, Jumping, Booty, Piloxing, Fit Ü60, Step und Tabata, Pilates und Zumba entfallen. Dafür werden Spenden für die Tafel gesammelt, damit auch am Mittwoch, 11. Januar, wieder allen bedürftigen Familien geholfen werden kann.