Ihre Tradition ist so alt wie Kolbermoor

von Redaktion

Schützengesellschaft besteht seit 160 Jahren – Ergebnisse der Stadtmeisterschaft

Kolbermoor – Auf eine 160-jährige Geschichte blicken die Kolbermoorer Schützen in diesem Jahr zurück. Ihre Gemeinschaft ist genauso alt wie Kolbermoor. „Armut, Kriegswirren und Not haben die Pioniere des Schießsports nicht davon abhalten können, ihre Ziele im Visier zu behalten“, sagt Vereinsvorsitzender und Schützenmeister Werner Gmeiner: „Das sind Konzentration, Präzision, Körperbeherrschung und sportlicher Wettkampf, genauso wie kameradschaftlicher Zusammenhalt und Traditionspflege.“ Doch seit Amokläufe auch Deutschland erschüttert haben und die Angst vor ungesicherten, scharfen Waffen in privaten Kellern umgeht, ist auch die Schützengesellschaft Bavaria und Wendelstein Kolbermoor Verunglimpfungen ausgesetzt.

Was Sportler im
Schützenverein lernen

Im Schützenverein lerne man nur das Töten, heißt es an den Schulen. Andere werten die Schützen als „Ballermänner“ ab. Wie schafft es der Verein trotzdem, seine Mitglieder auch im 160. Jahr seines Bestehens bei der Stange zu halten? „Weil es eben nicht darum geht, auf zehn Meter Entfernung ein Loch in einen Pappkarton zu stanzen, sondern weil es viel Geschick in der Handhabung unserer Sportgeräte braucht, um erfolgreich zu sein“, beschreibt Gmeiner.

Moderne Anlage
und Lasertechnik

Längst hat moderne Technik die Zielscheiben aus Pappe ersetzt. Und es muss auch keiner mehr mit der Lupe die Treffer auswerten. „Wir zielen auf einen Messrahmen. Das Projektil wird beim Durchflug auf den Bruchteil eines Millimeters vermessen und das Ergebnis am Rechner sofort dargestellt“, erklärt der Schützenmeister. Er selbst ist schon seit 50 Jahren Schütze und „kein anderer Sport hat mich je mehr fasziniert“. Gmeiner ging bei Ludwig Kohlhofer in die „Lehre“. Das Ehrenmitglied des Vereins wurde 1983 deutscher Meister der Senioren in der Klasse „Zimmerstutzen“. Und Kohlhofer war es auch, „der für den Fortbestand des Vereins im wahrsten Sinnedes Wortes Klingeln putzen ging“, erinnert sich Gmeiner an den Meister.

Doch was genau macht diesen Sport so besonders? „Er erfordert absolute Körperbeherrschung“, versucht Gmeiner das für ihn Selbstverständliche in Worte zu fassen: „Du musst Körper und Geist runterfahren, eine guten Stand haben, die Gedanken auf das Ziel fokussieren, alle Muskelgruppen und die Atmung bewusst einsetzen und das Sportgerät in eine behutsame Körpersprache integrieren.“

Ehe aus einem Anfänger ein erfolgreicher Sportler wird, vergeht viel Trainingszeit. „Das erfordert ungeheure Disziplin und Ausdauer“, weiß Gmeiner. „Doch dabei werden wichtige Fähigkeiten wie Konzentration, Koordination, Selbstbeherrschung, Balance und Feinmotorik entwickelt.“

Schießwütige Rambos
gibt es hier nicht

Dass der Verein dabei keine „Rambos“ züchtet, schließt Gmeiner schon ab dem ersten Kennenlernen interessierter Neulinge aus. „Man erkennt schon an den ersten Fragen, was ein Mensch mit diesem Sport verbindet“, sagt er aus Erfahrung. „Wer rumballern will, so wie er‘s von fragwürdigen Online-Shooter-Games kennt, der ist bei uns völlig falsch und wird auch nicht aufgenommen.“

Für alle 50 Vereinsmitglieder der Schützengesellschaft legt Gmeiner seine Hand ins Feuer, denn er erkennt, „wer den Sport ernst nimmt“. Zudem müssen vor dem Training an der „Waffe“ zahlreiche Lehrgänge in Sach- und Regelkunde bei erfahrenen Trainern absolviert werden.

War Gmeiner selbst bayern- und deutschlandweit als Schütze erfolgreich, trainiert er nun eines der größten Talente der Kolbermoorer Schützengesellschaft: Lena-Sophie Weigl. Zweimal schon war sie im Dreistellungskampf – also stehend, kniend und liegend schießend – bei deutschen Meisterschaften am Start. „Sie gehört zu den 50 besten Schützinnen Deutschlands und hat den Ehrgeiz, es wirklich weit zu bringen“, ist Gmeiner stolz auf die 15-Jährige.

Leichter Einstieg
mit dem Lichtgewehr

Sportlicher Nachwuchs ist im Verein willkommen. Einen guten Einstieg bieten Lichtgewehre und -pistolen. „Diese sind leichter als unsere traditionellen Sportgeräte. Sie funktionieren mit einem Lichtimpuls, ohne Munition, Rückschlag und Geräusch“, erklärt der Schützenmeister. „Auf die Scheibe wird mit einem roten Lichtpunkt gezielt, der Treffer und sein Wert werden am PC angezeigt.“ Neben den Lichtgewehren wird in Kolbermoor mit Luftgewehr und -pistole geschossen. Jetzt wurden die Stadtmeisterschaften ausgetragen, an denen sich 42 Sportler der SG Bavaria und Wendelstein Kolbermoor, der Stadt sowie der Altschützengesellschaften Lohholz und Pullach beteiligten. In der Mannschaftswertung war Kolbermoor vor Pullach und Lohholz erfolgreich. Stadtmeister wurden Markus Stahuber (Luftgewehr, Kolbermoor), Matthias Determeyer (Luftpistole, Pullach) und Erwin Heimbuchner (Kombination, Pullach).

Die Sieger in den einzelnen Disziplinen

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