Kolbermoor – „I brauch fei koa Zeitung“, hatte Käthe Woborschil noch gesagt, als es um die Vorbereitungen für ihren runden Geburtstag ging. Doch ein ganzes Jahrhundert so heimlich, still und leise zu feiern, das funktioniert dann fei doch nicht. Und so kommt die jüngste hundertjährige Kolbermoorerin mit einem winzigen Blick in ihr bewegtes Leben nun doch noch in die „Schlagzeilen“.
Mit 18 Jahren
zum Kriegsdienst
Käthe Woborschil ist eine waschechte Kolbermoorerin. Sie wurde am Mittwoch, 31. Januar 1923, als eines von acht Kindern der Familie Hötzendorfer in der Brückenstraße geboren. Als sie 15 Jahre alt war, begann sie eine Ausbildung zur Verkäuferin im legendären Rosenheimer Modehaus „Senft“.
Kaum hatte sie ihre Lehre beendet und war 18 Jahre alt geworden, veränderte der Zweite Weltkrieg auch ihr Leben. „1941 wurde meine Mutter eingezogen, am Fliegerhorst Bad Aibling zur Luftwaffenhelferin ausgebildet und schließlich in Nantes an der Atlantikküste stationiert“, berichtet ihr Sohn Herbert.
Dort arbeitete Woborschil als Telefonistin, bis die Alliierten im Juni 1944 in der Normandie landeten, die deutschen Truppen zurückdrängten und Europa innerhalb weniger Monate von Westen her befreiten.
Zurück in Oberbayern lernte Käthe ihren Mann Herbert kennen.
„Er stammte aus Welleschitz in Böhmen, dem heutigen Velesice, und war in amerikanischer Kriegsgefangenschaft“, erzählt Sohn Herbert.
Seltenen Namen
bekannt gemacht
In der Bad Aiblinger „Station“ war er nach Kriegsende als Zivilangestellter tätig, unter anderem als Busfahrer für die Angestellten der amerikanischen Basis und für die Schulkinder.
Als Käthe und Herbert sich Ende der 40er-Jahre begegneten, hatten ihre Eltern Bedenken: „Woborschil? So ein komischer Name. Willst du den Mann wirklich heiraten?“, sollen sie die junge Frau gewarnt haben. Doch Herbert hatte längst ihr Herz erobert. 1953 sagte Käthe schließlich „Ja, ich will“, denn: „Ich heirate ja nicht den Namen, sondern den Menschen.“
Den seltenen Familiennamen allerdings machte sie im Modehaus „Senft“ zu einem Begriff. „Woborschil und Senft, das gehörte für die modebewussten Damen bald zusammen“, erzählt Sohn Herbert nicht ganz ohne Stolz auf seine Mutter, die in der Rosenheimer Modewelt mehr als 50 Jahre und auch nach der Rente noch tätig war.
Herbert junior wurde 1958 als einziger Sohn der Woborschils geboren: „Damals lebten wir noch in der Brückenstraße. 1969 erfüllten sich die Eltern ihren Traum vom Haus und bauten im Kolbermoorer Süden.“ Reisen und Sport waren die Leidenschaften von Käthe Woborschil. Zwar kehrte sie nie nach Frankreich zurück, dafür war sie mit ihrem Mann und Freunden jedes Jahr mindestens einmal auf den Kanarischen Inseln oder in Italien.
„Als sie 75 Jahre alt wurde, habe ich sie ganz behutsam davon überzeugt, dass sie nun vielleicht doch nicht mehr Skifahren sollte“, erinnert sich ihr Sohn und ist voller Bewunderung für die Fitness seiner Mutter, denn: „Sie war immer sehr sportlich, drehte jeden Morgen im Kolbermoorer Schwimmbad ihre Runden. Bis zu ihrem 88. Lebensjahr war sie regelmäßig in voller Montur mit ihrem Rennrad unterwegs.“ Ihre gute Gesundheit brachte Käthe Woborschil auch im hohen Alter sicher durch die Corona-Pandemie. „Mutter ist viermal geimpft und zweimal genesen“, berichtet ihr Sohn, denn sie war im März 2020 eine der ersten Corona-Infizierten. Zum Glück hat sie die Infektion auch im Dezember 2022, kurz vor ihrem 100. Geburtstag, symptomfrei überstanden.
Kleine Feier zum
großen Jubiläum
Vor acht Jahren ist Käthe Woborschil von Kolbermoor nach Bad Aibling umgezogen. Im Pensionistenheim Höllmüller bewohnt sie ein gemütliches Zimmer mit Balkon. Von hier aus kann sie den Wendelstein in der Ferne noch gut sehen. Doch ihrer Rätsel-Leidenschaft kann sie leider nicht mehr frönen, weil ihre Sehkraft im hohen Alter nachgelassen hat.
In Bad Aibling feierte sie nun gemeinsam mit Sohn Herbert, Schwiegertochter Claudia und Enkel Michael ihren 100. Geburtstag. Zu den Gratulanten gehörten auch Stephan Schlier, der Erste Bürgermeister der Stadt Bad Aibling, und das Team des Seniorenheims Höllmüller. Zenta und Anton Brenner besuchten die Jubilarin nicht nur als langjährige Nachbarn. Sie überbrachten auch die Glückwünsche des Rauchclubs Kolbermoor, dem Käthe Woborschil schon seit vielen Jahren angehört.