Maibaum antwortet auf Klopfkonzert

von Redaktion

Nach kritischer Sachverständigenprüfung kann traditionelle Feier am 1. Mai starten

Kolbermoor – Der Maibaum darf stehenbleiben. Er ist gesund, stabil und muss erst im nächsten Jahr wieder „unter den Hammer“. Erst 2026 hat er ausgedient und seine traditionellen fünf Jahre geschafft. Dann werden Kolbermoorer Trachtler, Stadtsingschule, fleißige Helfer und Diebe sicher auch wieder mehr Freude am Brauchtum haben.

Dieser Maibaum ist ein ganz „stiller“. Unter Corona-Bedingungen haben ihn die Immergrünen und Mangfalltaler Trachtler geschlagen, geschepst, geschliffen, zugeschnitten und bemalt.

Im Corona-Jahr
ohne Fest aufgestellt

Aufgrund der Corona-Pandemie musste das 28 Meter lange Prachtexemplar – gestiftet von Wast Voit – ohne großes Brimborium von den beiden Kolbermoorer Trachtenvereinen, der Singschule und dem Kolbermoorer Bauhof am Platz vor dem Alten Rathaus aufgestellt werden. „Nur ein paar zufällige Besucher staunten, was da vor sich ging“, erinnert sich Walter Weinzierl, der Ehrenvorsitzende der Mangfalltaler.

Nun kommt der Maibaum in sein drittes Jahr. „Ab jetzt muss er von einem Sachverständigen geprüft werden“, erklärt Jürgen Halder vom Bauamt. Am Dienstag, 11. April, war es soweit: Mit der Drehleiter der Kolbermoorer Feuerwehr wurden Professor Dr. Martin Illner und Gerätewart Hubert Schmid nach oben befördert, um den Baum zu inspizieren. Illner ist öffentlich vereidigter Sachverständiger für Holzschutz und Holzschäden sowie ehemaliger Dozent an der Technischen Hochschule Rosenheim. Er führte die Überprüfungen durch und kontrollierte den Maibaum auf Beschädigungen. „Besonders anfällig sind lackierte Maibäume, da in die Trocknungsrisse Regenwasser eindringen kann und das eingetretene Wasser durch die Lackschicht nicht mehr austrocknen kann“, erklärt er. Durch die Feuchte entstehe ein Mikroklima, das die Entwicklung holzzerstörender Pilze begünstige. In der Folge könne der Maibaum innen morsch werden. Die weiß-blaue Lackierung ist Teil der Kolbermoorer Tradition. „Es gibt Trachtler, die ihren Maibaum nur schepsen und roh aufstellen, aber wir lackieren ihn in den bayerischen Farben“, erklärt Weinzierl.

Mit einem Zimmerer-Hammer klopft Professor Illner den Maibaum ab. „Bei hellem Klang ist alles in Ordnung, bei dumpfem Klang ist von Pilzbefall auszugehen“, kommentiert er sein Konzert. Sind die Klopfzeichen nicht eindeutig, könne der Zustand des Holzes mit einem Bohrwiderstandsmessgerät noch genauer geprüft werden. „Ungefähr ein Drittel der geprüften lackierten Maibäume fallen bei dieser Prüfung durch und müssen abgebaut werden“, so die Erfahrung des Holzexperten. Für die Kolbermoorer hatte er eine gute Nachricht: Ihr Maibaum hat die Prüfung ohne Beanstandungen bestanden. Darüber freute sich an diesem Tag besonders Christian Staudinger, der als Bauhofmitarbeiter das Prozedere begleitete und zugleich der Vorsitzende des Trachtenvereins „Immergrün“ ist.

In der kommenden Woche, so kündigt er an, werden noch die Vereins- und Zunfttafeln angebracht. Und am 1. Mai beginnt um 10 Uhr das traditionelle Maibaumfest – mit Liedern und Tänzen der Jugend der Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor und der Trachtenvereine „Immergrün“ und „D’Mangfalltaler“. Ab 11 Uhr gibt es Brotzeit und Bier sowie Kaffee und Kuchen mit musikalischer Begleitung der „Jazzed Married“. Ab 12.30 Uhr spielt die Kolbermoorer Stadtkapelle auf, und am Nachmittag sind die Goaßlschnoiza des Trachtenvereins „Immergrün“ zu erleben.

2026 wird es wieder spannend um den Maibaum. Im Fünf-Jahres-Rhythmus wird dann ein neuer Baum gefällt und heimlich hergerichtet. Vielleicht gibt es dann auch wieder Wachen, Diebe, viele lustige Brotzeiten und viele Mass Bier.

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