Fahrlehrer sind in Sorge

von Redaktion

Der Fahrlehrerverband schlägt Alarm: Die Zahl der Fahrschüler, die durch die Prüfungen fallen, steige stetig an. Die OVB-Heimatzeitungen haben bei Fahrlehrern im Mangfalltal nachgefragt – und tatsächlich ist auch ihnen etwas aufgefallen.

Mangfalltal – Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände schlägt Alarm: Die Fahrschüler würden nach Angaben von Vize-Vorsitzendem Kurt Bartels nicht nur „unaufmerksamer“. Immer mehr Fahrschüler würden auch bei den Prüfungen durchrasseln. Der Verband beruft sich dabei auf Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes. So seien im Jahr 2021 rund 37 Prozent der Theorieprüfungen nicht bestanden worden. Im Jahr 2013 habe die Durchfallquote noch bei 29 Prozent gelegen. Bei der praktischen Prüfung für die Pkw-Führerscheinklasse B seien 2021 knapp 30 Prozent durchgefallen.

Handy-Nutzung
mögliche Ursache

Die Gründe dafür sieht Bartels unter anderem in der vermehrten Handy-Nutzung. „Der junge Mensch, der heute in die Fahrschule kommt, hat eine ganz andere Verkehrswahrnehmung als noch vor 20 Jahren – nämlich eine geringere“, sagte Bartels jüngst in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Schauen Sie mal in ein Auto, ob die Kinder auf die Straße schauen. Nein, sie gucken auf ihr Smartphone. Sie gehen zu Fuß und gucken auf ihr Smartphone“, so Bartels weiter. Deshalb hätten junge Menschen nicht mehr diese „natürliche Affinität zum Verkehrsgeschehen wie früher“.

In Bad Feilnbach
kein extremer Anstieg

Eine Einschätzung, der Katharina Angermaier (34), die seit 2019 die Fahrschule Angermaier in Bad Feilnbach betreibt, nur beipflichten kann. „Es stimmt, dieses Gespür für Verkehr hat sich einfach geändert.“ Sie habe in den vergangenen Jahren zwar keine extremen Veränderungen bei der Durchfallquote festgestellt, so Angermaier gegenüber den OVB-Heimatzeitungen, aber: „Gestiegen ist sie, das habe ich auch gemerkt.“

Angermaier führt das aber nicht nur auf die Smartphone-Nutzung zurück, sondern auch darauf, dass für viele Jugendliche der Druck nicht mehr so hoch sei, unbedingt den Führerschein in den Händen zu halten. „Der Wunsch, den Führerschein zu machen, ist zwar bei vielen schon noch da“, sagt die 34-Jährige. „Wenn‘s aber dann nicht klappt, dann gibt‘s ja für viele immer noch das Mama- oder Papa-Taxi.“ Daher versucht die Fahrlehrerin auch, „sanften Druck“ auf einige ihrer Fahrschüler auszuüben. So können sich ihre Schüler anhand einer App für die Theorieprüfung vorbereiten. Eine Ampel innerhalb der App signalisiere dem Schüler dann, wie ausführlich und erfolgreich er geübt habe. „Steht die Ampel nicht auf Grün, dann scheue ich mich auch nicht, den Schüler nicht zur Prüfung anzumelden“, so die 34-Jährige, denn: „Ich will ja nicht daran verdienen, dass meine Schüler Prüfungen wiederholen müssen. Das könnte ja auch mal meinen Ruf schädigen.“

Dass mehr Fahrschüler in den Prüfungen durchfallen als noch vor einigen Jahren – diesen Trend kann auch Franz Neureither (53) bestätigen. Er betreibt die Fahrschule Neureither in Bruckmühl mit weiteren Standorten in Feldkirchen-Westerham, Innerthann/Beyharting bei Tuntenhausen, Ostermünchen bei Tuntenhausen, Großkarolinenfeld und Aying (Landkreis München).

Bundeszahlen durch
den Norden getrieben

Der Anstieg sei aber in seiner Fahrschule „nicht so krass“ wie die bundesweiten Vergleichszahlen. Seine Durchfallzahlen lägen einige Prozentpunkte unter dem Schnitt. Neureither vermutet, dass es vielen Fahrschulen in der Region ähnlich gehe, denn: „So weit ich weiß, ist die Durchfallquote in den norddeutschen Großstädten sehr hoch, was dann natürlich einen massiven Einfluss auf die bundesweite Quote hat.“

Die Gründe dafür, dass in den vergangenen Jahren die nichtbestandenen Prüfungen zugenommen hätten, seien vielfältig. So sei das Thema Smartphone-Nutzung, das Bartels von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände ins Feld geführt hatte, „sicherlich ein Auslöser“. Ein weiterer ist nach Angaben von Neureither aber auch ein höherer Anteil an Migranten in den Fahrschulen. An den Standorten seiner Fahrschulen sei der Anteil unter den Fahrschülern beispielsweise seit 2015/2016 von rund zehn auf rund 30 Prozent gestiegen. Wieso ein Migrationshintergrund für eine höhere Durchfallquote bei den Fahrprüfungen verantwortlich sein könnte, macht Neureither an einem Beispiel deutlich: „Wenn beispielsweise ein Syrer, der nach Deutschland gekommen ist, seinen syrischen Führerschein umschreiben lassen will, muss er nach einem halben Jahr beide Prüfungen ablegen“, erklärt der 53-Jährige. Theorie- oder Praxisstunden seien da allerdings nicht vorgeschrieben. „Da gibt es dann schon einige, die ohne weitere Stunden antreten und dann halt einmal, oder gar öfters, durchfallen und so den Durchschnitt erhöhen.“

Eine steigende Anzahl an Fahrschülern, die durch die Prüfungen rasseln, hat auch die SC Fahrschule in Kolbermoor zu verzeichnen. Im Theorie-Bereich sei nach Einschätzung von Claudia Cetin (50) von der Fahrschule die Art, wie gelernt werde, ein großes Problem. „Die lernen teilweise nur noch auswendig“, so die Erfahrungen der 50-Jährigen. „Und dann sind sie überfordert, wenn sich etwas geändert hat.“ Was Cetin besonders ärgert: die Undiszipliniertheit, mit der einige Fahrschüler ans Werk gehen.

Undiszipliniertheiten
als großes Ärgernis

„Normalerweise ist es, wenn man sich darauf konzentriert, ohne Probleme zu schaffen, den Führerschein in vier bis sechs Monaten durchzuziehen“, sagt die Expertin. „Manche sind aber nach eineinhalb Jahren immer noch dabei, weil sie nebenher noch 20 andere Verpflichtungen haben.“

Sie selbst habe die Erfahrung gemacht, dass Fahrschüler, die vom Land kommen, da fokussierter seien als junge Menschen aus der Stadt. „Wer vom Land kommt, ist meistens selbstständiger“, findet die 50-Jährige. „Der muss sich schon früh darum kümmern, wie er beispielsweise von A nach B kommt, was man dann letztlich auch beim Thema Führerschein merkt.“ Genau die gleichen Erfahrungen hat Markus Horschk (42) von der Fahrschule Heinzel mit Filialen in Bad Aibling und Kolbermoor gemacht. „Je ländlicher die Region ist, aus der ein Fahrschüler kommt, umso mehr ist er auch dahinter, den Führerschein zu schaffen“, so Heinzels Beobachtungen, die aber „natürlich nicht auf jeden Fahrschüler so zutreffen“.

„Nicht viel Bock“
statt Lust am Lernen

Vor allem beim Theoriepauken täten sich viele seiner Fahrschüler schwer. „Ich habe das Gefühl, dass manchmal die Lust zum Lernen fehlt“, sagt der 42-Jährige. Und das, obwohl der Zugang zu Lernmaterial so einfach sei wie noch nie, beispielsweise durch App-Angebote fürs Smartphone. Horschk glaubt, dass immer wieder auch die Eltern den Wunsch haben, dass das Kind den Führerschein mache, die Jugendlichen aber „gar nicht so viel Bock drauf haben“. Um die Abschlussquote bei der praktischen Prüfung wieder zu erhöhen, versucht der 42-Jährige seit einigen Monaten gegenzusteuern. Und zwar mit der sogenannten „B197 Automatikregelung“.

Diese ermöglicht es Fahrschülern mittlerweile, einen Großteil der Fahrstunden sowie die praktische Führerscheinprüfung in einem Auto mit Automatikschaltung abzulegen.

Automatikregelung
als Alternative

Voraussetzung dafür ist, dass sie einige Fahrstunden in einem Auto mit Kupplung absolvieren und dort unter Beweis stellen, dass sie den Umgang mit diesen Fahrzeugen beherrschen. Horschk: „Wenn sie dann in der Prüfung in einem Automatikauto fahren können, fällt vielen die Prüfung dann schon um einiges leichter.“

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