Kolbermoor – Schluss mit den Zigaretten, weg mit dem Bauchspeck, her mit den Sportgeräten: Wenn ein altes Jahr endet und ein neues in den Startlöchern steht, dann steigt bei vielen Menschen auch das Bedürfnis, Veränderungen im Leben anzugehen.
Der Mangfall-Bote hat bei Bürgern aus Kolbermoor nachgefragt, ob und welche Vorsätze sie für das Jahr 2023 gefasst haben.
Um mit gutem Beispiel voran zu gehen – und, weil es für sie einfach praktisch ist – legt Kolbermoors Mobilitätsmanagerin Veronika Winkler (42) die Strecken durch und rund um die Stadt Kolbermoor in der Regel sowieso per Fahrrad zurück. Was Bewegung anbelangt, muss sich die sportliche Frau also keine Gedanken machen. Und auch sonst ist die 42-Jährige in puncto Vorsätze fürs nächste Jahr eher zurückhaltend. „Weniger Schokolade – und die dann bewusster“, sagt Winkler nach kurzer Bedenkzeit. Selbstverständlich sei sie auch schon an Vorsätzen gescheitert. Welche das waren, dazu schweigt sie aber lieber.
Dafür hat sie beruflich einen Vorsatz gefasst, der auch vielen Bürgern der Stadt zugutekommen würde. „Mein Ziel ist es, ausreichend Radabstellanlagen in der Stadt zu verwirklichen“, so die Stadtangestellte. „Und zwar Anlagen, in denen das Rad vor Wind und Wetter geschützt ist und in denen der Radler auch den Helm lassen kann, ohne dass er plötzlich verschwunden ist.“ Sie sei „guter Hoffnung“, dass sich dieser Vorsatz umsetzen lässt, sagt aber auch: „Die Hürden stecken dann bei den Planungen oft mal im Detail.“
Auch Martina Mauder (48), Pastoralreferentin der Stadtkirche Kolbermoor, hat sich eher berufliche, denn persönliche Ziele gesteckt. „Priorität hat für mich, dass ich meine Arbeit vernünftig und zum Wohl unserer Gläubigen mache“, sagt die 48-Jährige. Was das persönliche Leben angehe, sei sie zufrieden, so wie es ist. „Vorsätze im klassischen Sinne fasse ich daher nicht.“ Zumal die Seelsorgerin auch „bei diesem Zwang zur Selbstoptimierung“ nicht mitmachen will. „Das war noch nie so mein Ding.“
Mehr Gelassenheit an den Tag legen – das ist ein großes Ziel von Christian Poitsch (62) vom Kolbermoorer Stadtmarketing fürs kommende Jahr. Denn die vergangenen drei Jahre, in dem sich mit Corona, Ukraine-Krieg und Energiekrise eine Krise nach der anderen gereiht hatte, haben dem 62-Jährigen zugesetzt. „Ich habe gedacht, dass ich das alles gut wegstecke“, gibt Poitsch unumwunden zu. „Ich habe aber gemerkt, dass ich dadurch dünnhäutiger geworden bin und vielleicht auf Probleme nicht so reagiere, wie es angebracht wäre.“
Doch nicht nur die Gelassenheit, auch eine aktivere Freizeitgestaltung hat sich der Marketingexperte für 2023 auf die Agenda gesetzt. „Rund um die Feiertage habe ich mir eine Liste gemacht“, erzählt Poitsch. „Da habe ich festgestellt, dass ich unbedingt mal wieder nach Wien fahren muss.“ Auch Venedig will der 62-Jährige demnächst einen Besuch abstatten: „Da war ich schon über 30 Jahre nicht mehr.“
Dass er mit einem Vorsatz, den er einst gefasst hatte, mal krachend gescheitert wäre, daran kann sich Poitsch nicht erinnern. Rückschläge habe es zwar sicherlich gegeben, die sind seiner Meinung nach aber nicht mit einem Scheitern vergleichbar. Der 62-Jährige setzt sich auch lieber höhere Ziele. Poitsch: „Es ist doch besser, die Messlatte beispielsweise auf 2,10 Meter zu setzen und dann wenigstens 1,90 Meter zu überspringen, als sich ein zu bescheidenes Ziel zu setzen.“
Weniger Vorsätze als viel mehr Wünsche hat der Kolbermoorer Andreas Paukert, Jugendwart beim Kreisfischereiverein Bad Aibling, für das neue Jahr 2023. „Ich wünsche mir für meine Familie Gesundheit und eigentlich, dass alles so bleibt, wie es derzeit für mich ist“, sagt der 72-Jährige.
Einen besonderen Wunsch hat er zudem in puncto Ehrenamt beim Fischereiverein: „Ich würde mir sehr wünschen, dass die Jugendarbeit wieder so gut anläuft, wie vor Corona.“ Die Pandemie-Jahre hätten die Arbeit nämlich deutlich erschwert.
Dass sich viele Menschen gerade zum Jahreswechsel Vorsätze fassen, kann Paukert nicht nachvollziehen. „Wenn ich merke, dass mir etwas nicht passt und ich etwas ändern will, dann muss ich doch nicht bis zum neuen Jahr warten“, findet der 72-Jährige, der nach eigenen Angaben Dinge, die er sich vorgenommen, auch umgesetzt hat. Nur an einem Vorsatz ist der 72-Jährige bis heute gescheitert: „Ich habe zweimal versucht, mit dem Rauchen aufzuhören“, erzählt Paukert. „Ich habe aber immer wieder angefangen.“
Was den Zeitpunkt anbelangt, wann man sich seinen Vorsätzen widmen sollte, kann Walter Weinzierl, Ehrenvorsitzender des Trachtenvereins D‘Mangfalltaler, Paukert nur beipflichten. „Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann wollte ich es auch gleich angehen“, sagt der 70-Jährige. „Da macht es doch gar keinen Sinn, zu warten, bis der Jahreswechsel ansteht.“ Und dennoch hat sich der Trachtler mit Leib und Seele fürs kommende Jahr 2023 viel vorgenommen. Allerdings Dinge, die er selbst nur bedingt beeinflussen kann. So leidet Weinzierl seit Mai an einer hartnäckigen Gürtelrose, die ihn im Alltag erheblich einschränkt. Doch mittlerweile schlagen die Behandlungen und Therapien an, wie Weinzierl erzählt. „Es geht auf jeden Fall bergauf“, sagt der 70-Jährige, der sich für 2023 vorgenommen hat, „gesund zu werden“, denn: „Gesundheit ist einfach das wichtigste Gut!“
Wenn es ihm dann wieder deutlich besser geht, will er einen weiteren Vorsatz für 2023 angehen. „Da mich die Erkrankung extrem eingeschränkt hat, musste ich in den vergangenen Monaten auf viele Dinge verzichten“, so Weinzierl. „Veranstaltungen besuchen, Motorrad fahren – diese Dinge will ich im kommenden Jahr dann wieder richtig anpacken.“
Anpacken will auch Coach und Buchautorin Melanie Binder (39) aus Kolbermoor. Sie hat sich für 2023 vorgenommen, wieder mehr „unsere schöne Gegend, in der wir leben dürfen“, zu erkunden und zu genießen. Binder: „Es gibt noch viele schöne Fleckchen hier in den Bergen, an Seen und noch mehr, an denen ich noch nicht war.“ Beruflich will sie sich nach eigenen Angaben mehr mit der Online-Welt und einem neuen digitalen Seminarkonzept befassen.
Dass sie nicht alle Vorsätze, die sie je gefasst hatte, durchhalten konnte, daraus macht die Autorin keinen Hehl. So hatte sie sich einst vorgenommen, viermal die Woche morgens vor der Arbeit joggen zu gehen. „Das hat einen Monat funktioniert, dann hat sich der Schlendrian eingeschlichen“, erinnert sich die Kolbermoorerin. Umgesetzt hat die 39-Jährige dafür den Vorsatz aus dem vergangenen Jahr, jeden Monat mit einer Freundin in Kontakt zu treten, mit denen die Verbindung etwas eingeschlafen war. Binder: „Das waren am Ende des Jahres zwölf sehr schöne Begegnungen oder Telefonate, die Erinnerungen geweckt und wieder Verbindung hergestellt haben.“
Dass es, um Änderungen im Leben herbeizuführen, unbedingt den Jahreswechsel brauche, glaubt die 39-Jährige indes nicht. Obwohl sie findet, dass die Zeit um den Wechsel von einem ins andere Jahr schon einen „besonderen Zauber“ habe. Binder: „Warum also nicht diesen Zauber des neuen Anfangs für sich in Form von Wünschen und Vorsätzen nutzen?“