Kolbermoor/Atani – Schwester Mary aus Nigeria ist seit 42 Jahren Nonne, und doch hat die 61-Jährige viele Kinder. Einige von ihnen konnte sie schon in ein selbstständiges Leben verabschieden. 46 leben heute noch mit ihr im Waisenhaus in Atani, 350 besuchen Kindergarten, Grund- und Mittelschule. Einer „ihrer“ Söhne ist Peter. „Er war das erste Kind, das im Geburtszimmer unseres Waisenhauses zur Welt kam“, erzählt Mary. Bis heute kann sie sich an die starken Emotionen dieses besonderen Moments erinnern: „Ich habe das erste Mal eine Geburt erlebt und war so berührt, dass ich geweint habe.“
Peters Schicksal ist
symbolisch für alle
Das Schicksal von Peter ist symbolisch für das vieler Kinder in Nigeria, für die Schwester Mary Augustina Uyanne, der Kolbermoorer Förderverein „Madonna Angels“ und viele Spender aus dem Landkreis Rosenheim vor Ort eine Zukunft gebaut haben. Seine Mutter war sehr jung, ungewollt schwanger und wusste nicht, wie sie für ihr Kind sorgen sollte. Sie suchte im Waisenhaus Zuflucht, gebar 2009 ihren Sohn und ließ ihn in der Obhut von Schwester Mary.
Kinder sind behütet,
Mütter unterstützt
„Wir sagen den jungen Frauen: Lass Dein Kind erst einmal hier, bau Dir eine Zukunft auf und hol es, wenn es Dir besser geht“, beschreibt Mary ihre Philosophie. Peters Mutter war die erste, die diese Chance ergriff. Heute arbeitet sie im Wirtschaftszentrum Lagos, etwa neun Busstunden von ihrem Sohn entfernt. „Einmal im Jahr ruft sie an“, erzählt Mary. Für Peter ist die Ordensschwester seine „Mommy“, so wie für 46 andere Kinder auch. Er ist inzwischen 14 Jahre alt und hat die Entwicklung des Kinderzentrums von Atani miterlebt. Nach dem Waisenhaus wurde hier auch ein Gebäude für Kindergarten sowie Grund- und Mittelschule erbaut – alles mit den Spenden von „Madonna Angels“. Die Schule ist zwar schon seit einem Jahr in Betrieb, doch erst am 18. März wurde sie eingeweiht, denn: „Jetzt sind alle Wände farbenfroh gestrichen, haben wir die Klassenzimmer, Werkräume, ein Labor und einen Computerraum eingerichtet“, freut sich Mary über den Erfolg. „Gemeinsam mit den vielen Spendern aus der Region und den 72 Mitarbeitern vor Ort in Atani bietet unser Kolbermoorer Verein dort 350 Kindern aus armen Familien die Chance auf Bildung“, erklärt Marianne Mayer, Zweite Vorsitzende des Fördervereins und Seelenschwester von Mary. In Nigeria, so erklärt sie, gebe es keine Schulpflicht. „Können sich arme Familien das Schulgeld nicht leisten, bekommen ihre Kinder keine Bildung.“ Doch in Kindergarten, Grund- und Mittelschule der „Madonna Angels“ ist auch für sie Platz. Mit drei Schulbussen werden sie im Umkreis von etwa fünf Kilometern am Morgen zu Hause abgeholt und am Abend wieder zu den Eltern gebracht. Bei Schwester Mary werden sie gut behütet und bis zum mittleren Schulabschluss geführt.
Und wieder ist es Peter, an dessen Entwicklung klar wird, wie wertvoll Hilfe vor Ort ist. Er machte 2021 seinen Abschluss. „Jetzt besucht er das Priesterseminar“, ist Schwester Mary stolz auf ihren Schützling, dessen Zuhause nach wie vor das Waisenhaus ist.
Und obwohl Bürgermeister Peter Kloo als Gründungsmitglied des Fördervereins für den Vornamen des Jungen Pate stand, wählte der Nigerianer nicht den Weg in die Politik. „Er möchte unbedingt Priester werden“, sagt Schwester Mary. Und vielleicht war ihr Vorbild auch für ihn eine Berufung. Mary war 19 Jahre alt, als sie sich dazu entschied, ihr Leben Gott zu schenken und in den Dienst der Kinder zu stellen.
Nachfolgerinnen
schon in Ausbildung
Im Orden der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“ wurde sie zur Lehrerin ausgebildet, arbeitete im Kindergarten, unterrichtete Religion, Wirtschaft und Sport. Mit 36 Jahren wurde sie nach Deutschland entsandt, machte eine Ausbildung zur Altenpflegerin und arbeitete viele Jahre in Kolbermoor.
2009 kehrte Mary zurück, um das Kinderzentrum in Atani auszubauen. Dort gründete sie auch die Ordensgemeinschaft „Mutter der Zuflucht“, der heute 21 Missionsschwestern angehören, und in deren Reihen sie ihre Nachfolgerin finden wird, denn: „Ich werde bald 62 und will den Fortbestand unseres Zentrums sichern.“
Projektvorstellung am
Sonntag im Pfarrsaal
Zur Zeit ist Schwester Mary in Kolbermoor zu Gast. Gemeinsam mit Marianne Mayer berichtet sie in den Schulen, die für die Kinder in Nigeria eine gewaltige Unterstützung erlaufen oder erbastelt haben, vom Projekt. Am Sonntag, 23. April, ist sie ab 15 Uhr im Pfarrsaal Heilige Dreifaltigkeit an der Rainerstraße 6 zu Gast. Zum ausführlichen Gespräch mit Kaffee und Kuchen sind alle Paten und Interessierten eingeladen.
Weitere Informationen unter www.ovb-online.de.