Kolbermoor – „Motorradfahren bedeutet Freiheit“, schwärmt Herbert Schmid. Sobald die Sonne scheint, ist der Vorsitzende des Motorradclubs Kolbermoor auf Tour, und das nun schon seit fast 50 Jahren. Als er 15 Jahre alt war, stieg er aufs Mofa, mit 16 aufs Moped und mit 18 schließlich aufs Motorrad um. Seitdem weckt jeder Sonnenstrahl bei ihm und seiner Frau den Wunsch, „eine schöne Runde zu fahren“.
Dem Motorradclub gehört Schmid seit 20 Jahren an, denn „in der Gruppe zu fahren, ist einfach schöner“. Neben den mehrtägigen Frühjahrs- und Herbstausfahrten mit Zwischenstopps in „MoHos“ (Motorradhotels) steht an jedem Sonntag eine Ausfahrt auf dem Programm. „Wir treffen uns um 9 Uhr an der OMV-Tankstelle. Wer mitfahren will, ist dabei“, beschreibt Schmid das Agreement. Dann geht es in die Berge, an Seen oder zu Veranstaltungen in der Region.
Eine Saison von „O bis O“ gibt es eigentlich nicht mehr: „Das Klima ist inzwischen so mild, dass man das ganze Jahr über fahren kann.“ Trotzdem wird der Start in den Frühling mit einem ausführlichen Technikcheck gründlich vorbereitet und seit 1976 mit einer besonderen Zeremonie begangen: der Motorradweihe am alten Rathausplatz. Ab 8.30 Uhr kommen die Biker hier an und nehmen Aufstellung. „Es sind nicht nur Fahrer aus unserem Club, sondern aus der ganzen Region“, ist Schmid stolz auf die Resonanz. Manches Jahr waren es bis 300 stählerne Rösser, die samt Reiter gesegnet wurden. Für alle binden die Kolbermoorer Biker vorab kleine Blumensträuße, die für diesen besonderen Moment am Fahrzeug befestigt werden. Um 9.30 Uhr beginnt Pfarrer Maurus Scheurenbrand mit der Segnung. „Das ist ein gutes Gefühl, man fühlt sich behütet“, beschreibt der Vereinsvorsitzende. Trotzdem werden die Kolbermoorer Biker nicht übermütig. „Wir sind keine Hitzköpfe, sondern ein Team, das gemeinsam Touren fährt.“ Gefahren lauern trotzdem überall: „Man muss als Biker sehr vorausschauend fahren, denn man wird gern übersehen.“ Zudem lasse auch die gegenseitige Rücksichtnahme oft zu wünschen übrig: „Manche Autofahrer machen sogar extra ihre Fahrzeugtüren auf, damit wir nicht am Stau vorbeifahren können.“
Zudem gibt es gerade in der Übergangszeit vor allem in Waldstücken oder auf Brücken noch feuchtglatte Straßenabschnitte. Der Winter hat neue Schlaglöcher hinterlassen, und auch Rollsplittreste können für Biker gefährlich werden.
Das Wetter ist für den Motorrad-Genuss natürlich entscheidend. Warm und trocken ist es ideal. Für die Motorradweihe am Sonntag, 16. April, aber ist kaltes Regenwetter vorhergesagt. Trotzdem tauscht Schmid das Auto gern gegen das Motorrad ein, denn: „Ich sitze 20000 Kilometer im Jahr in der Blechdose, da bin ich froh, wenn ich die Freiheit auf dem Motorrad genießen kann.“
Nach dem Biker-Gottesdienst auf dem alten Rathausplatz führt der Motorradkorso – angeführt von der Malteser-Motorradstaffel – über Rosenheimer Straße, Ludwigstraße und Untere Mangfallstraße zum Brückenwirt, dem Vereinslokal des MC Kolbermoor.
Besucher sind bei der Fahrzeugweihe und der anschließenden Tour durch die Stadt natürlich gern gesehen. Und auch an jedem dritten Mittwoch im Monat, wenn sich der Motorradclub ab 20 Uhr zum Stammtisch beim Brückenwirt trifft, sind Neugierige und Neueinsteiger jederzeit willkommen. Kathrin Gerlach