Kolbermoor – Im April feiert die neue Stadtbücherei ihr zehnjähriges Bestehen. Auch wenn die Historie des Bibliothekswesens in Kolbermoor schon 100 Jahre alt ist: „Diese zehn Jahre kann man mit dem Wort Erfolgsgeschichte zusammenfassen“, würdigte Bürgermeister Peter Kloo (SPD) die Entwicklung der Einrichtung im Rahmen der jüngsten Stadtratssitzung.
2009 hatte der Stadtrat sich für den Komplex aus Rathaus, Stadtbücherei und Volkshochschule entschieden. 2013 zog die Einrichtung aus dem alten Rathaus ins moderne Domizil um. „Der neue Standort ist ein ganz besonderer Ort in Kolbermoor. Das spüren wir an jedem Tag, denn unsere Bücherei hat sich zu einem Treffpunkt für Menschen aller Altersstufen entwickelt“, verdeutlichte Andrea Sondhauß, die Leiterin der Stadtbücherei.
Intensive Kinder-
und Jugendarbeit
Vor allem junge Familien genießen das Ensemble aus hellen Räumen, einem gemütlichen Kinderbereich, dem Spielplatz im Rathauspark und der benachbarten Gastronomie. Hinzu kommen die vielfältigen Veranstaltungen wie Bilderbuchkino, Vorleseaktionen, Kindertheater, der Sommerferienleseclub mit Abschlussparty und Führungen für Kinder durch die Bücherei. Doch es ist nicht nur ein „Kommen“, sondern auch ein „Gehen“. Die Mitarbeiterinnen der Bücherei sind in Kindergärten und Schulen zu Gast.
Sie packen auf Nachfrage thematische Medienkisten. „Und wir haben auch Tipps und Tricks für Eltern parat, wie sie kleine ,Lesemuffel‘ überlisten können“, sagte Andrea Sondhauß mit einem Augenzwinkern.
26 Prozent der Leser
sind jünger als 20
Mit wie viel Freude und Herzblut die Bibliothekarinnen ihren Auftrag leben, war allein schon bei der Präsentation im Stadtrat zu spüren. Wie erfolgreich sie dadurch Kinder zum Lesen bringen, ist in Zahlen sichtbar: Im vergangenen Jahr wurden mit 47884 Kinder- und Jugendbüchern sowie Comics allein 62 Prozent der Printmedien an junge Leser verliehen. Die Gesamtausleihen von Print- und E-Medien lagen bei 121187.
Insgesamt zählt die Kolbermoorer Stadtbücherei 5919 Leser (ohne Online-Leser). 2022 meldeten sich 389 neue Leser an – darunter waren 163 Kinder. „Auch in den ersten Monaten dieses Jahres haben wir schon wieder 100 Neuanmeldungen“, freut sich Sondhauß über die große Resonanz auf die Angebote der Bücherei, denn: „Die Kolbermoorer schätzen unsere Einrichtung sehr.“ An den Nachmittagen sei es manchmal so voll, dass „unsere Räumlichkeiten fast an ihre Grenzen stoßen“.
Ab dem 1. Juli geht das Team noch ein weiteres Stück auf Kinder und Jugendliche zu: „Wir werden dann dienstags zusätzlich von 14 bis 18.30 Uhr öffnen, denn wir möchten nach der Schule für die Kinder da sein.“ Zudem will das Team mit einem Instagram-Auftritt die Jugend noch direkter ansprechen und ihre Zusammenarbeit mit dem Jugendtreff ausbauen.
Insgesamt ist die Leserschaft sehr jung. 26 Prozent sind zwischen sechs und 20 Jahre alt. Wobei die Angebote für die jüngsten Leser noch gar nicht in der Statistik erscheinen, da sie bis zum sechsten Lebensjahr über die Eltern angemeldet werden. 17 Prozent sind zwischen 20 und 30, zehn Prozent zwischen 30 und 40 Jahre sowie weitere 16 Prozent zwischen 40 und 50.
Auch für Senioren gibt es in der Bücherei eine Vielzahl von Angeboten auch in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule. „Das Lesecafé wird sehr gut angenommen, unsere Filmnachmittage haben einen Zuschauerstamm von etwa 50 Senioren und auch das Interesse an den neuen Erzählcafés ist sehr groß“, informierte Sondhauß.
Jana Giebel, die stellvertretende Leiterin der Bücherei, lenkte den Blick auf die technische Ausstattung des Hauses: „Mit neuester RFID-Technik, zwei Selbstverbuchungsplätzen, elektroni- schen Gates an den Türen, Online-Medienkatalogen, der B-24 App, Laptops und Druckern ist unsere Bücherei up to date und die Medienrückgabe rund um die Uhr möglich.“
Bis zum 18. Lebensjahr ist die Nutzung der Bücherei komplett kostenlos. Alle anderen Leser zahlen eine einmalige Gebühr von fünf Euro für die Ausstellung ihres Benutzerausweises. Die Nutzung der fast 33000 Medien ist gebührenfrei. Die Stadt Kolbermoor investiert jährlich circa 320000 Euro in das Angebot. „Die Bücherei ist wertvoll, damit auch nicht billig. Keine Bücherei zu haben, wäre unbezahlbar“, betonte der Bürgermeister. Dagmar Levin-Feltz (SPD) würdigte das Angebot als Teil des Bildungsauftrages der Kommune. „Es ermöglicht auch sozial schwächeren Bürgern den Zugang zu Bildung. Ich bin sehr stolz auf unsere Bücherei.“ Andrea Rosner (Grüne) lobte die regionale Einkaufsinitiative der Bücherei. Zweiter Bürgermeister Dieter Kannengießer (Parteifreie) dankte dem Team für die große Vielfalt an Medien und das breite Spektrum an Veranstaltungen. Leonhard Sedl-bauer (CSU) dankte für ein super Angebot und die Vernetzung der Bücherei mit Volkshochschule, der Fair-trade-Gruppe und dem Jugendtreff. Christian Demmel (AfD) hob die Bedeutung der Einrichtung für soziale Kontakte hervor.