Kolbermoor/Bad Aibling – Der Auwald zwischen Mangfall, dem neuen Hochwasserschutzdamm am Pullacher Kreisel und der Staatsstraße 2078 hat sich verändert. Auch dieser grüne Gürtel ist vom Eschentriebsterben nicht verschont geblieben. Viele Bäume stehen noch, sind aber erkennbar krank. Revierleiter Lukas Hofmann muss die Waldfläche – auch Willinger Au genannt – regelmäßig begutachten, um das Risiko für Waldbesucher und Anwohner einzuschätzen.
Baumkrankheit
greift schnell um sich
„Binnen weniger Jahre ist aus der für den Auwald typischen Baumart Esche mit hohem ökologischem und wirtschaftlichem Wert mehr und mehr ein Problemfall geworden“, beschreibt Jörg Meyer, Leiter des Forstbetriebes Schliersee der Bayerischen Staatsforsten.
Die Krankheit hinterlässt deutliche Spuren: „Die Kronen besonders stark geschädigter Bäume haben kaum noch Feinäste und bestehen in den äußeren Bereichen oft nur noch aus wenigen Totästen.“ Jetzt im Winter könne man die abgestorbenen Zweige besonders gut sehen. Doch auch im Sommer könne man bei näherem Hinschauen Lücken in der Belaubung erkennen.
Diese Symptome sind typisch für das Krankheitsbild des „Eschentriebsterbens“, einer Baumerkrankung, die sich in den vergangenen Jahren auf ganz Bayern ausgebreitet hat. Die befallenen und durch die Krankheit instabilen Bäume bergen ein hohes Risiko für Waldbesucher und Anwohner.
Auch gesunde
Fichten müssen weg
Deshalb führen die Bayerischen Staatsforsten in den von ihnen betreuten Staatswäldern regelmäßig Sicherheitsbegehungen durch. „Werden dabei Gefährdungen festgestellt, erfolgt im Anschluss eine Hiebsmaßnahme zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit, so wie Mitte Februar im Staatswaldkomplex zwischen Mangfall und dem neuen Hochwasserschutzdamm am Pullacher Kreisel“, erklärt Meyer. Betroffen sei in erster Linie ein Bereich entlang des Radweges südlich der Mangfall.
Doch die Herstellung der Verkehrssicherheit ist nur ein Aspekt dieser Maßnahme: „Neben den geschädigten Eschen ist in diesem Baumbestand ein ungewöhnlich hoher Fichtenanteil von etwa 45 Prozent festzustellen“, erläutert der Forstbetriebsleiter. „Der hohe Fichtenanteil ist im Auwald kritisch zu sehen, da der Nadelbaum hier natürlicherweise nur vereinzelt vorkommen würde.“ Vermutlich wurden die Fichten in der Willinger Au vor mehreren Jahrzehnten gepflanzt. Das schlussfolgert die Staatsforsten aus den noch deutlich erkennbaren Pflanzreihen. „Deshalb werden ab Mitte Februar neben kranken und abgestorbenen Eschen schwerpunktmäßig auch Fichten entnommen, um den hier wachsenden Wald in Richtung eines naturnahen Auwalds zurückzuentwickeln“, so Meyer.
Ziel sei es, den typischen Arten der Auen wie Eichen, Ulmen, Ahorn und Linden wieder mehr Raum für Wachstum und Vermehrung zu geben. Außerdem ist geplant, am Südrand der Fläche, direkt am neuen Hochwasserschutzdamm, einen strukturreichen Waldrand anzulegen. Meyer: „Dieser schafft einen naturschutzfachlich wertvollen Übergang von dem am Damm bereits angelegten Magerrasen zu einem zukünftig artenreichen und standortangepassten Waldbestand.“ Hier wollen die Bayerischen Staatsforsten Kirschen, Weißdorn und andere Gehölzarten pflanzen. Mitte Februar sollen die Arbeiten beginnen.
Handarbeit
ist zu gefährlich
„Aufgrund der teilweise starken Schädigung ist eine händische Fällung durch Waldarbeiter zu gefährlich, weshalb wir uns für den Einsatz eines Harvesters entschieden haben“, informiert der Leiter des Forstbetriebs Schliersee.
Der Harvester fixiere und fälle die Stämme mit einem hydraulischen Greifarm, der Maschinenführer sitze in der sicheren Kabine. Die mit moderner Bodenschutztechnik ausgestatteten Maschinen bewegen sich während der Arbeiten ausschließlich auf zuvor vom Revierleiter markierten Rückegassen. Dadurch wird die Befahrung auf das zwingend notwendige Maß reduziert und der Großteil des Waldbodens bleibt unberührt. „Um den Boden auf diesen Befahrungslinien bestmöglich zu schützen, werden Teile der Baumkronen auf die Rückegassen gelegt, damit sie wie eine Matratze das Gewicht der Maschinen besser verteilen und so den Bodendruck verringern“, erläutert Meyer.
Harvester werden auf „Matratzen“ gebettet
Fällungsmaßnahmen wurden mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim, dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim und der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. „Aufgrund der Fällarbeiten wird es zu Einschränkungen und kurzzeitigen Vollsperrungen der Rad- und Wanderwege in den betreffenden Bereichen sowie zu Umleitungen kommen“, kündigt der Forstbetriebsleiter an und dankt den Anwohnern und Waldbesuchern schon vorab für ihr Verständnis.
Wegen der Baumfällarbeiten muss der Mangfall-Süddamm in der Willinger Au voraussichtlich ab Montag, 13. Februar, bis Freitag, 17. Februar, gesperrt werden. Die Umleitung erfolgt über Willinger Straße, Mangfalldamm-Nord, Professor-Urban-Straße, Ganghoferstraße, Rosenheimer Straße und Am Oberwöhr.