Was im Mangfalltal noch gebaut wird

von Redaktion

Krieg, Energiekrise, Preisexplosion am Bau und Inflation haben 2022 ihre Spuren hinterlassen. Das Einheimischenmodell ist tot, der Traum vom Eigenheim ausgeträumt. Trotzdem wird im Mangfalltal gebaut. Ein Blick in die Kommunen.

Mangfalltal – Richtfest für ein 18-Millionen-Euro-Projekt wurde im Juli im Conradty-Gelände gefeiert. An der Forellenstraße 3 und 4 sind auf einer Grundstücksfläche von 2790 Quadratmetern zwei Gebäude mit jeweils zwölf Wohnungen entstanden. „Die Käufer haben alles richtig gemacht, denn aufgrund der Preisexplosion am Bau und der Entwicklung der Zinsen sind die Wohnungen schon vor ihrer Fertigstellung weitaus mehr wert“, betonte Domizile-Geschäftsführer Helmut Stranzinger. Bürgermeister Peter Kloo begrüßte das Wohnprojekt an der Forellenstraße als wichtigen bedarfsgerechten Bau. Ursprünglich seien im Bebauungsplan Einfamilienhäuser angedacht gewesen, doch diese seien nicht mehr zeitgemäß.

Gleich auf mehrere Bauprojekte und große Investitionen haben die Kolbermoorer bei ihrem Fest rund ums Rathaus am 9. Juli anstoßen können, darunter die Tonwerk-Unterführung, die Wald-Kita Hölderlinstraße, die Kita Grubholzer Straße, das Wohn- und Geschäftshaus am Rathausplatz mit dem italienischen Restaurant „Milano“, die Neugestaltung des Areals rund ums Rathaus sowie der Rosenheimer Straße und das neue Feuerwehrhaus Pullach.

Auf der Leerstandskonferenz „Jemand daheim“ in Kolbermoor wurde im September das Wohnen der Zukunft definiert. Lösungen gegen die Wohnungsnot und bezahlbare Alternativen für soziales Wohnbauland werden in der Nutzung leer stehenden Wohnraums, dem Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten, in Mehrgeschossbauten und neuen Energieinfrastrukturen gesucht. Als gutes Beispiel für das Wohnen der Zukunft wurde die Alte Spinnerei gelobt. Eines der aktuell größten Kolbermoorer Wohnbauprojekte ist die Conradtystraße. Im ersten Gebäude entstehen 21 Wohnungen und eine Kita mir zwei Kinderkrippen- und zwei Kindergartengruppen.

Familien müssen auf
Eigenheim verzichten

Sind soziale Wohnbaulandprogramme ein Auslaufmodell? In Bruckmühl haben aktuelle Weltlage, Energiekrise, Preisexplosionen am Bau und Inflation die soziale Rangliste der 93 Bauwerber ausgehebelt, die die Marktgemeinde Bruckmühl in ihrem Wohnbaulandprogramm festgeschrieben hat. Sollten eigentlich die kinderreichen Familien mit dem wenigsten Einkommen und Vermögen die 13 Bauparzellen erhalten, die die Marktgemeinde hat, verkehrte sich die Rangfolge im Laufe des Jahres ins Gegenteil. 40 auserwählte Familien mussten auf ihren Hausbau verzichten. Erst Anfang Dezember war die Marktgemeinde bei Listenplatz 51 angekommen, waren elf von 13 Erbbaurechtsgrundstücke am Liesl-Karlstadt-Bogen verkauft.

Auch das „Aiblinger Modell“ schwächelt. Im Frühjahr gab‘s noch Befürchtungen, die Anzahl der Wohnungen könnte zu gering sein. Nach Ablauf der Vergabefrist für die Objekte in zwei Baugebieten wurde klar: Das Angebot überschreitet die Nachfrage beim Weitem. Vor allem die steigenden Immobilienzinsen sowie abgesetzte Förderprogramme haben den Traum vom Eigenheim für viele Interessenten bereits im Vorfeld platzen lassen.

Verschiedene Investoren errichten auf den Baugebieten „Ellmosener Wies“ (150) und „Harthausen Ost“ (200) insgesamt etwa 350 neue Wohnungen. Davon werden 39 nach Vorgaben der Stadt im Rahmen des „Aiblinger Modells“ angeboten. Vor allem Familien, die sich Eigentum zum „normalen“ Preis nicht leisten können, sollte dadurch die Möglichkeit gegeben werden, für einen um 500 Euro reduzierten Quadratmeterpreis vergleichsweise günstigen Wohnraum zu erwerben. Trotzdem gab es bis Oktober nur elf Bewerber.

Investitionen in die
Zukunft der Kinder

Aber auch die potenziellen Immobilienkäufer sind derzeit eher verhalten. Der Verkauf der Wohnungen auf dem freien Markt ist nach Angaben von Josef Krapichler senior von der Krapichler Wohnbau & Immobilien GmbH – einer der Investoren – nicht so leicht: „Es läuft deutlich zäher als noch zum Jahreswechsel, wo ein richtiger Run herrschte.“ Mit dem ersten Spatenstich besiegelte die Gemeinde Feldkirchen-Westerham eine wichtige Investition in die Zukunft ihrer Kinder. Am Mareisring in Feldkirchen entsteht eine viergruppige Kinderkrippe mit Übergangsgruppe und insgesamt 48 Plätzen. Der Neubau beherbergt auch Räume für die Volkshochschule und eine Tiefgarage. Die Gemeinde investiert 8,1 Millionen Euro. Im Frühjahr 2024 sollen die Kinder einziehen können.

Neue Ortsmitte
für Bad Feilnbach

Um 52 Wohnungen, verteilt auf fünf Häuser, wird Bad Feilnbachs „neue Mitte“ bald reicher sein. Doch auf dem Tannenhof-Areal entsteht noch viel mehr. Eines der Herzstücke: das Bad Feilnbacher Wohnzimmer – ein ebenerdiger, barrierefreier Raum mit Terrasse. Dieser soll nicht nur den Bewohnern des neuen Viertels, sondern allen Gemeindebürgern kostenfrei offen stehen. Insgesamt neun barrierefreie „Appartements“, zwei große Gemeinschaftsbäder, eine Küche und einen Gemeinschaftsraum umfasst das „Ambulant betreute Wohnen“ der Ernst-und-Hilde-Gundel-Stiftung. Bis September soll sie fertig sein. Dann geht auch die neue, Kindertagesstätte mit 25 Kindergarten- und zwölf Krippenplätzen an den Start.

Frisches Gesicht für
den Marienplatz

Eines der spektakulärsten Projekte in Bad Aibling ist das neue „Lichtspielhaus“ mit Wohnungen, Gewerbe und Gastronomie im Herzen der Stadt. Im Oktober begannen die Abrissarbeiten. Mit Bewunderung beobachteten die Passanten, wie der tonnenschwere Bagger in filigraner Millimeterarbeit Stück für Stück des ehemaligen Gasthauses Sebastianibräu abtrug. An seiner Stelle soll das Lokal „Flötzinger am Platz“ neu entstehen und inklusive Außengastronomie der alten Tradition dieses Ortes folgen.

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