Keine Zeit alt zu werden

von Redaktion

Quest Dance Club feiert Jubiläumsparty – 250 Mitglieder in zehn Jahren

Kolbermoor – „Tanzen ist Lebensfreude pur: Man kann sich auspowern, und Körper wie Sinne sind dabei so wach wie nie.“ Günther Begert, der das sagt, ist extra aus Landshut angefahren für die Veranstaltung des Quest Dance Clubs. Seine Partnerin Martina Pürrer kam sogar aus Niederösterreich. Die beiden waren zwei der mehr als hundert Gäste, die im Mareis-Saal das zehnjährige Bestehen des Dance Clubs feierten – mit einem Abend, der ganz unter dem Zeichen des Boogie-Woogie stand. Am Nachmittag hatte es dazu schon einen Workshop gegeben.

Wenn Tanzen aber so ein tolles Erlebnis ist, wie kommt es dann zu Sprüchen wie „Tanzen ist eine Beschäftigung für Frauen und Tanzbären“, mit denen nicht wenige Männer ihre Flucht vor jeder Tanzfläche begründen? An irgendwelchen grundsätzlichen Unterschieden zwischen Mann und Frau hinsichtlich der Körperbeherrschung kann es nicht liegen, davon ist Robert Fritz, ein ebenfalls begeisterter Tänzer an diesem Abend, überzeugt.

„Manche fühlen sich
in der Disco sicherer“

„Wäre dem so, dann dürfte es auch keine männlichen Fußballspieler geben.“ Er meint, dass sich alle, die so etwas sagen, nur einfach selbst im Weg sind. „Es ist einfacher und ,sicherer‘ in einer Disco cool am Rand zu stehen, als sich tanzend direkt auf ein Gegenüber einzulassen und sich damit auch ein Stück weit zu offenbaren.“

Einlassen auf einen
anderen Menschen

Genau darum, ums Einlassen auf einen anderen Menschen, geht es aber beim Tanzen, sagt Anna, eine der jungen Tänzerinnen an diesem Abend. Und sie gibt zu, dass das durchaus fordernd sein kann. „Es ist wie bei einer Unterhaltung – man kann übers Wetter reden, dann bleibt das nett und harmlos und strengt niemand an. Man kann aber auch eine richtige Unterhaltung führen, bei der man auf den anderen wirklich eingeht. Das aber geht nicht nebenher, da muss man ganz und gar dabei sein.“

Für sie und wohl für alle anderen macht jedoch gerade das den Reiz des Tanzen aus: Auf den eigenen Körper zu achten und auf den des Partners, getragen und getrieben vom Rhythmus der Musik, die an diesem Abend von „Carla And The Great Balls On Fire“ kam, sowie von DJ Rainer Zellner.

Der Quest Dance Club bietet auch Schnuppertrainings für Einsteiger an. Offensichtlich mit Erfolg: Aus einigen Tanzbegeisterten, die sich im Jahr 2013 zusammenfanden, ist mittlerweile ein Verein mit über 250 aktiven Tänzern geworden, die sich nicht nur immer wieder zu Workshops in den Sparten Boogie-Woogie, Salsa und Tango treffen, sondern auch zum Tanzen „einfach nur so“.

„Und bei den Männern, die sich auf das Abenteuer des Tanzens einlassen, kann man feststellen, dass gerade sie, wenn sie einmal ihre Anfangswiderstände überwunden haben, Feuer und Flamme sind und dann durchaus die treibende Kraft beim Besuch von Workshops“, sagt Anita Windsberger, die Vereinsvorsitzende.

Günther Begert, der Boogie-Woogie-Fan aus Landshut, stellt dazu fest: „Wenn man einmal richtig angefangen hat, dann lässt einen das einfach nicht mehr los.“

Wobei das auch für all jene gilt, die einfach nur tanzen wollen. Daniela Ludwig, die Schirmherrin dieses Abends, erzählt zum Beispiel, dass sie über 20 Jahre hinweg Ballett getanzt habe. „Ich war nie eine Überfliegerin“, meint sie, „aber mich hat das einfach fasziniert und das hat gereicht. Es gibt nichts, das auf schönere Weise Körper und Geist gleichermaßen in Schwung hält als Tanzen.“

Wie sehr, auch das konnte man an dem Abend sehen, und zwar am Beispiel von Regina Pieger. Die 67-Jährige, die zu dem Abend aus München angereist war, gewann mit ihrem jungen, zugelosten Partner Johannes Fischer das kleine in den Abend eingebaute Tanzturnier – mit deutlichem Abstand zu wesentlich Jüngeren. „Wer tanzt“, so ihr Fazit „hat eben gar keine Zeit alt zu werden“.

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