Quest-Club setzt neues Konzept um

von Redaktion

Mini-Club geschlossen und Kindersport gestrichen – Ärger bei Müttern ist groß

Kolbermoor – Am 1. April führt der Quest Club ein neues innovatives Konzept für Fitness und Gesundheit ein. „Es baut auf den Stärken des Studios auf, zu denen vor allem Yoga, Kurse und Kardio gehören“, erläutert Geschäftsführer Christoph Bischoff.

„Ziel ist ein gesamtheitliches Training, das gemeinsam mit internationalen Marktführern der Fitnessbranche wie eGym, Gym80 und Seca erarbeitet wird und ein einzigartiges Angebot in die Region bringt“, so Bischoff. In einer Pressekonferenz am morigen Freitag werden alle Neuerungen ausführlich vorgestellt.

Anamnese
braucht Diskretion

Ein Baustein des neuen Konzepts ist die professionelle Anamnese. „Dabei werden persönliche, sehr sensible Daten für das individuelle Training gesammelt“, erläutert Bischoff. Dafür werde die Diskretion eines separaten Raumes gebraucht. Bislang hatte dort der Mini-Club sein Domizil. „Unsere Kernkompetenzen sind Fitness und Gesundheit. Die Kinderbetreuung gehört nicht dazu. Es tut mir leid, dass dieses Angebot wegfällt“, bedauert Bischoff die Entscheidung.

Perspektivisch soll es auch sportliche Angebote für Kinder und Jugendliche geben, kündigt er an. Dafür werde ein professionelles Konzept erarbeitet und zu einem späteren Zeitpunkt präsentiert. „Für Kleinkinder können wir leider weder sportliche noch Betreuungsangebote machen.“

Junge Familien
sind enttäuscht

Der Mini-Club und der Kindersport waren zwei Angebote, die den Quest-Club vor allem für junge Familien zu etwas ganz Besonderem machten, auch wenn diese vielleicht nur einen geringen Prozentsatz der etwa 1300 Mitglieder ausmachen. Zum 1. März sind sie nun weggefallen. Sie sind mit ihrer Enttäuschung an die Öffentlichkeit gegangen: „Die Familien haben beim Besuch im Fitnesscenter erfahren, dass der Kinderclub schließt“, sagt eine Mutter und betont, dass es bis zur Schließung keine E-Mail-Kommunikation mit den Mitgliedern gegeben habe. Stattdessen sei den Kinderbetreuern überraschend gekündigt worden.

Die Konsequenzen beschreibt Susanne Vetterl: „Uns fitnessbegeisterten Eltern wird dadurch urplötzlich die Möglichkeit genommen, am Fitnessangebot teilzunehmen.“ Der Quest-Club sei einer der wenigen Sportclubs im Landkreis Rosenheim gewesen, der eine Kinderbetreuung ohne Altersbegrenzung angeboten habe. „Zwischen Tür und Angel wurde nach einem Fitnesskurs einem Kreis von Eltern und kinderbetreuenden Mitarbeitern durch die neue Geschäftsleitung mitgeteilt, dass diese Leistung nicht mehr angeboten wird“, sagt Vetterl gegenüber den OVB-Heimatzeitungen und betont: „Das bedeutet für die Eltern, dass sie die Fitnessangebote nicht mehr besuchen können, weil sie nicht wissen, wohin mit den Kindern.“

Alle Beteiligten seien sehr betroffen, betont Susanne Vetterl. „Den Eltern wurden als Entschädigung für nicht mehr erbringbare Leistungen ironischerweise zwei beitragsfreie Monate angeboten.“ Sie sei aber der Meinung, dass der Beitrag angepasst werden müsste, wenn eine Leistung, die in den Verträgen steht und im Monatsbeitrag inbegriffen ist, gestrichen werde.

Natürlich könne man nachvollziehen, dass auch bei einem Fitness-Club-Betreiber die monatlichen Kosten steigen und diese über eine Beitragserhöhung weitergegeben werden, betont Vetterl. Das sollte jedoch offen und transparent kommuniziert werden. „Der Quest-Club war ein Fitness-Club, der immer sehr viel Wert auf einen familienfreundlichen Umgang und auf Wertschätzung gelegt hat“, sagt sie. Dieser werde ihrer Meinung nach nun innerhalb kürzester Zeit in einen profitorientierten Club umgestaltet, in dem fitnessbegeisterte Eltern keinen Platz mehr hätten.

Auch Valerie Schönauer fühlt sich ausgegrenzt. Vor der Schwangerschaft, so erzählt sie, sei sie nach der Arbeit gern für eine Stunde im Fitnessstudio gewesen. Nach der Geburt ihres Kindes fühlte sie sich isoliert, denn: „Sehr wenige Cafés haben einen Bereich für Kinder oder zumindest Tische, die so weit auseinanderstehen, dass der Kinderwagen hindurchpasst. Was mich aber am meisten trifft, ist der Ausschluss sehr vieler sportlicher Möglichkeiten im Alltag. In Fitnessstudios sind Kinder unerwünscht, obwohl eine abgetrennte Ecke, in der sich Kinder aufhalten könnten, für viele Studios eine Bereicherung wäre.“

„Ich war
schockiert“

Auf ihrer Suche nach einem geeigneten Fitnessstudio wurde Schönauer schließlich in Kolbermoor fündig. „Ich fühlte mich im Quest-Club sofort wohl, alle waren freundlich, und es gab sogar einen eigenen Raum mit einer Betreuungsmöglichkeit am Vormittag.“ Doch ihre Freude währte nicht lange.

„Ich war schockiert, dass Mütter derart ausgeschlossen werden, weil sie in der Gesellschaft nicht berücksichtigt oder gar absichtlich ignoriert werden“, ist sie empört: „Damit fällt in Rosenheim das letzte Fitness-Studio weg, in dem Mütter trainieren können, ohne sich einen Babysitter zu besorgen, der für viele Familien nicht bezahlbar und unter der Woche vormittags eh kaum zu finden ist.“

Willkommene Auszeit
für Mütter fällt weg

Eine Mutter müsse in Deutschland genug stemmen, findet Valerie Schönauer, deshalb habe „jede Mutter die Möglichkeit verdient, sich eine Stunde am Tag um sich selbst zu kümmern.“

In der Realität aber müssten Alleinerziehende oder Partnerinnen von beruflich stark eingebundenen Männern alles allein managen und erhielten keine Unterstützung: „Wir haben 2023! Dennoch werden Frauen weiterhin geringgeschätzt und Kinder als Last abgeschoben.“

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