Kolbermoor – Was lange währt, wird endlich gut. Dieser Redensart kommt in Kolbermoorer Schulen wohl eine ganz besondere Bedeutung zu. Während andere Schulen im Mangfalltal längst mit der neuen Technik arbeiten, dauerte es hier mehr als zwei Jahre vom Stadtratsbeschluss bis zur Lieferung. Schon am 25. November 2020 beschloss das Gremium, die Schulen mit digitalen Tafeln auszurüsten. Seitdem war Warten angesagt und Lehrer sowie Schüler arbeiteten weiterhin mit der guten alten Kreide, mit dem guten alten Schwamm.
Insgesamt sollen
67 Geräte kommen
Eigentlich sollten die ersten digitalen Tafeln bereits 2021 geliefert werden. Aufgrund des erhöhten Arbeitsaufwands für eine europaweite Ausschreibung sowie personellen Engpässen in der städtischen IT-Abteilung stand die Verwaltung bis zuletzt bei den Schulen, um es im Fachjargon auszudrücken, in der Kreide. Schwamm drüber. Das Warten hat ein Ende, in den vergangenen Tagen wurden nun sämtliche Klassenzimmer der Mangfallschule, der Pauline-Thoma-Schule sowie der Adolf-Rasp-Grundschule mit den Exemplaren der Neuzeit ausgestattet.
Damit geht die Digitalisierung der Schulen in die nächste Phase. Schon 2018 wurden sie mit Beamern, Laptops und Dokumentenkameras ausgestattet, im Herbst 2020 kamen 125 Schüler-iPads und für die Grundschulen iPad-Koffer mit Ladestationen hinzu.
Laut Michael Merwald von der IT-Abteilung der Stadt Kolbermoor sind nun die neuen digitalen Tafeln endlich da und man habe die vergangenen Tage genutzt, um die besagten Schulen mit zunächst jeweils acht Tafeln auszustatten. Der Rest, insgesamt wurden 67 Tafeln bestellt, soll im Laufe des Jahres folgen.
Gesamtkosten von
rund 600000 Euro
Der Umbau habe bisher reibungslos funktioniert, sagt Merwald, der von Gesamtkosten in Höhe von etwa 600000 Euro spricht. Mehrere Installations-Teams waren nun in den verschiedenen Schulräumen im Einsatz. „Ein Team schafft ungefähr drei bis vier Tafeln am Tag“, so Merwald. Ihm zufolge werden die Kreidetafeln dadurch allerdings nicht in Gänze weichen. Teilweise würden die Seitenteile der herkömmlichen Tafeln bleiben. Und was sagen die Schulen zur lang ersehnten Erneuerung? Auf OVB-Nachfrage erklärte etwa Carola Vodermaier, Rektorin der Adolf-Rasp-Grundschule, dass die Vorfreude groß gewesen sei. „Als unsere Kinder gestern ins Klassenzimmer kamen, hatten sie leuchtende Augen wie an Weihnachten, sie waren hellauf begeistert.“ Laut Vodermaier könne man nun eine „ganz neue Art von Unterricht“ anbieten, was für die Lehrer gleichzeitig natürlich auch herausfordernd sei. „Wir freuen uns trotzdem sehr, das gibt uns unzählige neue Möglichkeiten“, so die Rektorin, die etwa vom Tafelbild spricht, welches die Lehrkraft nun problemlos im Vorfeld vorbereiten könne.
„Nehmen wir das Beispiel HSU (Heimat- und Sachkunde Unterricht), Thema Igel: Man kann jetzt ohne Aufwand auch mal schnell ein Video abspielen.“ Durch eine noch anstehende Einführung sowie durch Lernvideos des Anbieters bekämen Lehrer und Schüler nun Tag für Tag mehr Übung im Umgang, „eben learning by doing“, erklärt Vodermaier. Bevorzugt seien nun vor allem die Klassenzimmer mit den digitalen Tafeln ausgestattet worden, die bisher am wenigsten durch Technik ausgerüstet waren. Grundsätzlich begrüßt die Schulleiterin die neue Ausstattung und stellt klar: „Man muss mit der Zeit gehen.“Erfreut über die neue Technik zeigte sich auch Markus Rinner, Rektor der Pauline-Thoma-Mittelschule Kolbermoor, während dort die ersten Exemplare angebracht wurden. „Das Ziel ist, letztlich alle Klassenzimmer und Fachräume damit auszustatten.“ In seiner Schule verfügten zuletzt, neben den alten Kreidetafeln, einige Räume immerhin schon über „einen gewissen Vorläufer der digitalen Tafel“, einen Kurzstreckenbeamer mit Touchpad. Im Gegensatz zu normalen Kreidetafeln könne man hier Programme installieren und nutzen, die zum Beispiel für Englisch und Mathematik hilfreich seien. „Dadurch war schon viel interaktives Arbeiten möglich“, erklärt Rinner.
Doch die Neuanschaffungen hätten noch weitaus mehr Potenzial.
Wie ein Tablet
im Großformat
„Was jetzt kommt ist im Endeffekt ein Tablet in Großformat“, so Rinner. Dabei hofft er auf noch mehr Interaktivität. „Hoffentlich zwischen Schülern und Lehrern aber auch zwischen Schülern und dem Stoff“, sagt der Rektor schmunzelnd. Über die digitalen Tafeln könne man etwa diverse Lernprogramme, die es längst gibt, endlich auch nutzen. Und Rinner hofft auf noch mehr Vorzüge. So soll der Lehrer nun einen Tafeleintrag als PDF abspeichern und Schülern schicken können, die beispielsweise krankheitsbedingt gefehlt haben. „Das ist schon ein extremer Mehrwert. Außerdem soll das Schreiben auf den neuen Tafeln keine zeitliche Verzögerung mehr haben, anders als bei den Touchbeamern“, so der Rektor. Seiner Meinung nach sollten Kreidetafeln der Vergangenheit angehören, auch wenn es immer Menschen geben wird, die ihnen nachtrauern. Nicht zu unterschätzen sei auch der Mehrwert für die von Kreide und Schwamm-“Sauereien“ geplagten Reinigungskräfte.
Alte Variante bleibt
für Stromausfall-Fall
Doch auch Rinner will die alten Kreidetafeln nicht einfach entsorgen. „Mein Plan ist, einen einzigen Schulraum nur mit einer Kreidetafel und einem Overheadprojektor auszustatten, damit die Leute dann auch mal sehen können, wie es früher einmal war.“ Und man behalte die Kreidetafeln auch für den Fall, wenn mal ein Stromausfall eintritt, scherzt Rinner. Zufrieden mit den neuen Tafeln äußert sich ebenso Rektorin Christa Wagner von der Mangfallschule. „Die Kinder sind ganz begeistert, wir haben jetzt viel mehr Möglichkeiten“, auch wenn die Umbauarbeiten während des Unterrichts „ein wenige Spontanität“ erfordert haben. Während noch eine Tafel aufgrund von technischen Schwierigkeiten auf sich warten lässt, seien nun sieben Klassenzimmer mit den technischen Tafeln ausgerüstet worden, was den Unterricht bereichere.
Neben zahlreichen Interaktionen und bewegbaren Elementen, böten die riesigen Displays etwa die Möglichkeit, verschiedene Lineaturen abzubilden. Wer dann also immer noch schief schreibt, muss sich das, auch ohne alte Kreide, ankreiden lassen.