Kolbermoor/Wasserburg – Bis zu dem Telefonanruf am Sonntagabend war das Wochenende eigentlich recht ruhig verlaufen. Ich bereitete gerade das Abendessen vor, als das Telefon klingelte. „Hallo, hier spricht xyz (den Namen konnte ich nicht richtig verstehen). Ich bin Klima-Aktivist und will Sie nur informieren, dass wir morgen in Ihrer Straße eine richtig große Aktion planen. Wir werden uns festkleben und das Fernsehen wird dabei sein“, erklärte mir eine männliche, ziemlich forsche Stimme am Telefon.
Wir wohnen doch in Kolbermoor in einer kleinen Sackgasse, das kann ja wohl nicht wahr sein, schoss es mir durch den Kopf. Ich fragte: „Okay, und was soll ich jetzt tun? Mein Auto wegfahren oder was wollen Sie?“ Der Mann antwortete: „Sie werden doch wohl die Aktionen der Klima-Aktivisten kennen!“ „Ja, klar, „unterbrach ich ihn, „aber, wissen Sie wirklich, wo ich wohne?“ Der Anrufer: „Äh, ja. Sie haben da jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie stellen uns in Ihrem Haus einen Lagerraum für Klebematerialien und Infotafeln zur Verfügung, oder wir können Sie auch gerne morgen selbst auf der Straße festkleben.“ Ich war perplex, aber dann auch wieder ganz Redakteurin: „Da bin ich ja wirklich gespannt, was Sie hier morgen alles auf die Beine stellen. Super für Sie, dass ich bei der Zeitung arbeite, da machen wir morgen gleich einen Bericht über die Aktion“, stellte ich dem Anrufer in Aussicht.
Das schien ihm allerdings gar nicht zu gefallen, denn er legte anschließend sofort auf. „Tut, tut, tut“, war nur noch aus dem Telefon zu hören. Aber die 0176er-Handynummer wurde noch auf der Anruferliste angezeigt. Ich versuchte zurückzurufen, aber es hieß nur knapp: „Die Mailbox ist nicht aktiviert.“ So saß ich da: Ziemlich nachdenklich, denn erst vor knapp einem Jahr hatte ein Betrüger über Whatsapp versucht, mit einer fiesen Masche Geld von mir zu ergaunern.
Beinahe wäre ich dem Ganoven damals auf den Leim gegangen, überlegte, wie ich meinem vermeintlichen Sohn finanziell schnell aus der Patsche helfen könnte. Dann vertippte sich der Ganove beim Schreiben der nächsten Whatsapp so heftig, dass ich gerade noch rechtzeitig erkannte, dass es ein Fremder war, der mich da um Hilfe anflehte. Doch was wollte nun dieser Klima-Aktivist von mir? Er hatte keine Geldforderung gestellt. Merkwürdig erschien mir der Anruf trotzdem.
„Wollte er unser Haus aufsuchen und später dort einbrechen oder mich doch noch um Geld für den Klimaschutz bitten, wenn ich Lagerraum und selbst ankleben verweigert hätte?“, fragte ich mich. Am nächsten Morgen begann ich mit der Recherche. Bei der Wasserburger Polizei fragte ich nach, ob sie von derartigen Anrufen bereits Kenntnis hätte. „Nein“, hieß es, „haben wir nicht, aber das hört sich sehr merkwürdig an.“
Die Rosenheimer Polizei hörte sich auf meine Nachfrage im weiteren Kollegenkreis um und fand tatsächlich eine Spur: In Bad Aibling habe sich unter derselben Handynummer ebenfalls ein Anrufer als Klima-Aktivist ausgegeben und seinen verdutzten Gesprächspartner um einen Lagerraum gebeten, teilten mir die Beamten mit.
Weitere Ermittlungen hätten ergeben, dass dieser ominöse Anruf über eine App abgewickelt worden sei, mit der selbsterkorene Witzbolde anderen Streiche spielen könnten. Also: „Veräppeln per App“. (Anmerkung der Redaktion: Den Namen dieser App nennen wir an dieser Stelle ganz bewusst nicht.) Der anrufende „Scherzbold“ kann demnach im Internet zwischen verschiedenen Szenarien zu unterschiedlichen Themen auswählen – immer mit dem Ziel, den Angerufenen zu täuschen und selbst daran „Spaß“ zu haben.
„Das ist nicht strafbar“, so die Polizei aus Rosenheim. Im Internet fand ich einen weiteren wichtigen Hinweis: Es ist möglich, jede gültige Telefonnummer für solche Anrufe sperren zu lassen, und zwar über das Impressum dieser App auf ihrer Webseite.
Erleichtert bin ich jetzt schon, dass sich jemand mit diesem Anruf nur einen Scherz erlauben wollte. Lachen kann ich darüber allerdings nicht. Petra Maier